"Fragen Sie in Ihrer Apotheke gezielt nach der neuen Apotheken Umschau“, rät die Stimme in der TV-Werbung. Tun Sie, was der Mann sagt! Nur dann wird man Ihnen das Magazin aushändigen. In dem es übrigens nicht nur um Altersdiabetes, Inkontinenz und Erektile Dysfunktion geht. Es geht auch um richtigen Sex. Ach was, nicht einfach nur Sex. Außerehelichen, animalischen Sex mit einem Fremden im Stundenhotel! (Nun. So hat es die „Apotheken Umschau“ nicht formuliert. Aber als Journalist lernt man, zwischen den Zeilen zu lesen.)

Fakt ist: Das Magazin hat eine Studie in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse jetzt veröffentlicht wurden. 654 Männer wurden gefragt: „Können Sie sich vorstellen, fremd zu gehen?“ Und jeder fünfte der fest Gebundenen sagte „Ja“.

Das eigentliche Ergebnis der Umfrage ist demnach: Vier von fünf Männern lügen. Das hört sich jetzt an wie ein Emanzenwitz. Wäre es vielleicht auch, wenn er witzig wäre. Oder wenn ich eine Emanze wäre. Doch das ist nicht der Fall. Ich kenne einfach eine Menge Männer aus der ehrlichen 20-Prozent-Gruppe. Die sagen mir die Wahrheit und schließen jedes Mal mit den Worten „Und Männer, die was anderes behaupten, lügen“. (Das macht sie so glaubwürdig.)

Auf diese Weise habe ich von meinem besten Freund erfahren, dass Männer sich sehr wohl vorstellen, die eigene Freundin zu betrügen. Bildlich. Zum Beispiel, wenn sie nachts mal einsam sind. „Ich kann mir dabei jede Frau vorstellen. Jede“, erklärte der Comedian Louis C.K. in der US-Sitcom „Lucky Louie“ einmal, „Sie muss nicht einmal existieren! Warum sollte ich mir ausgerechnet meine Ehefrau vorstellen?“ Die Fantasie-Frau kommt dann vielleicht auch mal beim Sex mit der Freundin zu Besuch. Einer Umfrage des Magazins „Mens Health“ zufolge hat jeder zweite währenddessen schon mal an eine andere gedacht.

Mein bester Freund sagt: „Ein Mann wird andere Frauen für Geschlechtsverkehr in Betracht ziehen, solange es andere Frauen gibt. Wer etwas anderes behauptet, lügt.“

Offenbar bilden selbst Familienväter keine Ausnahme. Ein Bekannter von mir ist gerade Vater geworden. Zudem ist er ein überaus gebildeter Typ und der einzige mir bekannte Beweis, dass ein Politikstudium und körperliche Attraktivität sich nicht ausschließen müssen.

Auch er gehört zu den 20 Prozent. Er erzählte mir kürzlich von einem Flirt, der ihn emotional sehr aufgewühlt habe. Als ich vorwurfsvoll die Stirn in Falten legte, erwiderte er: „Es ist doch eine Illusion, dass in dem Moment, in dem du eine Frau und ein Kind hast, deine Libido abstirbt. Früher dachte ich, mit dreißig wäre ich erhaben über solche Dinge. Aber eigentlich ist es nur noch schlimmer geworden.“ Ich fragte ihn, was seine Frau dazu sagt. „Wir haben eine Abmachung. Keiner von uns hat Sex mit einem anderen. Das wars. Nicht mehr und nicht weniger.“

Es sollte viel mehr von den 20 Prozent Männern geben. Von mir aus 100 Prozent Männer, die sich bewusst sind, dass in ihnen eine sexuelle Zeitbombe tickt und zulassen, dass man sie gemeinsam entschärft. Natürlich ist es ist nicht immer schön, was sie zu sagen haben. „Ich sehne mich nach fremden Brüsten“ möchte keine Langzeit-Partnerin gerne hören.

Aber wenn ein Mann so etwas ausspricht, etwas, was jede Frau natürlich sowieso ahnt, ist das ein Vertrauensbeweis, der es ermöglicht, eine partnerschaftliche Lösung zu finden. Ob dabei letztendlich eine offene Beziehung, die Trennung oder einfach ein flotter Dreier heraus kommt, das ist wahrscheinlich vom Zyklus abhängig. Vielleicht hilft es auch, gezielt danach zu fragen.