• Nach monatelangem Stillstand hat die US-Notenbank erstmals wieder eine Leitzinsänderung vorgenommen
  • Die Federal Reserve reduzierte den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt und setzte damit die neue Bandbreite von 4,0 bis 4,25 Prozent fest
  • Wir haben zusammengetragen, was Profis jetzt erwarten

Nach monatelangem Stillstand hat die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) den Leitzins um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 4,0 bis 4,25 Prozent gesenkt. Die erste Zinsänderung seit Dezember markiert einen wichtigen Schritt in der Geldpolitik der USA.

Die Entscheidung war von vielen Marktbeobachtern erwartet worden, nachdem der Druck auf die US-Notenbank gestiegen ist. Analysten bewerten den Schritt unterschiedlich: Während einige weitere Lockerungsschritte für wahrscheinlich halten, sehen andere die Fed zunächst in einer abwartenden Haltung. Wir haben Branchenstimmen zusammengetragen.

US-Geldpolitik 2025: Weitere Zinsentscheid-Termine der Fed

Es folgen in diesem Jahr noch zwei weitere Sitzungen:

  • am 29. Oktober und am
  • 10. Dezember 2025.

Alle EZB-Termine finden Sie in diesem separaten Artikel.

US-Notenbank senkt Zinsen: Das sagen Experten zum Zinsentscheid

Der Zinsentscheid kam für die meisten Marktbeobachter nicht überraschend. Jörg Held vom Vermögensverwalter Ethenea hatte bereits im Vorfeld erklärt: „Eine Zinssenkung erscheint unausweichlich.“ Als Begründung verwies er auf Fed-Chef Jerome Powell, der in Jackson Hole betont hatte, dass die Notenbank die Abwärtsrisiken für den Arbeitsmarkt höher bewerte als die Aufwärtsrisiken für die Inflation.

Auch an der Wall Street schauen alle gespannt auf den kommenden Fed-Entscheid
Dax-Anleger sind nach der US-Zinssenkung positiv gestimmt.© AFP | Timothy A. Clary

Diese Einschätzung teilt auch Michael Heise von der Investmentgesellschaft HQ Trust: „Die Zinssenkung war weithin erwartet worden, da sich die Bewertung der US-Konjunktur seit der Juli-Sitzung deutlich gewandelt hat.“ Die Wirtschaft erscheine weniger robust, und nach Datenrevisionen sei der Beschäftigungsanstieg in den vergangenen zwölf Monaten nur halb so stark gewesen wie ursprünglich angenommen.

>> Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins im jünsten Entscheid unverändert gelassen. Profis verraten warum der EZB-Zinsentscheid schlecht für Kreditnehmer und gut für Sparer ist.

Dennoch dürfte die Entscheidung umstritten gewesen sein, da die Fed damit bewusst Risiken für die Preisstabilität in Kauf nimmt. Heise sieht jedoch zwei gewichtige Argumente für die Zinssenkung: „Die Geldpolitik muss aufgrund zeitlicher Wirkungsverzögerungen frühzeitig handeln, um einer weiteren Arbeitsmarkt-Abkühlung entgegenzuwirken. Zudem liegen die Leitzinsen mit 4,0 bis 4,25 Prozent noch immer auf einem relativ hohen, inflationsdämpfenden Niveau.“

Prognose zu Fed-Zinsentscheid: Wohin steuert die amerikanische Geldpolitik?

Die Fed steht vor einem komplexen Balanceakt. „Die Gratwanderung zwischen hoher Inflation und schwacher Beschäftigung wird sich fortsetzen“, prognostiziert Heise. Zwar könne die Abkühlung des Arbeitsmarktes den preissteigernden Effekt höherer Zölle teilweise kompensieren, doch sei in den kommenden Monaten weiterhin mit erheblichen Preissteigerungen zu rechnen.

Entsprechend vorsichtig fällt Heises Ausblick aus: „Die Entscheidungsfindung wird schwierig bleiben. Voraussichtlich bleibt es bei einem weiteren Zinssenkungsschritt bis zum Jahresende.“ Andere Branchenkenner gehen hingegen in diesem Jahr noch von bis zu zwei Zinsschritten nach unten aus.

US-Notenbank Fed
Experten sind sich über weitere Fed-Entscheidungen uneins. © Getty Images | Douglas Rissing

Chris Iggo von Axa Investment Managers warnt jedoch vor überzogenen Erwartungen: „Man hofft auf Zinssenkungen um 1,5 Prozentpunkte in den nächsten zwölf Monaten. Das wäre außergewöhnlich viel und würde eine deutlich schwächere Konjunktur signalisieren.“ Zusätzlichen Druck erzeugt die politische Lage: Seit Donald Trumps Rückkehr ins Präsidentenamt wachsen die Erwartungen an die Fed, durch lockere Geldpolitik die Wirtschaft anzukurbeln.

Fed senkt Leitzins: Was Investoren jetzt wissen sollten

Die jüngste Zinssenkung der Federal Reserve spaltet also die Expertenmeinungen: „Die Zinssenkung ist nicht ohne Risiko“, warnt auch Johannes Mayr vom Vermögensverwalter Eyb & Wallwitz und verweist auf die verhaltene erste Marktreaktion. Besonders die ungewöhnlich hohe Unsicherheit über den künftigen wirtschafts- und zollpolitischen Kurs sowie dessen mögliche Inflationsfolgen bereitet Sorgen.

Anders bewertete Tuan Huynh vom Vermögensverwalter Blackrock die Lage vor dem Entscheid: „Wir bleiben risikofreudig im Vorfeld der Fed-Zinssenkungen.“ Seine Begründung: Obwohl das Wirtschaftswachstum nachlasse, bleibe es stabil, während die Unternehmensgewinne weiterhin solide ausfallen.

Diese Auswirkungen haben Fed-Zinsentscheide:

  • Wechselkurse: Niedrigere US-Zinsen schwächen tendenziell den Dollar. Importe nach Europa könnten günstiger werden.
  • Aktienmärkte: Niedrigere Zinsen kurbeln Investitionen an und können Aktien-Kurse treiben.
  • Kreditkosten: Unternehmen und Haushalte in den USA profitieren von sinkenden Finanzierungskosten.

Bitcoin-Rally durch Fed? Erste Reaktion eher verhalten

Auch Bitcoin und andere Digitalwährungen profitieren typischerweise von niedrigeren Zinsen. Wenn die Fed die Zinsen senkt, verlieren sichere Staatsanleihen an Attraktivität. Investoren suchen dann nach renditestärkeren Alternativen – und greifen häufiger zu riskanten Assets wie Aktien oder Kryptowährungen.

>> Bitcoin-Kurs aktuell: Deutliche Tendenz zeichnet sich ab

Zusätzlich wird Fremdkapital billiger. Unternehmen und private Anleger können sich günstiger Geld leihen, um es in spekulative Anlagen zu stecken. Niedrige Zinsen gelten daher traditionell als Rückenwind für Bitcoin. Bisher reagierten die Kurse von Bitcoin, Ethereum und Co. jedoch verhalten. Viele Krypto-Anleger hatten offenbar mit diesem Zinsschritt gerechnet, sodass er bereits eingepreist war. Ein Phänomen, das Trader als „Sell the News“ kennen.

Bitte beachten:

Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.