Keine europäische Lotterie stellt höhere Geldbeträge in Aussicht als der Eurojackpot. Ein Minimum von zehn Millionen Euro liegt im Gewinntopf, die maximal gewinnbare Summe liegt bei 120 Millionen Euro. Mit einer Siegchance von circa 1 zu 140 Millionen ist die Aussicht auf Erfolg allerdings genauso gering wie bei Lotto 6aus49. Bessere Perspektiven versprechen Systeme. 

Mit Systemscheinen können Teilnehmer eine Vielzahl von Tipp-Kombinationen spielen. Das erhöht die Gewinnchance – aber auch die Kosten. Christian Hesse ist Professor für mathematische Statistik an der Universität Stuttgart und erklärt im Gespräch mit unserer Redaktion: „Jeder zusätzliche Einzeltipp erhöht die Jackpot-Chance linear: Zehn Tipps bedeuten tatsächlich eine zehnmal bessere Chance als ein Tipp.” Doch der hohe Einsatz bringt die Eurojackpot-Spieler nicht automatisch näher an die Millionen. 

Systeme beim Eurojackpot: So funktionieren die Tipp-Kombinationen

Beim Eurojackpot wählen Spieler fünf Hauptzahlen zwischen 1 und 50 sowie zwei Eurozahlen zwischen 1 und 12. Dieser Normaltipp wird als 5/2 bezeichnet. Wer sieben Treffer landet, gewinnt den Jackpot. Alle Eurojackpot-Regeln und -Gewinne zeigt unser Überblick. Damit Spieler mit einem Schein mehr Tipps abgeben können, bieten die Lotteriebetreiber Systemspiele in einer Vielzahl von Varianten an.

Bei der einfachsten Version 6/2 tippen Spieler sechs statt fünf Hauptzahlen. Ein Computer erstellt im Anschluss automatisch Tipps aus allen in dieser Konstellation möglichen Kombinationen – in diesem Fall wären das sechs verschiedene Tipps. Da ein einfacher Tipp zwei Euro kostet, kostet das 6/2 Systemspiel sechsmal so viel: zwölf Euro. 

Ein Teilnahmeschein fuer für die Lotterie Eurojackpot System Tipp von Westlotto mit Feldern zum Ankr
Systemscheine beim Eurojackpot erhöhen die Anzahl der abgegebenen Tipps, sind aber auch teurer.© imago images / Hermann J. Knippertz | Hermann J. Knippertz

Abhängig vom Angebot der regionalen Lottogesellschaft können Eurojackpot-Teilnehmer bis zu zwölf Haupt- und Eurozahlen tippen. Die komplexeste und teuerste Konstellation der regionalen Lotto-Gesellschaft in Hamburg ist die Variante 11/2. Aus dieser resultieren maximal 462 Tipps für einen Systemschein, die Kosten belaufen sich auf 924 Euro. In anderen Bundesländern können durch kombinierte Systeme sogar mehr Tipps möglich sein, der Preis erhöht sich entsprechend.

Sorgen Systemscheine für mehr Treffer in den unteren Gewinnklassen?

Den Lotterieanbietern zufolge ermöglicht ein Systemschein mehr Gewinne pro Ziehung. Da ein Schein unterschiedliche Kombinationen der getippten Zahlen abgibt, kann ein Spieler tatsächlich mehrfach drei oder mehr Richtige erzielen und kleinere Gewinne einfahren. Die Chance auf einen solchen Treffer ist laut Christian Hesse jedoch sehr gering. Der Experte veranschaulicht das anhand der günstigeren Systemspiele 6/2 und 6/3.

Die Chance, mit einem 6/2-Systemtipp komplett leer auszugehen, liege bei 95 Prozent, während sie bei sechs willkürlich gewählten Einzeltipps nur bei 83 Prozent liege, so Hesse. Bei der Variante 6/3 liegt die Chance für einen Totalausfall immer noch bei 93 Prozent. Demgegenüber steht eine Wahrscheinlichkeit von nur 56 Prozent, mit entsprechend vielen Einzeltipps keinen einzigen Treffer zu landen. Diese Kombinationen tauchen beim Eurojackpot erstaunlich oft auf.

Statistik-Prof klärt auf: Was Eurojackpot-Systeme wirklich verändern

Systemscheine beeinflussen laut Hesse lediglich die Verteilung der Ergebnisse: Die Systeme 6/2 und 6/3 etwa konzentrierten alle Chancen und Risiken auf wenige Systemzahlen. Moderate Treffer in diesem Block könnten mehrere Gewinne auslösen, die Masse der Ziehungen liege aber außerhalb dieses kleinen Zahlenraums. 

Den negativen langfristigen Erwartungswert des Eurojackpot verändern die Systemscheine nicht: Systemspieler verlieren im Durchschnitt genauso viel wie alle anderen, haben aber deutlich häufiger Ziehungen mit Nieten. „Wer Systemtipps nutzt, kauft nicht mehr Sicherheit, sondern einen anderen Spannungsverlauf: seltene Momente gebündelten Glücks, bezahlt mit sehr vielen Tagen gebündelten Pechs“, sagt Hesse. Hier gibt der Experte den entscheidenden Tipp für die beste Strategie beim Eurojackpot.

Statistik-Professor Christian Hesse
Statistik-Professor Christian Hesse© Privat | Privat

Mehr Eurozahlen im System: Experte rechnet Chancen vor

Da gerade die kleineren Gewinnklassen oft von den korrekt getippten Eurozahlen abhängen, kann es laut Hesse durchaus sinnvoll sein, auf ein Systemspiel mit mehr Eurozahlen zu setzen. Demnach erzielt etwa das System 6/3 häufiger Gewinne als die Variante 7/2, obwohl letztere mehr Einzeltipps generiert.

Das lässt vermuten, dass das Systemspiel 5/12 besonders gute Gewinnaussichten bietet. Doch der Schein trügt: Die Menge der Hauptzahlen bleibt hier auf das Minimum beschränkt. Die Chance auf den Jackpot liegt bei 1 zu 2,1 Millionen, die Wahrscheinlichkeit eines Totalverlusts bei 58 Prozent.

Zum Vergleich: Wer statt der 66 Systemtipps der 5/12-Variante 66 unabhängige Einzeltipps abgibt, reduziert die Wahrscheinlichkeit einer Niete auf 48 Prozent. „Pro eingesetztem Euro ist 5/12 deshalb nicht besser als Systeme mit zusätzlichen Hauptzahlen“, so Hesses Fazit. Hier erklärt der Statistik-Professor, warum wir trotz geringer Wahrscheinlichkeiten weiter Eurojackpot spielen.

Das ist Statistik-Professor Christian Hesse

Christian Hesse ist Mathematiker und Professor an der Universität Stuttgart, zusätzlich Gastprofessor an der Universität von Kalifornien in Los Angeles. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in Wahrscheinlichkeitstheorie und Statistik. Hesse beschäftigt sich seit Jahren mit der mathematischen Einordnung von Glücksspielen und ist Autor mehrerer Bücher („Von Glückszahl bis Geheimzahl“, Droemer), die komplexe Wahrscheinlichkeiten verständlich erklären.

Lohnt sich der Eurojackpot-Systemschein? Häufiger Irrtum bei Spielern

Laut Christian Hesse bleibt die Wahrscheinlichkeit, den Jackpot zu knacken, selbst mit dem teuersten Systemschein extrem klein. Das gilt laut einer Datenwissenschaftlerin auch für die Zusatzspiele Spiel 77 und Super 6. Statistik-Professor Hesse verweist auf einen häufigen Irrtum: Viele Menschen vermuteten hinter der vermeintlichen Komplexität des Systemspiels eine intelligentere Tippstrategie.

Der Systemschein erwecke aufgrund seines hohen Preises den Eindruck, eine Art Garantieschein für einen Gewinn zu sein. Tatsächlich handele es sich dabei aber lediglich um eine große Zahl von Einzeltipps, die sich mit geringerem Aufwand auf einen Schlag abgeben ließen, so Hesse. In Wahrheit bleibe die Chance auf den Jackpot weiterhin winzig. Daran ändert auch die Art des Systemscheins nichts, wie Hesse betont: „Kein Vollsystem hat eine bessere Chance pro Euro als ein anderes.”

Millionengewinne wrten im Euro Jackpottt. Werbung und Lotterieannahme im ServiceStore der DB in Stuttgart. // 16.07.2025
Die Gewinnwahrscheinlichkeit beim Eurojackpot oder beim Lotto verändern auch Systemscheine nicht.© imago/Arnulf Hettrich | imago/Arnulf Hettrich

Eurojackpot: Experte nennt lohnenswerte Systeme für Gelegenheitsspieler

Bei der Wahl eines Vollsystems rät der Experte dazu, sich nach dem eigenen Budget und der individuellen Risikobereitschaft zu richten. Die grundlegende Frage dabei: „Wie viel Einsatz pro Ziehung ist es mir psychologisch und finanziell wert, um die gleiche Pro-Euro-Chance öfter zu nutzen?“ Gelegenheitsspieler, die ihre Jackpot-Chance ohne viel Aufwand merklich erhöhen wollten, seien mit Varianten wie 6/2 oder 6/3 gut bedient. Hier bleibe der Einsatz im zweistelligen Bereich, während die Zahl der Kombinationen um das sechs-, beziehungsweise achtzehnfache steige.

Eine wichtige Schwelle sieht Hesse jenseits des Vollsystems 7/3. Viele Spieler unterschätzten die kombinatorisch stark steigenden Kosten, sagt er. Solange der Spieler nur eine der beiden Zahlengruppen erhöht, wachsen die Kosten eher moderat. Wer hingegen sowohl die Tipps für Haupt- als auch Eurozahl aufstockt, rutscht schnell in den hohen dreistelligen oder gar vierstelligen Bereich. „Schon ein Sprung von 7/3 auf 7/4 verdoppelt die Zahl der Tipps und damit auch die Kosten“, so Hesse.

Tipps in diesen hochpreisigen Regionen machen nach Ansicht des Experten nur dann Sinn, wenn Menschen risikofreudig sind und ein entsprechendes Budget haben. Alternativ können solche Spiele auch für Tippgemeinschaften interessant sein, die sich die Kosten und den eventuellen Gewinn teilen.

Glücksspiel: Wichtige Hinweise

Lotto und andere Glücksspiele dürfen in Deutschland erst ab 18 Jahren gespielt werden. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) informiert umfassend über Glücksspielsucht und das Suchtpotenzial verschiedener Glücksspiele. Wenn Sie bei sich selbst oder jemand anderem eine Spielsucht vermuten oder eine Beratung in Anspruch nehmen wollen, hilft die BZgA bundesweit unter der anonymen und kostenlosen Hotline „Glücksspielsucht“: 0800 1 37 27 00.

Statistik-Experte über Systeme beim Eurojackpot: „Spiel akzeptieren“

Trotz allem kann der Eurojackpot-Systemschein für viele Spieler eine sinnvolle Option sein – wenn sie ihn als das erkennen, was er ist: eine komfortable Möglichkeit, mehr Tipps abzugeben, ohne viele Felder manuell ausfüllen zu müssen. Der Systemschein ist weder besser noch intelligenter als ein einfacher Normaltipp. Zwei Mathematiker geben wichtige Tipps für Lotto und Eurojackpot mit System.

Auch Christian Hesse stellt klar: „Systemspiele beim Eurojackpot bewegen sich in einem Wahrscheinlichkeitsniveau, das für die rationale Planung praktisch Null bleibt.” Sein klarer Rat: „Wer spielt, sollte das als Spiel akzeptieren – und nicht als ernsthafte Geldanlage oder gangbaren Weg zu ‚wahrscheinlichem‘ Reichtum betrachten.“

Der Experte empfiehlt einen klaren Höchstbetrag pro Ziehung, um die Kontrolle über die Kosten zu behalten. Auch sei es wichtig, keiner „Strategieillusion“ auf den Leim zu gehen. So stellt Hesse klar: „Die Zahlen bleiben zufällig, kein System macht sie wahrscheinlicher.”