Die Zusatzlotterien bei Eurojackpot und Lotto erscheinen vielen Menschen sinnvoll. Für einen kleinen Aufpreis kaufen sie zusätzliche Gewinnmöglichkeiten – und damit das Gefühl, die eigenen Chancen aktiv verbessern zu können. Besonders attraktiv wirken solche Extras auf bestimmte Spielertypen.

„Jede Zusatzlotterie suggeriert: Hier gibt es eine weitere Möglichkeit zu gewinnen“, sagt die Datenwissenschaftlerin Katharina Schüller. Dadurch entsteht der Eindruck: „Jetzt habe ich mehrere Chancen statt nur einer.“ Das Gehirn addiere solche Chancen intuitiv zusammen, statt Wahrscheinlichkeiten nüchtern einzuordnen.

„Unsicherheit ist für Menschen emotional unangenehm“, so Schüller. Wer zusätzliche Optionen auswählt, empfindet seine Entscheidung durch den psychologischen Kontrolleffekt oft als bewusster und strategischer. Die Wahrscheinlichkeit auf den Hauptjackpot verändert sich durch Zusatzlotterien jedoch kaum.

Spiel 77, Super 6 & Co.: Bieten Zusatzlotterien mehr Chancen?

Die Gewinnchancen bei Spiel 77 oder Super 6 – beim Hauptgewinn etwa 1 zu 10 Millionen beziehungsweise 1 zu 1 Million – sind zwar deutlich besser als beim Eurojackpot oder bei Lotto 6aus49 selbst, bleiben aber extrem gering. Wie klein die tatsächlichen Gewinnwahrscheinlichkeiten sind, lässt sich kaum intuitiv erfassen.

Gewinne lassen sich konkret vorstellen – Wahrscheinlichkeiten dagegen kaum: „Eine Chance beim Lotto von 1 zu 140 Millionen ist kognitiv kaum greifbar; das Gehirn rundet sie intuitiv auf ‚möglich‘ auf“, erklärt Schüller. Durch die Verzerrung fühlt sich eine minimale Zusatzchance deutlich größer an, als sie mathematisch tatsächlich ist. Warum wir Eurojackpot spielen – obwohl die Chance fast null ist

Laut Schüller zeigt sich hier das Paradoxon der Wahl: Mehr Optionen führen nicht automatisch zu besseren Entscheidungen. Stattdessen entstehen häufig Überforderung oder die sogenannte Decoy-Effekt-Falle, bei der eine zusätzliche Option andere Angebote attraktiver erscheinen lässt, als sie objektiv sind.

Datenexpertin Katharina Schüller
Datenwissenschaftlerin Katharina Schüller erklärt den psychologischen Effekt hinter den Zusatzlotterien bei Eurojackpot & Co.© E+A Fotografie/Tanja Smith | E+A Fotografie/Tanja Smith

Eurojackpot: Trick verbirgt wahre Kosten von Zusatzlotterien

Verstärkt wird dieser Effekt bei Lotto und Eurojackpot durch hohe Gewinnsummen als emotionalen Referenzpunkt: Wenn 120 Millionen Euro im Raum stehen, wirken zusätzliche zwei oder drei Euro plötzlich unbedeutend – obwohl sie langfristig den Gesamteinsatz deutlich erhöhen. „Die Präsentation einer Option beeinflusst die Wahl stärker als ihr objektiver Wert“, sagt Schüller.

Oft unterschätzen Spieler den langfristigen Preis wiederkehrender kleiner Zusatzkosten. Wer jede Woche bei den Eurojackpot-Zusatzlotterien mitspielt, erhöht seinen jährlichen Einsatz deutlich stärker, als es auf dem einzelnen Spielschein wirkt. Ein Experte warnt vor der großen Fehleinschätzung bei Lotto und Eurojackpot.

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Wann Zusatzlotterien bei Eurojackpot & Co. sinnvoll sein können

Rein mathematisch bleibt der Erwartungswert bei Eurojackpot und Co. auch mit Zusatzlotterien negativ. Wer ausschließlich auf den maximalen Jackpot hofft, profitiert kaum von Zusatzlotterien, denn sie erhöhen vor allem die laufenden Kosten des Spielens. Trotzdem gibt es Situationen, in denen das Extra subjektiv sinnvoll sein kann. 

Das zählt etwa bei Spielern, die eher an häufigeren kleineren Gewinnen interessiert sind. Zusatzlotterien bieten deutlich bessere Chancen auf mittlere Gewinnklassen als der eigentliche Eurojackpot. Zusätzliche „Gewinnmomente“ können dann emotional attraktiver wirken als die reine Hoffnung auf den ganz großen Treffer.

Die Expertin

Katharina Schüller zählt zu den bekanntesten Datenwissenschaftlerinnen Deutschlands. Als Geschäftsführerin des Beratungsunternehmens Stat-Up beraten sie und ihr Team internationale Unternehmen und Bundesbehörden zu datenbasierten Entscheidungen, Künstlicher Intelligenz und Statistik. In Vorträgen, Workshops und Veröffentlichungen („Daten sind Macht“) beschäftigt sich Schüller vor allem mit Entscheidungslogik, Risikowahrnehmung, Datenkompetenz und dem Umgang mit Unsicherheit.

Welche Eurojackpot-Spieler eher zur Zusatzlotterie greifen

Besonders attraktiv wirken Zusatzlotterien auf zwei Gruppen.

  • Stark optimistische Spieler: Sie empfinden jede zusätzliche Gewinnchance als emotional wertvoll – unabhängig davon, wie klein sie tatsächlich ist.
  • Spieler, die möglichst häufig kleine Gewinne erzielen möchten: Für sie fühlt sich das Extra oft sinnvoller an als die reine Jagd nach dem maximalen Jackpot.

Weniger attraktiv sind Zusatzlotterien dagegen für Spieler, die Lotto als kalkuliertes Unterhaltungsbudget betrachten. Diese Gruppe entscheidet meist nüchterner, welche zusätzlichen Kosten tatsächlich akzeptabel sind. Mathematiker verraten die beste Strategie für einen kleinen Lotto-Einsatz

Mit oder ohne Zusatzlotterie – was ist die vernünftigere Wahl?

Der entscheidende Punkt ist Transparenz. Wer bewusst sagt: „Ich kaufe mir für einen kleinen Aufpreis zusätzliche Unterhaltung und zusätzliche Gewinnmomente“, trifft eine nachvollziehbare Entscheidung. Problematisch wird es, wenn Spieler glauben, ihre realistischen Gewinnchancen beim Eurojackpot durch Zusatzlotterien fundamental zu verbessern.

Eine objektiv richtige Antwort für oder gegen Zusatzlotterien gibt es nicht. Sie verändern die grundlegende Mathematik des Spiels nicht. Die Frage lautet deshalb weniger „Steigen meine Gewinnchancen?“, sondern „Welche Art von Spielerlebnis suche ich?“.

Wer ausschließlich wegen des maximalen Jackpots spielt, kann auf Zusatzlotterien verzichten. Wer dagegen Freude an zusätzlichen Gewinnmöglichkeiten und häufigeren kleinen Erfolgsmomenten hat, kann das Extra als Teil des Unterhaltungserlebnisses betrachten.

Glücksspiel: Wichtige Hinweise

Lotto und andere Glücksspiele dürfen in Deutschland erst ab 18 Jahren gespielt werden. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) informiert umfassend über Glücksspielsucht und das Suchtpotenzial verschiedener Glücksspiele. Wenn Sie bei sich selbst oder jemand anderem eine Spielsucht vermuten oder eine Beratung in Anspruch nehmen wollen, hilft die BZgA bundesweit unter der anonymen und kostenlosen Hotline „Glücksspielsucht“: 0800 1 37 27 00.