Abschied von der Uni, die erste Bewerbung steht an. Worauf ist zu achten? "Die schriftliche Bewerbung ist auch im Zeitalter von Internet und E-Mail nicht wegzudenken", sagt Renate Streng vom Streng & Partner Management-Trainings-Team in Edenecht bei Oldenburg. Die Trainerin unterstützt Kandidaten bei der Stellensuche und Firmen bei der Personalsuche. "Ein Anschreiben ohne Aussage ist ein Flop, da schaut keiner mehr in den Lebenslauf", sagt sie. Das Anschreiben sei eine "große Bühne" - auf der man allerdings leicht ins Stolpern gerate.
Wichtig ist eine klare Gliederung in maximal drei Absätze zu je drei bis sieben Zeilen. Der Text muss locker auf eine Seite passen, samt Unterschrift und "Anlage"-Hinweis. Er zeigt klares Profil und vermeidet Konjunktiv- und Negativformulierungen. Erwähnt wird, was man kann und will, auf keinen Fall, was man nicht kann und nicht will.
"Textbausteine aus Bewerbungsratgebern sind tabu. Die Personaler kennen sie alle in- und auswendig", warnt Streng. Schließlich möchte jede Firma kreative Köpfe, keine Kopierkönige. Grammatik- und Rechtschreibfehler sind ebenfalls K.-o.-Kriterien. "Und bitte nicht vergessen, zum Schluss den Text noch einmal frisch auszudrucken. Das Papier wirkt schnell gebraucht, wenn es bereits durch mehrere Hände gegangen ist."
Von hoher Qualität muss das Papier natürlich sein, glatt und weiß. Bei jungen Firmen dürfe es auch schon mal ein bisschen Farbe enthalten, meint die Expertin. Als Schrift wählt man einen klassischen Typus wie Times, Arial oder Verdana in der Größe 10,5 bis 12. Die Aktivierung der Silbentrennung im Schreibprogramm vermeidet einen hässlichen Flatterrand.
Beim Lebenslauf stellt sich die Frage: Wie viel darf ich lügen? "So viel wie nötig und so wenig wie möglich", sagt Streng. Praktika sollten unbedingt einen Bezug zum Stellenprofil zeigen. Die Konfession gehört nur bei kirchlichen Organisationen in den Lebenslauf und die Staatsbürgerschaft nur dann, wenn man kein Deutscher oder nicht in Deutschland geboren ist. Angaben von Geburtsdatum und -ort sind Pflicht, beim Familienstand heißt es heute nur noch "ledig" oder "verheiratet" - nicht mehr, wie früher, "geschieden".
Zeugnisse gehören chronologisch geordnet in die Bewerbungsmappe. Zertifikate von Weiterbildungen und Sprachkursen, die länger als fünf Jahre zurückliegen, lässt man besser weg. "Sie haben ein schnelles Verfallsdatum", sagt Streng. Nachweise über Stipendien und Wettbewerbserfolge gehören aber schon hinein. Wichtig ist die korrekte Reihenfolge: Deckblatt mit gutem Bewerbungsfoto (kein Passfoto!) und Telefonnummer, unter der man tatsächlich erreichbar ist und nicht nur der Anrufbeantworter; dann Lebenslauf, Zeugnisse. Das Anschreiben platziert man lose oben auf der Mappe.
Hat man es ins Bewerbungsgespräch geschafft, steht die nächste Hürde an. "50 Prozent der jungen Bewerber machen den Eindruck, sie wüssten nicht, wer sie sind und was sie wollen. Weitere 40 Prozent kompensieren ihre Unsicherheit durch Arroganz, und nur bei zehn Prozent entwickelt sich ein echter Dialog", sagt Michael Blochberger vom CIT-Institut für Corporate Identity und Teamentwicklung in Bremen. Als "ganz wichtiges Kriterium" nennt er "eine realistische Selbsteinschätzung". Der Bewerber muss erklären können, warum er ausgerechnet dieses Studium gemacht hat und was er in speziell jener Firma lernen will. "Die Sätze bitte perfekt im Hirn vorformulieren, kein verräterisches Äh ..." Sich gezielt und gründlich über die Wertekultur des Unternehmens zu informieren, ist oberste Pflicht. Werden dort Teamgeist, Fortschritt oder Verantwortung großgeschrieben? Dank Internet sei das heute möglich und werde erwartet.
Die Erwartung ans Beratungsgespräch herunterzuschrauben hilft, gelassen zu bleiben, sagt Blochberger: "Wenn man ruhig und selbstsicher ist, kriegt man den Job sowieso. Das Fachliche wird als selbstverständlich vorausgesetzt, sonst hätte man den Bewerber nicht eingeladen." Klappt es trotzdem nicht, rät Blochberger zur "positiven Umdeutung" der Absage: "Gehen Sie gesund mit der vermeintlichen Niederlage um. Fragen Sie ruhig, warum Sie die Stelle nicht bekommen haben. Vielleicht suchte die Firma einen kreativen Weichensteller und keinen Perfektionisten. Das ist aber dann nicht Ihr Problem."




