Verkehrssicherheit

Lärm im Helm wird unterschätzt

Die Unfallzahlen von Motorradfahrern sind hoch. Forscher wenden sich neuen Bereichen zu, um herauszufinden, was zu einem Unfall beitragen kann. Dabei werden auch Dinge untersucht, die auf den ersten Blick nebensächlich wirken – wie der Lärm, der durch den Helm an die Ohren eines Fahrers dringt.

Foto: bu_ae / dpa-Zentralbild

Die Unfallzahlen der Zweiradfahrer waren auch 2007 wieder besorgniserregend: Nach Angaben des Instituts für Zweiradsicherheit (ifz) in Essen starben im Jahr 2006 von Januar bis Juli 485 Menschen bei Unfällen mit motorisierten Zweirädern. Im gleichen Zeitraum 2007 waren es 538 - was einer Steigerung um 10,9 Prozent entspricht. Experten machen dafür unter anderem den milden Winter und damit die erhöhte Zahl von Motorradfahrten zu Jahresbeginn verantwortlich.

Eine Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in Bergisch Gladbach kommt aber zu dem Ergebnis, dass womöglich noch ganz andere Faktoren als Verkehrsdichte oder Wetter einen Einfluss haben könnten: zum Beispiel Kondition und Konzentration - in Verbindung mit der Frage, welchen Einfluss jene Geräusche haben, die den Motorradfahrer auf seinen Touren begleiten.

Diese Geräusche bewegen sich der Untersuchung zufolge auf einem Niveau, das nicht immer gesund ist. Das hat vor allem mit den Schutzhelmen und den Windgeräuschen zu tun. So verursacht mancher Helm bereits bei Tempo 80 einen gehörschädigenden Schalldruckpegel bis zu 93 Dezibel (db[A]). Zum Vergleich: 80 db(A) stehen für Staubsauger- oder auch Kinderlärm, im gewerblichen Bereich ist ab 85 db(A) ein Gehörschutz vorgeschrieben. Bei Tempo 120 zeigten die Messgeräte sogar Werte zwischen 86,8 und 105,4 dB(A). Dies sei mit dem Lärm einer Motorsäge in einem Meter Entfernung zu vergleichen.

"Bis vor wenigen Jahren hat man sich im Bereich der Helme tatsächlich wenig um den Lärm gekümmert", sagt ADAC-Motorradexperte Ruprecht Müller in Landsberg (Bayern). Mittlerweile gebe es jedoch Hersteller, die sich speziell auch um die Geräuschminderung kümmern. Potenzial für Verbesserungen gibt es: Das beginnt bei der Optimierung der Visierbefestigungen und geht bis hin zur unteren Helmöffnung, die als besonders große Lärmquelle gilt. Allerdings ist die Arbeit an der Lärmminderung nicht einfach - gerade auch im Zusammenhang mit anderen wichtigen Punkten wie der Sturzsicherheit.

So kann es durch einen speziellen Kragen zur Lärmminderung an der unteren Helmöffnung dazu kommen, dass ein Käufer Probleme beim Aufsetzen des Helms hat.

Der Käufer greift dann unter Umständen zu einem größeren Helm, den er leichter aufsetzen kann - nur ist dieser Kopfschutz dann im oberen Bereich schlicht und eingach zu groß, was die Sicherheit bei einem Unfall beeinträchtigt.

Matthias Haasper, Forschungsleiter des ifz, bestätigt, dass das Geräuschniveau auf einem Motorrad je nach Helm hoch sein kann. Das Unfallgeschehen sei aber nicht das Einzige, was es im Zusammenhang mit den Fahrgeräuschen zu beachten gilt. Zwar seien bei kürzeren Strecken kaum Gesundheitsprobleme zu befürchten. "Wenn aber täglich mit einem lauten Helm Langstrecken gefahren werden, kann dies auf Dauer zu Hörschäden führen", so Forschungsleiter Haasper.