Gesetzentwurf

Einheitliche Ladekabel: Was die EU-Kommission jetzt plant

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Christian Kerl
WhatsApp: kein Support mehr für ältere Handys

WhatsApp: kein Support mehr für ältere Handys

Wer der Besitzer eines älteren Handys ist, kann vielleicht schon bald den Messenger-Dienst WhatsApp nicht mehr nutzen. Ab November endet der WhatsApp-Support für einige Smartphones.

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Der einheitliche Stecker-Standard für Smartphone, Tablet & Co kommt doch. Die EU-Kommission verliert die Geduld mit den Herstellern.

Brüssel.  Endlich Schluss mit dem Durcheinander verschiedener Ladekabel für Handys, Tablets oder Kameras: Die EU will den Herstellern von solchen Elektrogeräten eine einheitliche Ladebuchse vorschreiben – damit die Nutzer nur noch ein einziges Kabel benötigen, weil der Stecker immer ins Smartphone oder den Kopfhörer passt.

Das sieht ein Gesetzentwurf vor, den die EU-Kommission am Donnerstag vorgelegt hat. Neuer Standard wird demnach der USB-C-Anschluss; viele Hersteller verwenden ihn bereits, etwa Samsung und Motorola. „Die europäischen Verbraucher haben sich lange genug über nicht passende Ladekabel geärgert“, sagte Kommissions-Vizepräsidentin Margrethe Vestager. Der Industrie sei Zeit genug gelassen worden, eine Lösung zu finden, aber jetzt sei es an der Zeit, gesetzlich zu handeln – „zum Nutzen von Verbrauchern und Umwelt“, wie Vestager hinzufügte.

Ein Problem hat allerdings Apple, denn der Konzern muss nach diesem Vorstoß auf neue Kabel umsteigen. Apple versorgt seine iPhones und und einige Tablet-Modelle bisher über das sogenannte Lightning-Kabel mit Strom.

Die EU kämpft schon seit zwölf Jahren für Harmonisierung

Der Konzern hatte alle bisherigen Versuche einer verbindlichen Standardisierung der Buchsen abgewehrt. Dabei kämpft die EU-Kommission schon seit Jahren ums einheitliche Handykabel, der erste Versuch wurde vor zwölf Jahren unternommen. Durch eine freiwillige Selbstverpflichtung der Hersteller wurde die Zahl der verschiedenen Ladeanschlüsse von über 30 auf 3 reduziert: Verwendet werden nur noch USB-C , der ältere Micro-B-USB-Anschluss und das Lightning-Kabel von Apple. Apple wehrt sich gegen die weitere Harmonisierung und klagt, seine Innovationsmöglichkeiten würden dadurch beschränkt.

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Der US-Konzern warnt, es werde nur werde nur mehr Elektromüll erzeugen, wenn Nutzer gezwungen wären, auf neue Ladegeräte umzusteigen. Vorgesehen ist aber eine Übergangszeit von zwei Jahren. 2018 hatten nach Kommissionsangaben rund 80 Prozent der Mobiltelefone einen USB-Anschluss. Die Kommission will mit dem Plan auch die Umwelt schonen. Nach ihren Berechnungen würden durch das Einheitskabel jährlich 980 Tonnen Elektroschrott weniger anfallen. Lesen Sie auch: WhatsApp-Aus für einige Smartphones?

Der neue Standard könnte ab 2024 gelten

Die Verbraucher würden durch die Vereinfachung zugleich etwa 250 Millionen Euro sparen. Denn künftig soll vorgeschrieben sein, dass die Hersteller Mobiltelefone und andere Geräte auch ohne obligatorisches Ladekabel verkaufen müssen – weil die Kunden die Kabel ja schon zu Hause haben könnten. Der Vorstoß dürfte aber erst im Lauf des nächsten Jahres Gesetzeskraft erlangen: Der Rat der Mitgliedstaaten und das EU-Parlament müssen die Regelung noch beraten und gemeinsam beschließen.

Im Parlament dürfte der Plan umgehend Zustimmung finden, die Abgeordneten hatten wiederholt massiv auf eine solche Regelung gedrängt. Die Kommission geht davon aus, dass der neue Standard ab 2024 gilt.