In turbulenten Zeiten suchen viele Anleger nach sicheren Häfen – und landen dabei oft bei Gold. Doch aktuell gerät auch das Edelmetall unter Druck. Experten sehen dafür mehrere Gründe: ein starker US-Dollar, Spekulationen über Zinserhöhungen sowie das Verhalten großer Investoren, die in unruhigen Marktphasen Gold verkaufen, um Liquidität zu sichern. Profis erklären, warum diese Schwankungen keine Überraschung sind – und wie viel Gold sie im Portfolio halten würden.
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Warum ist der Goldpreis gefallen? Experten erklären überraschende Entwicklung
Geopolitische Krisen treiben den Goldpreis nach oben – so lautet eine gängige Annahme unter Anlegern. Der Preisrutsch in den vergangenen Wochen kam entsprechend unerwartet. Doch Experten klären auf: „Es ist ein Mythos, dass Edelmetalle jedes Mal springen, wenn etwas Schlimmes passiert“, sagt Adrian Ash vom Edelmetallmarktplatz Bullionvault. In akuten Stressphasen verkauften viele an den Märkten gerade die Vermögenswerte, die zuvor stark gestiegen waren und schnell Geld bringen. Das erklärt auch diesen Rückgang.
Tatsächlich war der Goldpreis in den vergangenen Monaten kräftig gestiegen. In einer Phase erhöhter Unsicherheit sichern manche Marktteilnehmer dann Gewinne, um anderswo Verluste auszugleichen oder Risiken zu reduzieren. Dazu kommt: Wenn Zinssenkungen unwahrscheinlicher werden oder wieder höhere Zinsen drohen, gerät Gold schnell unter Druck. Das Metall wirft keine laufenden Erträge ab und wird in einem solchen Umfeld weniger rentabel.

Auch Maik Bolsmann vom Finanzdienstleister B&K Vermögen verweist auf diesen Mechanismus. Neben strategischen Langfristinvestoren seien in den vergangenen Monaten auch kurzfristig orientierte Spekulanten in den Markt gekommen, sagt er. Diese nähmen nun Gewinne mit, weil es hier „noch etwas zu holen gab“, so Bolsmann.
Gold: Keine „klaren Signale“ für einen dauerhaften Abwärtstrend
Den Einschätzungen der Profis nach spricht derzeit kaum etwas für einen längerfristigen Abwärtstrend. Der Finanzplaner Roland Schmack vom Vermögensverwalter Meine Werte erklärt: „Der Rückgang wirkt derzeit eher wie eine Korrektur als ein Trendbruch.“ Für einen dauerhaften Abwärtstrend fehlten bislang „klare Signale“: Geopolitische Risiken, hohe Schulden, Inflationsgefahr und immer noch mögliche Zinssenkungen sprächen weiter für Gold, sagt Schmack. „Die langfristige Story bleibt daher intakt.“
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Bitte beachten:
Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.
Das bedeutet aber nicht, dass der sogenannte sichere Hafen Gold automatisch immer stabil bleibt. Kapitalmarktstratege Tilmann Galler vom Vermögensverwalter J. P. Morgan verweist darauf, dass Gold phasenweise schwankungsanfälliger sein kann, als viele Anleger erwarten. „Die Fallhöhe ist durch den rasanten Anstieg größer geworden“, erklärt er das Phänomen.
Verschieben sich Erwartungen an Zinsen, Dollar oder Geldpolitik, wird das Metall nach einer starken Rallye oft anfälliger für scharfe Rücksetzer. Ein Experte ist sich sicher: „Goldpreis wird auch in naher Zukunft noch stark schwanken.“

Gold bleibt wichtiger Schutz: Vermögensverwalter rät zu Gelassenheit
Trotz des Rückgangs sehen die Profis Gold weiter als sinnvollen Baustein bei der Vermögensplanung. Schmack erklärt: „Gold bleibt eine Versicherung, kein Renditetreiber.“ Auch in einer Schwächephase erfülle das Metall seine Rolle als Schutz gegen Krisen, Inflation und Währungsrisiken. Ein vollständiger Ausstieg wäre aus seiner Sicht eine Wette gegen Unsicherheit. Schmacks Rat: Gold moderat mit etwa fünf bis zehn Prozent Portfolioanteil als Stabilitätsanker halten.
Bolsmann argumentiert ähnlich: „Gold ist wie Schneeketten: Ich packe sie unten in den Kofferraum und hoffe, dass ich sie nicht rauskramen muss“, so der Profi. Wenn es darauf ankomme, brauche man aber den vollen Satz. Reduzieren sei deshalb nicht die naheliegende Reaktion, warnt der Experte.
Auch Vermögensverwalter Philipp Eichhorn von I.C.M. hält es für falsch, Goldpositionen allein wegen der aktuellen Preisbewegung infrage zu stellen. Gold erfülle im Portfolio weiterhin eine klar definierte Funktion als Diversifikations- und Stabilitätsbaustein, sagt er. Doch es gibt es Alternativen, die Gold seinen Status als sicherer Hafen streitig machen könnten.

Bitcoin: Kryptowährung reagiert schneller als Gold auf Iran-Krise
Schmack sieht im aktuellen Iran-Krieg vor allem den US-Dollar als Gewinner. Weil Gold und Öl in Dollar gehandelt würden, erhöhe die Unsicherheit die Nachfrage nach der US-Währung, so der Profi. Auch Geldmarktfonds sieht er als stabile Häfen mit hoher Liquidität und geringem Risiko, allerdings ohne echten Inflationsschutz. Als Ergänzung nennt Schmack den Schweizer Franken sowie defensive Aktien aus Versorgung und Pharma.
Auch im Hinblick auf die Kryptowährung Bitcoin vertritt er eine eindeutige Position. Überraschenderweise habe sich Bitcoin in der aktuellen Phase zeitweise stabiler als Gold gezeigt, so Schmack. Das liege unter anderem daran, dass Kryptomärkte rund um die Uhr geöffnet seien und geopolitische Schocks schneller einpreisten. „Bitcoin war das erste Asset, das die US-Angriffe auf den Iran einpreiste und sich danach schnell erholte“, sagt Schmack. Ein sicherer Hafen sei Bitcoin aus seiner Sicht aber nicht.
Für Bolsmann gibt es dagegen gerade in Krisenzeiten keine echte Alternative zu Gold. Vor allem Bitcoin habe erneut gezeigt, dass er Gold nicht als Krisenwährung verdrängen könne. Der fallende Goldpreis mag auf den ersten Blick also verunsichern, könnte aber eher Korrektur als das Ende des Aufwärtstrends bedeuten. Beim Gold entscheidet ohnehin nicht der Schreckmoment im Chart, sondern die solide Rolle im Portfolio.
Quellen:
Im Gespräch mit Roland Schmack, Certified Financial Planner und Geschäftsführer der Meine Werte GmbH – Partner der isFinance AG, im März 2026
Im Gespräch von Maik Bolsmann, B&K Vermögen GmbH, im März 2026
Im Gespräch mit Philipp Eichhorn, I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH, im März 2026
Marktkommentar von Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J. P. Morgan Asset Management, im März 2026
Marktkommentar von Adrian Ash, Director of Research bei BullionVault, im März 2026


