Steuererklärungen „einfach, sicher, unkompliziert“ und mit einem Klick abgeben: Mit diesem Versprechen kündigte das bayerische Finanzministerium kürzlich eine neue Funktion in der App „MeinElster+“ an. Die Behörde hat die Funktion entwickelt und programmiert. Rund 11,5 Millionen Steuerpflichtige sollen ihre Steuererklärung ab dem 1. Juli bundesweit per Smartphone-Klick erledigen können. Doch Steuerprofis sehen die neue Funktion kritisch.
Für sehr einfache Steuerfälle könne die Ein-Klick-Lösung bequem sein, doch die automatisierte Erklärung berücksichtige nur Daten, die den Finanzbehörden bereits vorlägen oder pauschale Beträge berücksichtigten. Wer die Erklärung ungeprüft abschickt und wichtige zusätzliche Angaben vergisst, verschenkt womöglich seine Steuererstattung. Steuer- und Finanzprofis erklären, was Nutzer der App unbedingt kontrollieren sollten.
Mein Elster+: So funktioniert die neue Steuererklärung per App
Mit der neuen Funktion in der App „MeinELSTER+“ sollen Nutzer und Nutzerinnen ab dem 1. Juli 2026 ihre Steuererklärung abgeben können. Die Registrierung beginnt bereits am 31. März 2026: Bürgerinnen und Bürger können sich in der App für die Nutzung der Funktion freischalten lassen. Der bayerische Finanz- und Heimatminister Albert Füracker (CSU) bezeichnet das Projekt als Schritt in Richtung Digitalisierung und Nutzerfreundlichkeit der Steuerverwaltung.

Zum Start richtet sich die Funktion allerdings nur an einen begrenzten Personenkreis, perspektivisch sollen sowohl die Funktionen als auch der Nutzerkreis erweitert werden. Derzeit freigeschaltet sind
- ledige und kinderlose Arbeitnehmer und
- Rentner
Ab Juli sollen diese Nutzer eine vorausgefüllte Steuererklärung für das Steuerjahr 2025 erhalten – inklusive einer Vorschau auf ihren Steuerbescheid. Grundlage sind steuerrelevante Daten, die den Finanzbehörden bereits automatisiert vorliegen, etwa Lohndaten vom Arbeitgeber, Rentenbezüge und Sozialversicherungsbeiträge.
Wer mit dieser vorausgefüllten Erklärung einverstanden ist, kann sie direkt über die App mit einem Klick an das zuständige Finanzamt senden. Änderungen oder Ergänzungen bleiben laut Finanzverwaltung jedoch weiterhin möglich. Genau diese Optionen sollten Nutzer laut Steuerfachleuten auch in Anspruch nehmen.
Steuererklärung mit Elster: Experten warnen vor Schwachstellen
Die Experten und Expertinnen sehen die neue Funktion zwar grundsätzlich positiv, mahnen aber zur Vorsicht: „Es ist grundsätzlich sinnvoll, vorhandene Daten stärker zu nutzen und Verfahren weiter zu digitalisieren“, erklärt Uwe Rauhöft, Vorstandsmitglied des Lohnsteuerhilfevereins Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) und Vorsitzender des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine (BVL).

Für sehr einfache Steuerfälle könne das Verfahren eine Erleichterung sein. Wichtig dabei: Die Verantwortung für vollständige und korrekte Angaben liegt weiterhin bei den Steuerpflichtigen. Die neue Funktion hat allerdings auch eine wichtige Schwachstelle: Die Finanzverwaltung nutzt ausschließlich bereits vorliegende Daten und gesetzliche Pauschalen. Komplexere steuerliche Sachverhalte lassen sich in dem stark vereinfachten Verfahren nicht abbilden.
Dadurch können sich finanzielle Nachteile ergeben: „Individuelle Aufwendungen, wie höhere Werbungskosten als die Pauschale, Krankheitskosten, Spenden oder außergewöhnliche Belastungen werden nicht automatisch erfasst“, sagt der VLH-Vorstandsvorsitzende Jörg Strötzel. Wer zusätzliche Ausgaben nicht selbst ergänze, könne „unter Umständen bares Geld verschenken“, so der Experte.
1-Klick-Steuererklärung bei Elster: Diese wichtigen Angaben fehlen
Auch das Verbraucherportal „Finanztip“ bewertet die Ein-Klick-Steuererklärung deswegen kritisch. Viele steuerlich relevante Ausgaben seien den Finanzbehörden nicht bekannt, heißt es. Dazu gehören:
- berufliche Werbungskosten wie Arbeitsmittel oder Fahrtkosten
- Spenden
- außergewöhnliche Belastungen, etwa Gesundheitskosten
- Rechnungen für Handwerkerleistungen
- haushaltsnahe Dienstleistungen, etwa aus der Nebenkostenabrechnung
Wer seine Steuererklärung ohne Ergänzungen mit einem Klick abschickt, verzichtet möglicherweise auf eine Steuererstattung: Laut „Finanztip“ können Steuerpflichtige im Durchschnitt mehr als 1000 Euro zurückbekommen, wenn sie ihre absetzbaren Kosten vollständig angeben.

Einschränkungen der neuen Elster-Funktion: Was wichtig ist
Für die Nutzung der App ist ein Elster-Zertifikat erforderlich. Die Aktivierung kann einige Tage oder Wochen in Anspruch nehmen, weil Teile der Registrierung per Post erfolgen. Eine schnellere Anmeldung ist per eID mit einem modernen Personalausweis und der „AusweisApp2“ möglich.
Da es sich bei der Elster-App um ein offizielles Angebot der Finanzverwaltung handelt, gibt sie grundsätzlich keine Spartipps bei der Steuererklärung. Nutzerinnen und Nutzer müssen sich selbst darüber informieren, welche zusätzlichen Ausgaben sie angeben können. Wer die neue Elster-Funktion nutzen möchte, sollte die vorausgefüllte Erklärung unbedingt prüfen und gegebenenfalls ergänzen. Besonders wichtig:
- Vorausgefüllte Steuererklärung nicht ungeprüft abschicken.
- Eigene Ausgaben ergänzen, etwa Werbungskosten oder Spenden.
- Belege sammeln, um zusätzliche Kosten anzugeben.
- Bei komplexeren Fällen Steuersoftwares oder eine Beratung nutzen.
Ein Klick ersetzt keine vollständige Steuerprüfung
Die neue Elster-Funktion kann die Steuererklärung für sehr simple Fälle tatsächlich vereinfachen. Fachleute betonen jedoch, dass eine automatisierte Ein-Klick-Lösung keine vollständige Steuerprüfung ersetze. Wer zusätzliche Ausgaben hat, sollte seine Erklärung sorgfältig kontrollieren. Andernfalls bleibt ein Teil der möglichen Steuererstattung ungenutzt. So geht schlimmstenfalls Geld verloren.
Viele Steuerprogramme führen Schritt für Schritt durch die Erklärung und erinnern an mögliche Abzüge. Die dadurch entstandenen Ausgaben können eine lohnende Investition sein – und sind in der Steuererklärung zudem absetzbar. Für manche Fälle eignen sich sogar kostenlose Programme: In unserem Steuersoftware-Vergleich stellen wir mehrere Optionen und den aktuellen Testsieger vor.
Quellen:
Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen und für Heimat, in: stmfh.bayern.de. Zuletzt abgerufen am 10.03.2026
Finanzverwaltung startet Steuererklärung per App: VLH warnt vor Grenzen, in: Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH). Zuletzt abgerufen am 10.03.2026
Neue 1-Klick-Steuererklärung mit MeinElster-App: Gute Idee?, in: Finanztip.de (Daily). Zuletzt abgerufen am 10.03.2026


