Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt den Leitzins bereits seit einigen Monaten unverändert. Auch die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld zeigen sich erstaunlich beständig. Doch einige Lockangebote versprechen deutlich höhere Renditen – lohnt sich ein Wechsel? Wir haben bei einer Verbraucherschützerin nachgefragt. Sie verrät, worauf Sparerinnen und Sparer achten sollten.
„In den letzten Monaten hat die EZB den Zins nicht abgesenkt“, erklärt Kerstin Hußmann-Funk von der Verbraucherzentrale Hamburg. Ein ähnliches Bild zeige sich bei den Zinsen für Tages- und Festgelder: „Die Zinsen sind nach unseren Beobachtungen in den letzten Monaten recht stabil“, so die Expertin für Geld und Versicherungen.
Zinsen beim Tagesgeld: Neukundenangebote stechen heraus
Anders sieht es bei einzelnen Tagesgeld-Angeboten aus. Hußmann-Funk beobachtet, dass „immer mal wieder einige Angebote mit guten Zinsen herausstechen“. Der Haken: Diese Konditionen gelten meist nur für eine bestimmte Zeit und ausschließlich für Neukunden. Nach einigen Monaten sinkt der Zins automatisch auf das allgemeine Niveau der jeweiligen Bank. „Mit diesen guten Zinsen sollen Neukunden gelockt werden“, stellt die Verbraucherschützerin klar. Wir zeigen, welche Banken derzeit drei Prozent und mehr Zinsen auf Tagesgeld bieten.
Die aktuellen Angebote am Markt lassen einen Rückschluss zu: „Insgesamt lesen wir aus den derzeitigen Angeboten, dass auch die Banken eher von einem stabilen Zinsniveau ausgehen“, sagt Hußmann-Funk. Unsere Spar-Übersicht zeigt laufend Veränderungen am Zinsmarkt.

Angebote mit hohen Zinsen: Lohnt sich die Zinsjagd?
Tatsächlich liegen die Lockangebote bei Tagesgeldern teilweise deutlich über den Zinsen für Altkunden. Doch lohnt sich der Aufwand des Bankwechsels? Die Verbraucherschützerin gibt zu bedenken, dass ein Tagesgeld in erster Linie als Liquiditätsreserve diene. „Ich sollte schnell und unkompliziert an das Geld kommen, wenn ich es brauche. Der Zinsertrag steht hier weniger im Vordergrund“, betont sie.
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Wer Geld gewinnbringend anlegen möchte, für den eignen sich laut Hußmann-Funk andere Anlageformen besser – beispielsweise Festgeld oder breit streuende Aktienfonds beziehungsweise ETFs. Ob sich das Hinterherjagen guter Angebote lohnt, müsse jeder für sich selbst entscheiden. „Sicherlich ist der Wechsel eines Kontos mit einigen Umständen verbunden“, räumt die Expertin ein. „Für den einen mag das aber kein Problem darstellen. Anderen ist der Aufwand aber zu hoch.“
Mehrere Konten als Strategie? Expertin hat klaren Rat
Gerade wenn ein Festgeld ausgelaufen ist und das Geld neu angelegt werden soll, empfiehlt Hußmann-Funk, auch die Angebote anderer Banken zu prüfen. „Es gibt Menschen, denen ist es wichtig, für einen guten Überblick nur mit einer Bank zu tun zu haben. Es gibt aber auch Menschen, die sind sehr flink und geübt darin, die aktuell besten Konditionen herauszufinden und Geld entsprechend anzulegen. In diesem Fall kann es sehr sinnvoll sein, das Geld auf mehrere Banken zu verteilen“, so die Expertin.
Wie sinnvoll es ist, Geld auf mehrere Banken zu verteilen, hänge dabei auch von der Anlagesumme ab. Die Verbraucherzentrale Hamburg rät, nur auf Angebote von Banken mit Sitz in der Europäischen Union (EU) einzugehen. Für diese gilt die EU-Einlagensicherung in Höhe von mindestens 100.000 Euro. „Das bedeutet, dass bei Insolvenz der Bank die Sparer und Sparerinnen ihre Einlagen bis zu 100.000 Euro ersetzt bekommen, notfalls vom Staat“, erklärt die Expertin.

Bei größeren Anlagebeträgen sollten Sparer darauf achten, nicht mehr als insgesamt 100.000 Euro bei einer Bank in Spar-, Tages- und Festgeldkonten angelegt zu haben. Hußmann-Funk empfiehlt außerdem zu prüfen, welche Einlagensicherung welchen Landes für das konkrete Angebot gilt. „Da innerhalb der EU jeder Staat allein für seine Banken haftet.“ Deutschland gelte beispielsweise als sehr kreditwürdig und die Einlagensicherung als sehr sicher. „Wenn mehr als 100.000 Euro angelegt werden sollen, dann empfiehlt sich also schon ganz automatisch, das Geld auf mehrere Banken zu verteilen“, so die Expertin.
Expertin warnt: Vorsicht vor unseriösen Angeboten
Immer wieder taucht Werbung mit auffällig hohen Zinskonditionen auf. Hußmann-Funk warnt: „Grundsätzlich gilt die Faustformel: Je höher die Rendite, desto höher das Risiko.“
Bei Unsicherheit helfe ein Vergleich mit dem aktuellen Leitzins der EZB. „Liegt das Zinsangebot deutlich über dem Leitzins, dann wird es einen Haken geben“, so die Verbraucherschützerin. Auch ein Vergleich mit den Zinsen anderer Anbieter könne Klarheit schaffen. Aktuelle Zinsvergleiche bei Tagesgeldern bietet etwa auch die Stiftung Warentest.
Die Expertin rät in jedem Fall zu prüfen, ob die Einlagensicherung gilt und welche Einlagensicherung welchen Landes greift. Bei Zweifeln sollten sich Verbraucher unabhängig beraten lassen – beispielsweise von den Verbraucherzentralen.
Quellen:
Pressekonferenzen, in: ecb.europa.eu. Zuletzt abgerufen am 05.12.2025
Tagesgeld – starke Zinsen: Ein Tipp, in: morgenpost.de. Zuletzt abgerufen am 05.12.2025
Im Gespräch mit Kerstin Hußmann-Funk von der Verbraucherzentrale Hamburg am 30. Oktober 2025



