- Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins wiederholt gesenkt – auf 2,00 Prozent.
- Finanz-Profis erklären, was das für Bauzinsen, Tagesgeld und Festgeld bedeutet.
- Ein Kredit-Profi warnt: „Wer jetzt zögert, könnte bald draufzahlen“
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte gesenkt, sodass der Einlagenzins nun bei 2,00 Prozent liegt. Es ist bereits die achte Zinssenkung in Folge. Doch wie wirken sich die niedrigeren Zinsen auf Sparformen wie Tagesgeld und Festgeld aus? Und was bedeutet das für Bauzinsen und die Finanzierung von Immobilien? Wir haben Branchenstimmen zusammengetragen.
EZB senkt Leitzins: Finanzprofis ordnen neue Lage ein
Finanzexperten hatten bereits im Vorfeld den Schritt der Zentralbank erwartet: „Die Entscheidung der EZB, den Einlagensatz um 25 Basispunkte auf 2,00 Prozent zu senken, wurde von den Märkten vollständig eingepreist und steht im Einklang mit den jüngsten zurückhaltenden Äußerungen von Mitgliedern des EZB-Rats“, kommentiert Altaf Kassam vom Vermögensverwalter State Street Global Advisors die Entscheidung.
Doch was bedeutet der Zinsschritt für Kreditnehmer und Sparer? „Da der Zinsschritt weithin erwartet wurde, werden sich die Konditionen für Sparer und Kreditnehmer kaum ändern“, erklärt Michael Heise, Chefökonom der Investmentgesellschaft HQ Trust.

Bauzinsen: EZB-Zinsentscheidung und ihre Folgen für Baufinanzierungen
Auch auf die Bauzinsen wird der Schritt wohl erstmal keine direkten Auswirkungen haben. „Die Zinslage für Immobilienkäuferinnen und -käufer wird von vielen Faktoren beeinflusst“, erklärt Mirjam Mohr, Vertriebsvorständin beim Kreditvermittler Interhyp. „Dazu zählen die Leitzinspolitik der EZB, Inflation, geopolitische Unsicherheiten, Renditen von Staatsanleihen sowie die Entwicklung der Immobilienpreise und das Marktverhalten.“
Experten sehen den Markt derzeit vergleichsweise stabil. Florian Pfaffinger vom Kreditvermittler Dr. Klein erklärt: „Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen hat sich kaum verändert – ein wichtiger Indikator für Bauzinsen“, sagt er. Die Zinssenkung der EZB sei darin bereits vor der Entscheidungen eingepreist gewesen.
Pfaffinger ergänzt, dass Zoll-Drohungen der USA kurzzeitig für Verunsicherung sorgten, die Lage aber inzwischen stabil sei. „Ich gehe davon aus, dass sich die Zinsen um das aktuelle Niveau von 3,25 bis 3,5 Prozent bewegen – Schwankungen sind möglich, aber Zinsen unter drei Prozent kurzfristig unwahrscheinlich.“

Sinkt der EZB-Leitzins weiter? Zeitfenster für weitere Senkungen schließt sich
Laut Oliver Kohnen, Geschäftsführer vom Kreditvermittler Baufi24, erwarten viele Marktteilnehmer noch einen finalen Zinsschritt auf 1,75 Prozent. Doch das Zeitfenster für weitere Senkungen schließt sich: „Parallel zum aktuellen Rückgang der Inflation steigen bereits wieder die Erwartungen an eine künftig höhere Teuerung“, erklärt Kohnen. Trotzdem sieht der Finanzierungsexperte durch attraktive Rahmenbedingungen aktuell weiterhin gute Chancen für Immobilieninteressierte.
Gleichzeitig warnt Kohnen: „Wer jetzt zögert, könnte bald draufzahlen. Die Zeit der extrem günstigen Finanzierungen in den Zehnerjahren ist vorbei – und sie wird so schnell nicht zurückkehren.“ Denn mit einer anziehenden Inflation drohen wieder steigende Zinsen. „Höhere Bauzinsen würden dann auf moderat steigende Immobilienpreise treffen, insbesondere in begehrten Lagen“, so Kohnen.
EZB-Zinssenkung: Einfluss auf Tages- und Festgeld
Während sich Bauzinsen nur indirekt von der EZB-Politik beeinflussen lassen, zeigen sich die Auswirkungen bei Tages- und Festgeldanlagen direkt. Sinkende Leitzinsen führen in der Regel zu niedrigeren Zinsen auf Sparprodukte. Daher sollten Sparer regelmäßig Angebote vergleichen. In unserem Spar-Ticker finden Sie die aktuellen Top-Konditionen für Tages- und Festgeld.
Jasmin Ehlert, Chefanalystin vom Finanzdienstleister Weltsparen, erklärt: „Viele Banken in Deutschland hatten ihre Einlagenzinsen bereits bis Anfang 2025 um rund 175 Basispunkte gesenkt. Die darauffolgenden Schritte der EZB waren somit weitgehend vorweggenommen.“ Sie ergänzt: „Zugleich hat sich die Kreditnachfrage spürbar erholt. Um das gestiegene Kreditvolumen zu refinanzieren, bleiben Einlagen für Banken ein zentraler Baustein – der Wettbewerbsdruck, attraktive Zinsen zu bieten, ist entsprechend hoch.“
Diese Marktdynamik führe aktuell sogar zu einem leichten Zinsanstieg: „Zwischen Ende April und Ende Mai sind die besten Angebote für einjährige Festgelder bei deutschen Banken um fast 10 Basispunkte gestiegen“, beobachtet Ehlert. Sie warnt jedoch: „Der leichte Aufwärtstrend könnte von kurzer Dauer sein, da noch mindestens eine weitere Zinssenkung in diesem Jahr erwartet wird.“ Unser Festgeld-Vergleich kann helfen, Top-Angebote zu finden.
Bitte beachten:
Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.



