Flugsicherheit

Wie die Bundespolizei Nacktscanner & Co testet

In Lübeck ist jetzt eine neue Forschungs- und Erprobungsstelle der Bundespolizei vorgestellt worden. Hier testen 20 Experten Waffen und Fahrzeuge, hauptsächlich aber Geräte für die Personen- und Gepäckkontrolle an Flughäfen. Auch das gesamte Duty-Free-Sortiment wird durchleuchtet.

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Mit Schwung schiebt Rainer Weinzierl eine Plastikschale mit drei Flaschen und einer Tube Hautcreme in das Durchleuchtungsgerät. Sofort erscheinen die Behälter auf dem Kontrollbildschirm. Einer davon, eine kleine Flasche mit Hustensaft, ist rot markiert. „Das Gerät ist fündig geworden und hat eine potenziell gefährliche Flüssigkeit erkannt“, sagt er.

Weinzierl ist Leiter der neuen Forschungs- und Erprobungsstelle der Bundespolizei in Lübeck, die jetzt offiziell vorgestellt wurde. Hier testen 20 Experten der Bundespolizei Waffen und Fahrzeuge, hauptsächlich aber Geräte für die Personen- und Gepäckkontrolle an Flughäfen.

Auch der umstrittene Körperscanner wird hier erprobt, doch bei der Eröffnungsfeier hielten Gäste und Journalisten vergebens nach dem Gerät Ausschau, dass am Körper versteckte Waffen und Sprengstoffe aufspüren soll. „Dieses Gerät werden wir erst vorstellen, wenn es an einem Flughafen in den Probebetrieb geht. Das wird wohl erst im zweiten Halbjahr 2010 so weit sein“, dämpfte die Pressesprecherin des Bundespolizeipräsidiums, Sandra Pfeifer, die Erwartungen.

Doch auch das Gerät, dass Weinzierl vorführt, ist wichtig für die Sicherheit im Flugverkehr. „Diese Anlagen sollen Flüssigsprengstoffe erkennen. Wir testen derzeit drei verschiedene Gerätetypen, die mit unterschiedlichen Technologien arbeiten“, berichtet der Polizeioberrat, der nach seinem Ingenieurstudium und einer Karriere in der Industrie 2001 als Quereinsteiger zur Bundespolizei kam.

Er legt das Fläschchen mit dem Hustensaft in ein Gerät, das mit Hilfe von elektromagnetischen Feldern und Infrarotspektrographie die Materialeigenschaften der Flüssigkeit prüft. „Alarm – Inhalt prüfen“ befielt das Gerät – eine genauere Kontrolle würde folgen.

Rund eine Million Euro hat das Herzstück der Forschungsstelle gekostet, eine rund 500 Quadratmeter große Halle. Sie untersteht dem Bundespolizeipräsidium mit Sitz in Potsdam und ist eines von vier europäischen Zentren zur Zertifizierung von Luftsicherheits- Kontrolltechnik, wie der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Ole Schröder (CDU), betonte. Weitere Einrichtungen dieser Art gibt es in Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien.

Nach den Plänen der Europäischen Union soll von April 2011 an die Mitnahme von Flüssigkeiten aus dem Duty-Free-Laden an Bord wieder unbeschränkt erlaubt werden. „Aus unserer Sicht dürfte das Ziel realistisch sein, schließlich ist die Zahl der Flüssigkeiten, die man da kaufen kann, beschränkt“, sagt Weinzierl und deutet auf ein Regal hinter sich. Dort stehen Alkoholika, Erfrischungsgetränke, Parfüms und Kosmetika. „Das typische Sortiment eines Duty-Free- Ladens, das wir gerade austesten“, sagt er.