Konkurrenz zu De-Mail

Post plant eigenen Dienst für sichere E-Mails

In Deutschland startet das Pilotprojekt eines neuen E-Mail-Dienstes für sichere Behördenpost. Das Innenministerium arbeitet dabei mit der Deutschen Telekom und United Internet zusammen. Die Deutsche Post befürchtet Nachteile im Wettbewerb um E-Post – und plant ihr eigenes Konkurrenzangebot ab 2010.

Im Rennen um die Zukunft des Briefes im Internet bringen sich die Deutsche Post und ihre Wettbewerber in Position. Das Bundesinnenministerium gab den Startschuss für ein Modellprojekt, bei dem Bürger in Friedrichshafen am Bodensee rechtsverbindlich und vertraulich über das Internet miteinander kommunizieren können. Mit von der Partie bei dem auf sechs Monate angesetzten Test der „De-Mail“ sind die Deutsche Telekom und der Netzanbieter United Internet.

Die Deutsche Post feilt ihrerseits an einem Internet-Projekt, mit dem sie ihr angestammtes Geschäft mit dem Brief in das elektronische Zeitalter hinüber retten will. Der Konzern befürchtet, dass „De-Mail“ einen zu engen regulatorischen Rahmen hat, der wiederum den Wettbewerb behindern und die Post ins Hintertreffen bringen könnte.

„Wir begrüßen ausdrücklich die politische Zielsetzung, einen Standard für sichere und verbindliche Kommunikation herbeizuführen“, sagte der für das Online-Projekt zuständige Post-Manager Johannes Helbig. „Ein solcher Standard soll aber ein Maximum an Wettbewerb und Innovation ermöglichen“, verlangte er.

Der Vorschlag für ein sogenanntes Bürgerportalgesetz, der auch die Basis für „De-Mail“ bildet, müsse deshalb weiterentwickelt werden. Die Post treibt offensichtlich die Sorge um, dass künftige regulatorische Vorschriften auf Angebote von Wettbewerbern zugeschnitten sein könnten.

Für den Bonner Konzern geht es um die Zukunft des traditionellen Kerngeschäfts. Die Post bekommt in der Briefsparte die Folgen der elektronischen Kommunikation deutlich zu spüren: Bürger und Unternehmen kommunizieren immer stärker über E-Mail – und Sendungsmengen beim Brief gehen zurück. Damit schmilzt der Ertrag der Briefsparte ab, die dem Konzern über Jahre hinweg verlässliche Milliarden-Gewinne einbrachte. Konzernchef Frank Appel reagiert darauf auch mit dem Online-Brief der Post. Doch die Wettbewerber stehen ebenfalls in den Startlöchern.

Die Post will mit ihrem System die Vorzüge des Briefs auf das Internet übertragen. In einem vor Ausspähungen geschützten System soll das Briefgeheimnis gewahrt bleiben. Nutzer sollen sich mit dem Personalausweis in Post-Filialen anmelden. So soll gesichert werden, dass Absender und Empfänger von Botschaften klar zu identifizieren sind. Zudem soll das neue System rechtsverbindlich sein und etwa Einschreiben mit Rückantwort über das Internet ermöglichen – was bei der E-Mail bislang nicht der Fall ist.

Zusätzlich kann der Konzern auf sein eigenes Zustellnetz zurückgreifen: Ist der Empfänger nicht Online erreichbar, landet der elektronische Brief ausgedruckt und im Kuvert im Briefkasten. Der Konzern lässt sein System derzeit von 5000 Mitarbeitern testen und will im nächsten Jahr bundesweit an den Start gehen. Zudem plant die Post ein Porto für den elektronischen Brief – wie hoch das ausfallen soll, ist noch nicht bekannt.

Auch die Wettbewerber rund um die Telekom setzen auf Internet-Systeme, die so sicher wie die Papierpost sein sollen. Das Innenministerium kündigte an, mit „De-Mail“ könnten Bürger, Unternehmen und Verwaltung vertraulich im Internet kommunizieren.

Der Staat stecke die Rahmenbedingungen ab, die Unternehmen könnten die sichere Plattform für ihre Produkte nutzen. Die Telekom unterstütze das Projekt „mit besonderem Engagement“, betonte T-Systems-Manager Jürgen Schulz. Die Post sei bereit, zusammen mit der Bundesregierung und anderen Anbietern an der Entwicklung von Standards für eine sichere Kommunikation über das Internet zu arbeiten, unterstrich Helbig.