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Ernährung: Warum wir unser Übergewicht reduzieren müssen

| Lesedauer: 5 Minuten
Elisabeth Jessen

Foto: FMG

Dr. Matthias Riedl spricht in unserem Podcast über ernährungsbedingte Zivilisationskrankheiten und wie wir sie wieder loswerden.

Hamburg. Die Arzt-Praxen könnten deutlich leerer sein, wenn wir weniger Ungesundes essen würden, davon ist Dr. Matthias Riedl überzeugt. In der neuen Podcast-Folge „Dr. Matthias Riedl: So geht gesunde Ernährung“, spricht der Mediziner über ernährungsbedingte Zivilisationskrankheiten und was man dagegen tun kann.

„Wir laufen der Prävention hinterher mit der Medizin. Um das einmal in einer Zahl auszudrücken – 90 Prozent der Menschen, die in deutsche Praxen kommen, kommen, weil sie verhaltensbedingte Krankheiten haben, also fast alle. Und von diesen 90 Prozent sind über die Hälfte ernährungsbedingt“, sagt der Arzt, der als NDR-Ernährungs-Doc bekannt geworden ist. Das habe Konsequenzen für die Lebenserwartung.

Dr. Riedl: Übergewicht ist "Mutter vieler Krankheiten"

„Wir sind im letzten Drittel in Europa und das, obwohl wir so viel Aufwand betreiben. Das ist übrigens im Gesundheitsministerium noch nicht richtig aufgefallen und wird leider auch bei allen Playern im Gesundheitswesen noch unterrepräsentiert. Das verursacht einen Verlust an Lebensjahren, einen Verlust an Lebensqualität und viel Leid. Und das möchte ich ändern.“

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Riedl sieht im Übergewicht „die Mutter vieler Krankheiten“. Wie verbreitet Übergewicht in der Bevölkerung ist, verdeutlicht er mit Zahlen: 30 bis 40 Prozent der deutschen Frauen seien übergewichtig und sogar 50 bis 60 Prozent der Männer. „Wenn man dann aber in die höheren Altersklassen geht, ist das noch deutlich mehr. Man muss eigentlich sagen, der nicht übergewichtige Mann ist eine Rarität, bei Frauen ist es nicht ganz so schlimm.“

Gerade im Alter sei Übergewicht ungünstig. Und auch schon jedes fünfte Kind zwischen elf und 13 Jahren sei schon übergewichtig. „Und wir wissen: Je früher man übergewichtig ist, je früher man Übergewichts-Folgeerkrankungen kriegt, desto schwerer werden diese und desto kürzer das Leben. Das heißt, wir können jetzt schon ausrechnen, dass die Jugend nicht mehr so alt wird wie ihre Eltern.“

Die große Gefahr des Übergewichts: „Es ist eine der wichtigsten Ursachen für den Diabetes-Typ-2“, sagt der Ärztliche Leiter des Medicum Hamburg. Bei den Hamburgern liege der Anteil bei etwa acht Prozent, deutschlandweit liege der Anteil bei acht bis zehn Prozent, in Thüringen und Sachsen gebe es Regionen mit 15 Prozent. Außerdem gebe es ein gewisses Dunkelfeld. Bei den 60- bis 70-jährigen steige die Wahrscheinlichkeit, Diabetes zu bekommen, sprunghaft und liege bei 20, 25 oder mehr Prozent.

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Der Ausdruck Altersdiabetes sei irreführend, sagt der Ernährung-Doc. „Ich kenne Familien, da hat die Oma das mit 70 gekriegt, die Tochter mit 50, die Enkelin mit 25 und der Urenkel, der wird das mit zwölf, 13 bekommen, weil die Ernährung sich so dramatisch verschlechtert hat.“

Muskeln wirken antidiabetisch

Ernährung und das Körpergewicht seien dabei ein wichtiger Faktor. Aber nicht jeder, der sich ungesund ernährt, kriege Diabetes. „Wir wissen, dass die genetische Voraussetzung und die Art und Weise zu essen und Stoffwechselveränderungen im Körper, aber auch die Darmflora dabei eine Rolle spielt.“

Die Wahrscheinlichkeit, Typ-2-Diabetes loszuwerden, hänge sehr stark mit dem Gewichtsverlust zusammen. Die dritte Säule sei mehr Bewegung, denn Muskeln seien der Gegenspieler zu Diabetes. „Die saugen den Zucker auf, die wirken antidiabetisch, antientzündlich. Und beim Sport verbrauche ich auch Energie.“

Auch Bluthochdruck zählt Riedl bei den verbreiteten ernährungsbedingten Krankheiten auf. Auch dafür sei Übergewicht ein Risikofaktor. Dem dauerhaften Bluthochdruck müsse man vorbeugen und auch rechtzeitig erkennen, warnt Riedl. Bluthochdruck entwickle sich schleichend, mache selten Symptome.

Wer nicht regelmäßig zur Vorsorge beim Arzt gehe, merke das oft gar nicht. „Viele haben einen unbemerkten Bluthochdruck und der wütet dann jahrelang. Und dann ist nachher plötzlich das erste Symptom der Infarkt.“ Wer familiär vorbelastet sei, sollte daher unbedingt zur Kontrolle gehen, rät der Ernährungsmediziner.

Ernährung wichtigste Ursache für Fettleber

Arterienverkalkung sei ein weiteres großes Problem: „In unserer Gesellschaft ist es immer noch die Haupttodesursache“, sagt Riedl Sie seien im „Schlepptau mit dem Übergewicht“ meist dabei. Das erhöhte LdL-Cholesterin spiele eine große Rolle bei der Entstehung von Arterienverkalkung.

Aus Studien sei bekannt, dass der Konsum von Nüssen als Blutdruck-Therapeutikum, Blutfett-Therapeutikum und Diabetes-Therapeutikum sei. „Nüsse sind eine Art Poly-Pille.“ Er sei nicht gegen blutfettsenkende Medikamente, „aber es geht mir darum, so selten wie möglich einzusetzen und so niedrig wie möglich zu dosieren.“

Ein weiteres verbreitetes Krankheitsbild ist die Fettleber. „Als ich jung war, war die Fettleber eher durch Alkohol bedingt oder ist durch Leberentzündung entstanden. Heute ist die Ernährung die wichtigste Ursache für die Fettleber.“ In Amerika sei sie sogar schon die wichtigste Ursache für Leberversagen und ohne Leber könne man nicht leben.

Sie sei der Promotor eines Typ-2-Diabetes und zahlreicher weiterer Erkrankungen, deshalb müsse man die Fettleber ernster nehmen und behandeln. Es gebe hervorragende Heilungstendenzen durch eine Ernährungstherapie, wenn man nicht zu lange warte.

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Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.