Nachrichten aus Island waren in jüngster Zeit beunruhigend. Die Vulkaninsel schien kurz vor der Selbstversenkung zu stehen. Die isländische Krone stürzte ab. Der Premierminister erklärte, er wisse auch nicht, ob der Staatsbankrott noch zu verhindern sei. Die größten Banken des Landes wurden verstaatlicht – was unter diesen Vorzeichen ein schwacher Trost ist.


Der isländische Präsident musste wegen all der Unpässlichkeiten sogar seinen für kommende Woche geplanten Deutschlandbesuch absagen.


Man sollte meinen, die Stimmung im Norden wäre auf dem Nullpunkt, da erreicht uns diese gut gelaunte Pressemitteilung: Endlich sei auf der Atlantikinsel „Schnäppchenurlaub“ möglich. „Bei aller Betroffenheit über die Kursentwicklung bedeutet dies verbesserte Bedingungen für deutsche Touristen“, frohlockt der Direktor des isländischen Fremdenverkehrsamtes, David Johansson. Seine Pleite-Insel sei eine Super-spar-Destination „fürs Weihnachts-Shopping“.


Das ist insofern eine drastische Trendwende, da Island vor einem Jahr noch eins der teuersten Plätzchen Europas war. Damals kostete ein Glas Bier in Reykjavík noch so viel wie in El Arenal ein ganzes Fass.


Dem deutschen Schnäppchenjäger ist die rasante Entwicklung offenbar nicht entgangen: In den Monaten September und Oktober zog er sich aus den heimischen Elektronikmärkten zurück und reiste verstärkt nach Island. Das Fremdenverkehrsamt verzeichnet 60 Prozent mehr deutsche Besucher als im Vorjahr. Island wird die neue Dom Rep.

Die isländische Krisenbewältigungsstrategie, nach dem Kasinobesuch wieder auf Realwirtschaft zu setzen, erscheint wegweisend.


Schafe, Lebertran, Erdwärme, die Sängerin Emiliana Torrini – Island hat einiges zu bieten, das Einheimischen wie Besuchern das Herz zu wärmen vermag, wenn der Wind von vorn bläst. Man sollte darüber nachdenken, womit man hierzulande über den Winter kommen will.