Längere Verkaufszeiten und Zweifel an den Wunschpreisen vieler Verkäufer: Eine Umfrage des Immobilienmaklernetzwerks „Remax“ zeigt einen Stimmungswechsel am Immobilienmarkt. Für Käufer könnte das Verhandlungsspielraum eröffnen. Doch die Baufinanzierung bleibt eine Hürde.

Laut der Umfrage rechnen wieder mehr Makler mit sinkenden Immobilienpreisen – stellenweise auch in wirtschaftlich starken Städten und Regionen. Gleichzeitig dauern Verkäufe nach Angaben der Experten länger, und die Preisvorstellungen vieler Eigentümer erscheinen ihnen zu hoch. Was bedeutet das für Käufer und Verkäufer?

Neue Wende bei Immobilienpreisen? Mehr Makler rechnen mit Rückgängen

Fast jeder dritte Befragte, 31,9 Prozent, erwartet für die kommenden zwölf Monate leicht sinkende Immobilienpreise in wirtschaftlich starken Städten und Regionen. In der Vorjahresumfrage hatten lediglich 9,9 Prozent einen Preisrückgang in diesen Gebieten prognostiziert. Damit ist die Skepsis gewachsen – eine Mehrheit erwartet dort aber bislang keine sinkenden Preise.

Für wirtschaftlich schwächere Standorte fällt der Ausblick pessimistischer aus: Hier rechnen 36,2 Prozent mit einem leichten und weitere 27,7 Prozent mit einem starken Rückgang. Auch die allgemeine Stimmung hat sich gedreht. Während im vergangenen Jahr drei Viertel der Befragten (75 Prozent) die Lage positiv bewertet hatten, urteilen inzwischen 62,5 Prozent negativ.

Haus zu verkaufen
Bis eine Immobilie verkauft ist, vergeht laut einer aktuellen Umfrage derzeit deutlich mehr Zeit.© dpa | Soeren Stache

An der digitalen Umfrage nahmen nach Angaben von Remax zwischen Mitte Juli und Mitte September 2026 rund 800 Immobilienexperten aus dem eigenen Netzwerk teil. Die Ergebnisse bilden damit die Einschätzungen dieser Vermittler ab. Es handelt sich demnach um eine Wende in den Erwartungen der befragten Vermittler – keinen nachgewiesenen Rückgang der tatsächlich gezahlten Kaufpreise. Für Käufer und Verkäufer ist der Stimmungswechsel dennoch relevant: Er beeinflusst, mit welchen Vorstellungen beide Seiten in Verhandlungen gehen.

Bis zu 30 Prozent: So weit liegen Preisvorstellungen bei Immobilien auseinander

Ein Grund für die gedrückte Stimmung sind die längeren Verkaufszeiten. Rund 77 Prozent der Befragten berichten, dass die Vermarktung von Häusern und Wohnungen länger dauert. Bei 54,3 Prozent liegt die durchschnittliche Dauer inzwischen bei mehr als sechs Monaten. Ein Jahr zuvor hatten dies nur 32,7 Prozent angegeben. „Die Stimmung ist spürbar unter Druck und die langen Vermarktungszeiten sind dafür einer der Gründe“, sagt Remax-Sprecherin Loredana Scirè. Immobilien würden weiterhin gekauft und verkauft, allerdings hätten sich die Anforderungen an eine erfolgreiche Vermarktung verändert.

Als Hindernis für einen Verkauf sehen viele Vermittler auch die unterschiedlichen Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern. 46,8 Prozent der befragten Vermittler halten die Vorstellungen der Verkäufer im Schnitt für zehn bis 20 Prozent zu hoch. Weitere 23,4 Prozent sehen sie sogar 20 bis 30 Prozent über einem aus ihrer Sicht angemessenen Niveau.

Bitte beachten:

Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.

Für Kaufinteressenten kann das ein Anlass sein, den Angebotspreis kritisch zu prüfen und zu verhandeln. Entscheidend bleiben Lage, Zustand und Nachfrage nach dem jeweiligen Objekt. Verkäufer wiederum sollten damit rechnen, dass sich ihr Wunschpreis kurzfristig nicht durchsetzen lässt. Das ist besonders wichtig, wenn sie den Erlös bereits für den Kauf einer anderen Immobilie eingeplant haben. Doch selbst bei einer Einigung über den Preis kann eine weitere Hürde bleiben: die Immobilienfinanzierung.

Baufinanzierung: Warum eine Einigung beim Immobilienpreis noch nicht reicht

Selbst wenn Käufer und Verkäufer zusammenfinden, ist der Abschluss nicht gesichert. Denn neben den Preisvorstellungen kann auch die Finanzierung zum Hindernis werden. Nach Beobachtung von Maklern aus dem Remax-Netzwerk vergeht zwischen Finanzierungsanfrage und Darlehenszusage zunehmend mehr Zeit. Konkrete Zahlen zur Wartezeit nennt die Umfrage nicht.

Nach Beobachtung der Vermittler prüfen Kreditinstitute genauer, ob Käufer die finanzielle Belastung langfristig tragen können. Dabei gehe es neben dem Einkommen verstärkt um Haushaltsausgaben, Eigenkapital und Rücklagen. Besonders betroffen seien Kreditinteressenten mit schwankenden Einkünften wie Selbstständige oder Freiberufler. Aber auch befristete Arbeitsverträge oder Probezeiten könnten die Prüfung erschweren – oder zu Absagen führen.

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Zugleich nehmen Banken laut Remax die Bewertung der Immobilie als Sicherheit für das Darlehen stärker in den Blick. Banken und Finanzierer fragen demnach immer häufiger nach Grundbuchauszügen, Flurkarten, Wohnflächenberechnungen oder Teilungserklärungen. Bei älteren Häusern gewinnen der Gebäudezustand und Nachweise über Modernisierungen an Bedeutung. In Zeiten kaum steigender oder stagnierender Wertentwicklungen oder unsicherer Nachfrageentwicklung prüfen die Banken mehr denn je die reale Bausubstanz. „Eine gründliche Prüfung der Finanzierung ist nicht ausschließlich negativ zu sehen“, betont Scirè. Immerhin könne sie verhindern, dass Käuferinnen und Käufer einen Deal eingehen, der langfristig zu knapp kalkuliert ist.

Allerdings betrifft diese Hürde beide Seiten: Käufer müssen ihre finanzielle Situation nachvollziehbar darlegen können. Verkäufer können Verzögerungen vorbeugen, indem sie die Unterlagen zur Immobilie frühzeitig zusammenstellen.

Immobilienkauf: Mehr Verhandlungsspielraum, aber kein sicherer Preisvorteil

Für Käufer ergibt sich damit ein gemischtes Bild. Längere Vermarktungszeiten und die Zweifel an den Preiserwartungen der Verkäufer können ihre Verhandlungsposition stärken. Ein günstigerer Kaufpreis hilft jedoch nur, wenn auch die Finanzierung und mögliche Ausgaben für Modernisierungen tragbar bleiben. „Käufer sollten bereits vor der konkreten Immobiliensuche klären, welchen finanziellen Rahmen sie realistisch haben“, rät Scirè. Wer sein Budget kennt, kann gezielter suchen und bei einem passenden Angebot besser einschätzen, welcher Preis tatsächlich infrage kommt.

Dass Immobilienpreise allgemein sinken werden, lässt sich aus der Umfrage dagegen nicht ableiten. Dafür unterscheiden sich die Erwartungen zwischen wirtschaftlich starken und schwachen Regionen zu sehr. Käufer sollten deshalb Preis, Zustand und Finanzierung des konkreten Objekts prüfen. Verkäufer wiederum sollten realistisch einschätzen, welchen Preis sie am Markt durchsetzen können.

Quellen:

Ergebnisse der „Remax Deutschland Marktumfrage 2026“. Laut Remax wurden rund 800 Immobilienexperten aus dem eigenen Netzwerk zwischen dem 15. Juli und dem 15. September 2026 befragt.

Pressemitteilung von Remax zu längeren Finanzierungsprüfungen im September 2026.