"Zu verbalen Attacken neigen in erster Linie Menschen, die nicht souverän in sich ruhen und emotionale Probleme haben", sagt Günther Beyer, Kommunikationstrainer aus Lindlar und Trainer für rhetorische Abwehrstrategien.
Der Wunsch zu besiegen
Jedes Gesprächsthema, egal wie nüchtern es auf den Tisch komme, sei von den Gefühlen der Sprechenden durchdrungen. Während man selbst glaube, völlig sachlich miteinander zu kommunizieren, tobten im Hintergrund Unsicherheiten, Eitelkeiten, Imponiergehabe und Trotz. "Wer einen verbal angreift und dabei unter die Gürtellinie schlägt, will nicht siegen, sondern besiegen. Man muss auf der gleichen Ebene kontern, um zu zeigen: Mit mir kannst du das nicht machen", meint Beyer. Nicht nur für das das Wohlbefinden, auch für das berufliche Weiterkommen sei es wichtig, dass man sich nicht abbügeln oder über den Mund fahren lasse. Schließlich gehe es darum, dass eigene Gesicht und auch die Position in der Öffentlichkeit zu bewahren. Einigen Zeitgenossen wurde die seltene Gabe der Schlagfertigkeit in die Wiege gelegt, der Rest der Menschheit ärgert sich jedoch tage- und wochenlang über Verbalattacken.
Kontern mit Rückfrage
Doch Schlagfertigkeit lässt sich, wie Kommunikationsexperten versichern, durchaus trainieren. Eine Strategie mit der man wenig falsch machen kann, ist das Kontern mit einer Rückfrage. Die Frage: "Welcher Dummkopf hat Ihnen diesen Floh ins Ohr gesetzt?" beinhaltet beispielsweise einen persönlichen Angriff. In einer solchen Situation sollte man nicht versuchen, sich zu rechtfertigen oder zu erklären. Auch nachzufragen, was dem anderen an der eigenen Idee nicht gefallen hat, ist nicht zielführend.
Als mögliche Abwehr schlägt Karrierecoach Meike Müller in ihrem Buch "Lizenz zum Kontern" die Gegenfrage "Welchen Floh meinen Sie?" vor. Auf diesem Weg setzt man den anderen unter Rechtfertigungsdruck und kann hoffen, dass Worte und Argumente schnell ausgehen. Eine "Gegenfragen-Straße" aufbauen nennt Günther Beyer diese Taktik. Als Beispiel nennt er einen Fall, in dem eine Kollegin den Kleidungsstil einer anderen Kollegin kritisiert. Zunächst kann man ganz allgemein bleiben: "Warum sagen Sie das?". Dann geht es weiter mit "Verstehen Sie etwas von Mode?"
Hört die Meckerei partout nicht auf, schlägt Beyer vor, die Strategie zu wechseln und die Wahrheit-Meinungs-Taktik anzuwenden. Feststellungen, die der Andere als allgemeingültige Wahrheit verkaufen will, werden zu seiner persönlichen Meinung umgemünzt. Der Spruch "Das mag Ihr subjektives Empfinden sein, aber ich sehe das ganz anders", kann helfen, unnütze Diskussionen schnell zu beenden. Im Umgang mit notorischen Querulanten rät Günther Beyer, noch härter zurückzuschlagen: "Das ist Ihr Problem!" In solchen Fällen geht es darum, Zähne zu zeigen. Meike Müller nennt deshalb die schärfste aller Retourkutschen Haifisch-Konter, die jedoch die letzte Möglichkeit zum verbalen Schlagabtausch sein sollte.
Humortaktik
Die Königsdisziplin in Sachen Schlagfertigkeit ist zweifellos die "Humor-Taktik". Rhetoriktrainer führen zu diesem Thema gerne eine Anekdote über Winston Churchill an, die die hohe Kunst der Schlagfertigkeit verdeutlicht. "Wenn ich Ihre Frau wäre, würde ich Ihnen Gift in den Kaffee schütten", sagte während einer Abendgesellschaft Lady Astor zu ihm. "Wenn ich Ihr Mann wäre, würde ich ihn trinken", antwortete Churchill. Auch wenn Rhetorikexperten gerne behaupten, jedem Menschen könne eine witzige Antwort einfallen, überzeugen beispielsweise Meike Müllers Humor-Anregungen eher weniger. Sie empfiehlt, den Satz "Sie können meiner langen Erfahrung vertrauen, das wird nichts" mit dem Spruch "Von Ihnen kann man so viel lernen" zu parieren.
Ein frecher Spruch alleine reicht jedoch nicht, anderen verbal Einhalt zu gebieten. Wichtig ist, dass die Körperhaltung im Einklang zum Gesagten steht. Ansonsten entlarvt man nur seine eigene Unsicherheit und macht sich erst recht zur tragischen Figur. Zu vermeiden sind alle Gesten, die Unsicherheit oder Nervosität bekunden, wie unsicheres Kratzen am Kopf oder ein hilfloses Rudern mit den Armen.
Egal wie man sich präsentiert: Der Schlagfertige riskiert eine Menge. Er kann daneben hauen, sich blamieren und somit unangenehm auffallen. "Wer zu scharf zurückschießt, läuft Gefahr, dass sich die anderen Anwesenden auf die Seite des Angreifers schlagen", sagt Günther Beyer. "Egal welche Strategie man anwendet, es gibt immer die Möglichkeit soft oder hart zu reagieren. Wenn man es mit Kunden oder mit einem Vorgesetzten zu tun hat, dann empfiehlt sich, in jedem Fall die softe Variante."
Meike Müller "Lizenz zum Kontern - Rhetorische Selbstverteidigung im Job", Eichborn, 12,95 Euro



