Der Goldpreis hat 2026 starke Schwankungen erlebt. Ende Januar kostete eine Feinunze zeitweise fast 5600 US-Dollar, im Juni lag der Preis rund 30 Prozent darunter. Inzwischen hat sich Gold wieder erholt und notiert bei etwa 4400 US-Dollar. Für Anleger macht das die Entscheidung nicht einfacher: Lohnt sich der Einstieg auf dem aktuellen Niveau? Die von unserer Redaktion befragten Vermögensverwalter nennen unterschiedliche Zeitpunkte für den Einstieg. In einem Punkt sind sie sich jedoch weitgehend einig: Auf den vermeintlich perfekten Kurs zu warten, ist aus ihrer Sicht keine gute Strategie.

Gold: Jetzt noch einsteigen? Profi gibt klare Antwort

Einen bestimmten Tiefpunkt abzuwarten, halten die Experten für wenig sinnvoll. „Den perfekten Einstiegspreis gibt es nicht, nur die Illusion davon“, sagt Nikolas Kreuz. Anleger versuchten häufig, einen bestimmten Tiefpunkt zu erwischen. Doch der Markt bietet dafür keine Sicherheit. Der Profi betrachtet Gold ohnehin nicht als kurzfristige Trading-Chance, sondern als Absicherung für das Vermögen.

Ähnlich argumentiert Roland Schmack. Die starken Schwankungen der vergangenen Monate zeigen aus seiner Sicht, wie schwierig das richtige Timing ist. Ende Januar kostete die Feinunze fast 5600 Dollar, im Juni zeitweise rund 30 Prozent weniger und inzwischen wieder etwa 4400 Dollar. Wer damals auf die Bestätigung des Aufwärtstrends gewartet hat, kaufte ausgerechnet am teuersten Punkt. „Gold ist keine Aktie, die man auf den Rücksetzer kauft und schnell wieder verkauft, sondern eher eine Versicherung fürs Depot“, sagt Schmack.

Goldkurs
Lohnt sich jetzt noch der Einstieg bei Gold? Vermögensverwalter verraten ihre Strategien.© picture alliance/dpa | Sven Hoppe

Statt auf den perfekten Zeitpunkt zu warten, rät der Profi zu einem gestaffelten Einstieg. Anleger könnten das vorgesehene Kapital beispielsweise auf drei oder vier Käufe über mehrere Monate verteilen. Dadurch sinkt das Risiko, ausgerechnet kurz vor einem erneuten Rücksetzer die komplette Position aufzubauen.

Goldpreis: Experten sehen Einstiegschancen ab 4100 US-Dollar

Ganz bedeutungslos ist die Höhe des Goldpreises für die Experten dennoch nicht. Mehrere Vermögensverwalter nennen Bereiche, in denen sie zusätzliche Käufe derzeit für besonders interessant halten. Schmack sieht Rücksetzer auf etwa 4100 bis 4300 US-Dollar je Feinunze als „attraktiv“ an. Anleger aus Deutschland sollten dabei allerdings nicht nur auf den Dollarpreis schauen. Entscheidend ist auch der Wechselkurs zwischen Euro und Dollar. Wertet der Euro gegenüber der US-Währung auf, fällt ein Anstieg des Goldpreises in Dollar für Anleger im Euroraum geringer aus.

Bitte beachten:

Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.

Rainer Beckmann setzt seine bevorzugte Einstiegsmarke etwas niedriger an. Nach der jüngsten Erholung würde er dem Goldpreis „nicht um jeden Preis hinterherlaufen“. Einen Rücksetzer auf etwa 4100 bis 4200 Dollar hält er für interessant. Trotzdem müsse niemand vollständig auf einen Rücksetzer warten. Wer Gold langfristig zur Diversifikation halten wolle, könne auch beim aktuellen Niveau einen Teil des vorgesehenen Kapitals investieren und Reserven für weitere Käufe zurückhalten. „Entscheidend ist, Gold nicht als kurzfristige Kurswette zu behandeln“, betont der Profi.

Gold kaufen oder abwarten? Experten raten zum schrittweisen Einstieg

Thomas Mitroulis unterscheidet hingegen zwischen einem ersten Einstieg und größeren Zukäufen. Wer bislang kein Gold besitzt, könne seiner Einschätzung nach auch beim aktuellen Kurs beginnen, eine strategische Position aufzubauen. „Für größere Zukäufe halte ich Kurse unterhalb von 4000 US-Dollar je Feinunze für ausgesprochen interessant“, sagt Mitroulis. Zwischen 4000 und 4200 Dollar würde er ebenfalls schrittweise kaufen. Je näher sich Gold wieder seinen bisherigen Rekordständen nähere, desto wichtiger würden dagegen Disziplin und mehrere Kauftranchen.

Auch Christoph Schulz sieht den richtigen Einstiegspunkt differenziert: „Wichtig ist aus meiner Sicht die Frage: Welche Rolle soll Gold im Gesamtportfolio spielen?“ Für einen Anleger mit langfristigem Anlagehorizont könne ein Goldkauf auf dem aktuellen Niveau sinnvoll sein – vor allem, wenn es um Diversifikation und Krisenschutz geht. „Bei einer kurzfristig orientierten Wette auf weiter steigende Preise wäre ich dagegen zurückhaltend“, urteilt der Profi. Seiner Meinung nach wird das Chance-Risiko-Verhältnis bei 4000 US-Dollar je Feinunze deutlich attraktiver.

„Buy-the-Dip-Phase“: Warum einige Profis weiter auf Gold setzen

Einige Experten sind zudem grundsätzlich optimistisch für den Goldmarkt gestimmt. Mirko Kohlbrecher sieht derzeit Anzeichen dafür, dass sich ein tragfähiger Boden ausbilden könnte. Als Unterstützung nennt er unter anderem die weiterhin hohe Goldnachfrage von Zentralbanken sowie langfristig orientierten Investoren. Hinzu kommen aus seiner Sicht strukturelle Faktoren wie die hohe Staatsverschuldung vieler Länder und der Wunsch großer Investoren nach realen Vermögenswerten. Rolf Ehlhardt spricht sogar von einer „Buy-the-Dip-Phase“.

Gold und Silber liegen in einem Bankschließfach: Silber wird vor allem von Industriekunden als Rohstoff nachgefragt.
Einige Experten sind zudem grundsätzlich optimistisch für den Goldmarkt gestimmt.© DPA Images | Sven Hoppe

Für ihn sind Kurskorrekturen derzeit eher Kaufgelegenheiten als ein Grund, Gold grundsätzlich zu meiden. „Ganz unten kaufen können nur Lügner“, sagt er. Als Argumente nennt er ebenfalls steigende Staatsschulden und geopolitische Krisen. Auch die wachsende Bedeutung von Goldreserven in mehreren Schwellenländern sieht er als langfristigen Treiber. Seine Schlussfolgerung: Anleger, die diese Risiken mit Gold absichern wollen, sollten nicht nach dem absoluten Tiefpunkt suchen.

Dazu spannend: Physisches Gold oder ETC? Experten geben klaren Ratschlag. In unserer Goldpreis-Prognose für 2026 finden Sie außerdem noch weitere Einschätzungen.

Fazit: Gold kaufen oder auf den nächsten Rücksetzer warten?

Die Einschätzungen der Profis zeigen: Einen perfekten Einstiegszeitpunkt gibt es nicht. Einige halten Kurse zwischen 4100 und 4300 Dollar für interessant. Andere erst ab einer Marke unter 4000 Dollar – auch abhängig von der Positionsgröße und der Strategie. Wer Gold langfristig als Absicherung und zur Diversifikation einsetzen möchte, kann deshalb einen Teil des geplanten Kapitals bereits investieren und weitere Käufe für mögliche Rücksetzer zurückhalten. Wer dagegen auf kurzfristig steigende Kurse spekuliert, geht nach der deutlichen Erholung ein höheres Timing-Risiko ein.

Anleger sollten aber beachten: Gold wirft weder Zinsen noch Dividenden ab. Die Rendite hängt allein davon ab, zu welchem Preis Anleger später verkaufen können. Auch starke Kursverluste innerhalb kurzer Zeit sind möglich – die Entwicklung im Jahr 2026 hat das gezeigt. Entscheidend ist deshalb nicht nur die Frage, ob Gold bei 4000, 4200 oder 4400 Dollar gekauft wird. Anleger sollten vor allem festlegen, welche Funktion das Edelmetall im Gesamtportfolio übernehmen soll und welchen Anteil ihres Vermögens sie dafür einsetzen wollen.

Quellen:

Im Gespräch mit Nikolas Kreuz, INVIOS GmbH Institut für Vermögenssicherung, aktualisiert am 17.08.2026

Im Gespräch mit Roland Schmack, Meine Werte GmbH – Partner der isFINANCE AG, aktualisiert am 17.08.2026

Im Gespräch mit Mirko Kohlbrecher, Spiekermann & CO AG, aktualisiert am 17.08.2026

Im Gespräch mit Rolf Ehlhardt, I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH, aktualisiert am 17.08.2026

Im Gespräch mit Rainer Beckmann, ficon Vermögensmanagement GmbH, aktualisiert am 17.08.2026

Im Gespräch mit Christoph Schulz, BK Vermögen GmbH, aktualisiert am 17.08.2026

Im Gespräch mit Thomas Mitroulis, AXIA Asset Management GmbH, aktualisiert am 17.08.2026

Goldpreis, in: gold.de. Zuletzt abgerufen am 14.04.2026