Michael Conrad* begleitete seine Partnerin und die Mutter seiner Kinder sechs Jahre lang durch eine schwere Depression. Inzwischen leben die beiden getrennt, seine Frau Sylvia ist nach Jahren in der Psychiatrie heute stabil: „Als meine Frau an Depressionen erkrankt ist, waren wir schon 18 Jahre zusammen. Sylvia war plötzlich nicht mehr wiederzuerkennen. Sie war gleichgültig, lethargisch.“ Früher hätten sie sich immer etwas zu erzählen und viel zu lachen gehabt. „Jetzt hatte ich das Gefühl, gar nicht mehr an sie heranzukommen“, erinnert sich der 44-jährige Immobilienkaufmann.

16 bis 20 von 100 Menschen erkranken laut dem Bundesministerium für Gesundheit mindestens einmal in ihrem Leben an einer Depression oder einer chronisch depressiven Verstimmung. „Bei Frauen zeigt sich die Krankheit typischerweise mit einem verringerten Antrieb und Zukunftsängsten“, sagt Christa Roth-Sackenheim, Psychiaterin und stellvertretende Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte. Bei Männern könne sich eine Depression auch durch Aggressionen sowie Selbstzerstörung durch Arbeit und dem Konsum von Suchtmitteln bemerkbar machen. Männer seien laut Statistik zudem seltener betroffen. Weil bei ihnen jedoch die Selbstmordrate insgesamt höher ist als bei Frauen, sei davon auszugehen, dass hier die Dunkelziffer höher ist.

„Für Partner ist es oft schwierig, die Krankheit zu erkennen“, sagt Roth-Sackenheim. Denn Symptome wie Gleichgültigkeit, Aggressionen und mangelnde Libido bezögen viele gegen sich. Michael und Sylvia war jedoch recht schnell klar, dass es sich um eine psychische Krankheit handeln musste: schon Sylvias Oma litt an Depressionen und nimmt heute noch Medikamente. „Ich wollte Sylvia so gern helfen und war unglaublich froh, dass sie einwilligte, sich Hilfe zu holen“, erzählt Michael. Der behandelnde Psychiater diagnostizierte eine Depression, Sylvia wurde mit einem Antidepressivum und einer begleitenden Gesprächstherapie behandelt. Doch es half nicht. Die Medikamente machten Sylvia noch gleichgültiger.