Wärmewende

Wärmepumpe immer beliebter: Warum Technik einen Haken hat

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So funktionieren Wärmepumpen

So funktionieren Wärmepumpen

Eine Wärmepumpe nutzt Energie aus der Umwelt und wandelt sie in Wärme für das Eigenheim um. Letztes Jahr wurden in mehr als 50 % der Neubauten Wärmepumpen verbaut.

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Die Wärmepumpe ist im Trend: 2022 wurden über 50 Prozent mehr Geräte verkauft als im Vorjahr – die Verbände haben eine klare Forderung.

Berlin. Die vom Gaskonflikt mit Russland ausgelöste Energie- und Preiskrise hat in Deutschland primär auch die Energiepreise massiv beeinflusst. Heizöl und Gas waren 2022 teurer denn je. Mittlerweile hat sich die Situation erfreulicherweise wieder ein wenig entspannt. Die Heizölpreise sind seit 1. Januar im Tiefflug und auch der Gaspreis hat sich auf Vorkriegsniveau eingependelt. Trotzdem hat die Energiekrise bei vielen ein Umdenken weiter befeuert. Weg von klassischen Brennstoffen wie Heizöl und stattdessen auf neue Technologien setzen.

Wärmepumpe in Deutschland: Darum hat die Technologie einen Haken

Eine der bekanntesten Alternativen zu einer Gas- oder Ölheizung ist die Wärmepumpe. Im Gegensatz zur klassischen Brennstoffheizung benötigt sie weder Heizöl noch Gas und kann mit Strom aus der Solaranlage betrieben werden. Zudem gibt es vom Staat eine attraktive Förderung für Wärmepumpen von bis zu 40 Prozent. Verbraucher mit einer alten Gas- oder Ölheizung können zudem vom Heizungs-Tausch-Bonus profitieren. 2022 jedenfalls haben die Förderungen wohl gefruchtet. Die Wärmepumpen-Industrie verzeichnet ein Rekordjahr.

2022 seien 53 Prozent mehr Wärmepumpen als im Vorjahr verkauft worden, berichtet der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) in einer Mitteilung. Damit sei die Wärmepumpe die am stärksten wachsende Technologie im gesamten deutschen Heizungsmarkt. In absoluten Zahlen wurden im Jahr 2022 in Deutschland 236.000 Wärmepumpen in Verkehr gebracht. "Die deutschen Hersteller investieren massiv in den Ausbau der Produktionskapazitäten für Wärmepumpen", sagt BDH-Präsident Jan Brockmann.

Rekordjahr für Wärmepumpe: 500.000 Geräte pro Jahr ab 2024 – was ein Experte dazu sagt

Auch die Ampel-Koalition unter Bundeskanzler Olaf Scholz wird die Zahl sicher freuen. Immerhin hat sich die Bundesregierung stark auf die Wärmepumpe als neue Technologie fokussiert. Ab 2024 sollen pro Jahr 500.000 neue Wärmepumpen installiert werden. Die Zahlen aus 2022 stimmen hier zuversichtlich. In der Mitteilung formuliert der BDH jedoch eine klare Forderung an die Politik. Weitere unterstützende Maßnahmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette seien nötig. Der Fokus solle dabei auch auf Produktionskapazitäten liegen.

Vom BDH heißt es dazu: "Bloß mit einem umfangreichen Produktportfolio lassen sich die Ziele der Wärmewende für die Haushalte bezahlbar umsetzen und die Akzeptanz für die Klima- und Wärmewende bleibt in der Bevölkerung erhalten." Unterstützung kommt vom Bundesverband Wärmepumpe e. V (bwp). Auch hier hofft man auf mehr staatliche Unterstützung. "Die Zielmarke von 500.000 Geräten ist ehrgeizig – aber erreichbar“, sagt bwp-Vorstandsvorsitzender Paul Waning. Doch nach den 53 Prozent 2022 benötige man ähnliche Steigerungsraten in den Folgejahren.

Wärmepumpe für Verbraucher noch attraktiver machen: Diese Forderungen hat der bwp

Um die Steigerung zu erreichen, komme es auch künftig auch auf das Nachfrageverhalten der Verbraucher an, fasst es bwp-Geschäftsführer Martin Sabel zusammen. "Wir haben die klare Erwartung an die Politik, die Rahmenbedingungen für Wärmepumpen in den nächsten Monaten weiter zu verbessern." Der bwp hat diese Erwartungen in einer Reihe von Forderungen an die Politik zusammengefasst. Im Kern geht es dabei um gesetzliche Sicherheit und sinkende Stromkosten. Die Forderungen auf einen Blick:

  • Die geplante Novelle vom Gebäudeenergiegesetz (GEG) muss beschlossen werden
  • Mehr Planungssicherheit für Industrie und Verbraucher
  • Der Strompreis soll weiter entlastet werden
  • Der bwp fordert die Absenkung der Mehrwert- und Stromsteuer

Sabel findet zu den Forderungen und Erwartungen deutliche Worte: "Die Branche erwartet jetzt eine zügige Umsetzung der von der Ampel-Koalition schon öffentlich in Aussicht gestellten Neuregelungen." Zudem müssten Verbraucher schnell eine klare Orientierung bekommen. Der Wechsel von einer Gas- oder Ölheizung auf eine Wärmepumpe müsse sich für sie rentieren. Die Entwicklung der Strompreise in Deutschland kann hier aus Sicht von Sabel ein Hemmnis sein. Diese sind in der Energiekrise ebenfalls kontinuierlich gestiegen.

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Verbraucher mit Wärmepumpe entlasten: Strompreis senken – das steckt hinter der Idee

Erst vor ein paar Wochen hatte ein großer Energieanbieter in Deutschland eine Verdopplung der Strompreise im mehreren Tarifen angekündigt – solchen Entwicklungen müsse man aus Sicht von Sabel gegensteuern. Der bwp schlägt deshalb eine Senkung der Mehrwertsteuer für Strom auf sieben Prozent sowie eine Absenkung der Stromsteuer auf das europarechtlich zulässige Minimum von 0,1 Cent pro Kilowattstunde (kWh) vor. "Es ist völlig unverständlich. Warum wird die Mehrwertsteuer für das klimaschädliche Erdgas reduziert – aber der immer grüner werdenden Strom zum Betrieb einer Wärmepumpe nicht?"

Hinzu kommen die Kosten für eine neue Wärmepumpe für Verbraucher. Im Vergleich zu einer klassischen Gas- oder Ölheizung ist die Wärmepumpe in der Anschaffung deutlich teurer. Je nach Modell fallen etwa 15.000 Euro für eine Luft- und bis zu 30.000 Euro für eine Erdwärmepumpe an. Mit Blick auf die Gas- und Strompreispremse ist die Gasheizung sogar günstiger. Der Haken an der Wärmepumpe: Die Kosten amortisieren im Laufe Nutzung. Mit der Absenkung der Stromsteuer will der bwp diese Hemmschwelle absenken.

Heizung Kosten in EUR
Ölheizung ab ca. 8.000
Gasheizung ab ca. 7.000
Wärmepumpe ab ca. 15.000
Holz- oder Pelletheizung ab ca. 10.000
Fernwärme ab ca. 5.000

"Wie soll das funktionieren?" – Twitter-User kritisiert die bwp-Pläne zu Wärmepumpen

Nutzer auf Facebook und Twitter sehen das Vorhaben zum Teil kritisch. In Zukunft solle alles mit Strom laufen, kommentiert ein Twitter-User. Und weiter: "Die Wärmepumpe, die Industrieproduktion, der Verkehr – alles soll elektrifiziert werden. Wir brauchen also vier bis fünf Mal so viel Strom wie heute! Wie soll das funktionieren und wie gleichen wir Dunkelflauten aus?" Wieder andere Nutzer hätten sich in dieser Auswertung zudem Zahlen zu anderen regenerativen Wärmeerzeugern gewünscht – dazu zählt etwa die Pelletheizung.

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