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Samsung Galaxy Z Flip 4: Kompaktes Klapp-Handy im Praxistest

| Lesedauer: 9 Minuten
Maik Henschke
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Samsungs Klapp-Handy Galaxy Z Flip 4 zeigt sich leicht verbessert, hält länger durch – und sorgt für weniger Ablenkung. Ein Praxistest.

Berlin.  Ein Klapp-Handy als Kassenschlager? Glaubt man Hersteller Samsung, hat sich das kleinere der beiden hauseigenen Falt-Smartphones, das Z Flip, vergangenes Jahr so gut verkauft wie noch nie – und wie kein anderes Handy mit flexiblem Bildschirm. Auch den nun erschienenen Nachfolger, das Galaxy Z Flip 4, inszeniert der Konzern aus Südkorea werbewirksam als Lifestyle-Produkt: Klappe dein Handy lässig zusammen und werde zum Hingucker – so das Versprechen. Aus über 75 Farbkombinationen können Käufer ihr Flip zusammenstellen. Doch Lifestyle kostet: Knapp 1100 Euro verlangt Samsung, 50 Euro mehr als im Vorjahr.

Der Praxistest zeigt: Samsung hat sein kompaktes Falt-Smartphone nur behutsam verbessert, dafür aber an zwei Schwachstellen des Vorgängers geschraubt: Dem Akku und der Kamera. Das Z Flip 4 klappt sich wie der große Bruder – das Galaxy Z Fold 4 – nun ausgereifter auf und zu und wirkt stabiler. Das kleine Außen-Display bietet mehr Funktionen – wodurch das Handy häufiger einfach mal geschlossen bleiben kann, was Ablenkung vorbeugt. Den üppigen Preis zahlen Käufer aber nach wie vor für die Klappfunktion.

Samsung Galaxy Z Flip 4 – Die Pros:

  • Stärkere Akkuleistung
  • Kamera lichtstärker
  • Sehr gutes Arbeitstempo
  • Stabilität und Haptik
  • Außen-Display kann häufiges Aufklappen ersparen
  • Viele Möglichkeiten der Personalisierung

Samsung Galaxy Z Flip 4 – Die Contras:

  • Kamera ohne Telezoom-Linse
  • Geringes Ladetempo (voll in rund 2 Stunden mit nur 25 Watt)
  • Datenübertragung nur mit USB-C 2.0
  • Samsung Dex-Funktion für Bildschirm-Oberfläche fehlt
  • Startpreis um 50 Euro gestiegen

Samsung Galaxy Z Flip 4: Akku und Kamera keine Schwachstellen mehr

Die Akkuleistung war beim Vorgänger des Z Flip 4 eine viel bemängelte Schwachstelle. Hier hat Samsung nachgebessert: Von 3300 auf 3700 Milliamperestunden wächst der Akku. Immer noch kein Spitzenwert, doch die Mehrheit Nutzerinnen und Nutzer sollte damit sicher über den Tag kommen – das war zuvor nicht immer der Fall. Dafür wurde laut Samsung die Bautiefe des Scharniers deutlich verkleinert und innen mehr Platz geschaffen. Stromsparender ist auch der neue Prozessor: Wie im großen Z Fold 4 sorgt jetzt der extrem leistungsstarke Snapdragon 8+ Gen 1 von Qualcomm für hervorragendes Arbeitstempo.

Das Galaxy Z Flip 4 wirkt in der Hand für ein Foldable äußerst stabil, robust und hochwertig. Die Glasrückseite ist aus kratzfestem Gorilla Glass Victus+ und im Vergleich zum Vorgänger griffiger. Aluminiumrahmen und Scharnier machen einen hochwertigen Eindruck. Regen oder ein Bad im Süßwasser bis 1,5 Meter Tiefe für 30 Minuten sind keine Gefahr, das Gerät ist nach IPX8-Zertifizierung gegen Wasser geschützt. Mit 187 Gramm ist es leicht und kompakt.

Hand angelegt hat Samsung auch an der Kamera. Die konnte im Vorgänger wenig überzeugen und kommt auch im Neuling nicht an Samsungs S22-Flaggschiffe aus diesem Frühjahr heran. Immerhin ist die Hauptkamera mit 12 Megapixel (MP; Blende f/1.8) nun sichtbar lichtstärker, laut Samsung um 65 Prozent. Bedeutet: Bei Tageslicht gelingen sehr ansprechende Aufnahmen, bei Dämmerung deutlich bessere als bisher. Die Ultraweitwinkel-Kamera (12 MP; Blende f/2.2) ist Mittelklasse.

Großes Plus der Klappfunktion: Selfies sind statt mit der Frontkamera (10 MP; f/2.4) auch mit der viel besseren Hauptkamera möglich. Selbstaufnahmen werden so sichtbar heller und schärfer. Das kleine Front-Display dient dabei als Vorschaubildschirm.

Der biegsame Hauptbildschirm lässt sich im Winkel nach Wunsch ausrichten. So sind auch Videotelefonate möglich. Der Flex-Modus erlaubt, dass oben Videos und andere Inhalte gezeigt werden, während der untere Bildschirmteil für die Steuerung mit Touch- und Wischgesten genutzt wird. Youtube, Google Meet oder Microsoft Teams etwa unterstützen das schon. Die Lautsprecher klingen sehr ordentlich, vibrieren allerdings ab einer gewissen Lautstärke.

Außen-Display als Ablenkungs-Killer: Mini-Bildschirm kann jetzt mehr

Nach dem Aufklappen kommt das hervorragende Innen-Display zum Vorschein. Der AMOLED-Bildschirm mit 6,7 Zoll Größe und einer Auflösung von 2640 x 1080 Pixel (Full-HD Plus) stellt Inhalte mit knackigen Farben, tollen Kontrasten und dank 120 Hertz Bildwiederholrate äußerst flüssig dar.

Wischt der Finger nach außen, spürt man den Rand aufgrund der Bauart deutlich. Vielen könnte zudem das Gerät in der Höhe zu hoch und in der Breite zu schmal erscheinen. Den horizontalen Knick in der Displaymitte spürt man beim Drüberwischen deutlich, aber nicht unangenehm. Bei frontaler Ansicht fällt die Falz aber nicht störend auf. Der Stehwinkel lässt sich stufenlos bestimmen, das Gerät kippt nie hintenüber.

Der ein oder andere lässt sich allzu leicht vom Blick aufs Smartphone ablenken und prüft „nur mal schnell“ Nachrichten, Instagram und Co. Hier könnte das 1,9 Zoll kleine Display auf der Außenseite des Z Flip 4 zum willkommenen Ablenkungs-Killer werden. Samsung hat dem Mini-Display (260 x 512 Pixel) einige praktische Funktionen spendiert, die Anwender auch bei zugeklapptem Gerät mit Fingertippen und -Wischen erreichen. Zumindest eine kleine Hürde, die zeitfressenden Apps bei jeder Gelegenheit zu öffnen.

So lassen sich etwa Musikwiedergabe, Wecker, Timer, Kalender, aber auch die Sprachaufnahme in Sekundenschnelle aufrufen. Auf Wunsch können auch Widgets wie Wetter, bevorzugte Direktwahl-Kontakte oder Gesundheitsdaten hinterlegt werden. Sogar Smart-Home-Geräte lassen sich über das Außen-Display steuern. Anrufe nimmt man ebenfalls mit einem Wisch nach rechts an, ohne das Gerät aufzuklappen. Gestalten lässt sich der Bildschirm nach Lust und Laune.

Ab Werk installiert ist Android 12 mit Samsungs Nutzeroberfläche One UI 4.1. Auch Bluetooth 5.2, Wifi 6 und schneller 5G-Mobilfunk gehören zur Ausstattung. Samsung verspricht vier große Android-Updates und fünf Jahre Sicherheits-Updates.

Samsung Galaxy Z Flip 4: Was noch nicht klappt

Trotz einiger sinnvoller Verbesserungen: Gemessen am hohen Preis sollten Käufer auch einige Schwachstellen des Z Flip 4 kennen:

Der Kamera fehlt wie bei den Vorgängern eine Telezoom-Linse für Aufnahmen aus größerer Entfernung. Die Datenübertragung per Kabel etwa zu einem Laptop geschieht über einen nicht mehr zeitgemäßen USB-C 2.0-Standard der letzten Generation. Anders als beim Z Fold 4 sucht man ebenso Samsungs Dex-Modus vergebens, der es erlaubt, das Smartphone – verbunden mit einem Bildschirm – wie auf einer Windows-Oberfläche zu bedienen.

Beim Ladetempo hinkt das Z Flip 4 ebenso wie der große Bruder der Konkurrenz hinterher: Nur maximal 25 Watt Ladeleistung (von 1 auf 100 Prozent in rund zwei Stunden) führen dazu, dass Nutzer ihr Gerät nicht mal eben noch schnell vor dem Losgehen wirksam aufladen können. Ein Netzteil fehlt im Lieferumfang. Dafür ist drahtloses Laden möglich. Aufpassen sollte man mit dem Flip auch am Strand und in staubiger Umgebung: Gegen Sandkörner und Staub ist das kompakte Falt-Smartphone nicht offiziell geschützt.

Im Vergleich zum Vorgänger hat Samsung den Startpreis um 50 Euro erhöht – auf 1099 Euro mit 128 GB internem Speicher (nicht erweiterbar). Im freien Handel gibt es die Wahl zwischen vier Farben. Die „Bespoke“-Edition mit mehr Farbkombinationen ist nur bei Samsung direkt erhältlich.

Fazit: Lifestyle hat seinen Preis

Samsung hat beim Galaxy Z Flip 4 an den richtigen Stellen nachgebessert: Beim Akku und bei der Kamera. Äußerlich hat sich zum Vorgänger fast nichts getan. Ein etwas größeres Außen-Display, schnelleres Laden und ein Telezoom für die Kamera wären wünschenswert.

Wer noch nie ein Klapp-Smartphone besessen hat, muss keine Bedenken haben: Das Flip ist stabil und robust genug für den Einsatz im Alltag und auch solide gegen Wasser geschützt. Die Klapp-Funktion bietet hier und da im Alltag tatsächlich Vorteile und erlaubt hochwertige Selfies. Sie ist in erster Linie aber eine Lifestyle-Funktion – und die hat ihren Preis.

Für rund 1100 Euro bieten andere Smartphones eine bessere Ausstattung und Kamera. Besitzer des Vorgängers müssen nicht zwingend aufrüsten – die Unterschiede sind bis auf den Akku zu vernachlässigen. Wer sparen möchte und Geduld mitbringt, kann den erwartbaren Preisverfall Richtung Weihnachten abwarten: Das Vorjahresmodell ist bereits für 700 bis 800 Euro erhältlich.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.