- Laut einem Experten wiegen sich viele Verbraucher in falscher Sicherheit beim Thema Kreditkarte mit Versicherung
- Ob Auslandskranken- oder Reiserücktrittsversicherung: Diese Leistungen sind oft nur eingeschränkt gültig
- Ein Verbraucherschützer erklärt wann eine separate Reiseversicherung die bessere Wahl ist
Bei Auslandsreisen bieten Kreditkarten meist einen zuverlässigen Zugang zu Geld. Viele Kreditkartenpakete enthalten zudem Reiseversicherungen wie eine Auslandskrankenversicherung. Doch reicht eine einzelne Karte für einen umfassenden Versicherungsschutz – und ist dieser genauso gut wie bei einzeln abgeschlossenen Versicherungen?
Peter Grieble leitet die Abteilung Versicherungen, Pflege und Gesundheit bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt er, worauf Verbraucher bei Kreditkarten mit Versicherungen achten sollten. Viele dieser Versicherungen bieten dem Experten zufolge nur einen Basisschutz oder haben strenge Bedingungen. Vor allem im Urlaub kann es teuer werden, wenn Reisende sich auf unzureichenden Schutz verlassen.
Welche Versicherungen sind bei Kreditkarten wirklich enthalten?
Ein verlockender Vorteil von Kreditkarten sind die zusätzlichen Versicherungsleistungen, die oft im Paket enthalten sind. Laut Verbraucherexperte Grieble handelt es sich dabei meist um Reiseversicherungen: eine Auslandskrankenversicherung, eine Reiserücktrittsversicherung; in selteneren Fällen eine Reise-Privathaftpflicht, eine Reiseunfall- oder eine Gepäckversicherung.
Neben den Reiseversicherungen bieten einige Kreditkarten auch Assistenz- und Notfallservices an, beispielsweise die Organisation von Krankentransporten oder die Bereitstellung von Hilfsdiensten. Auch eine Rechtsschutzversicherung kann im Versicherungspaket einer Kreditkarte enthalten sein. Dennoch bleibt der Fokus bei den meisten Karten auf dem Reisebereich und den dazugehörigen Versicherungen.
Diese Angebote sind aber eher zusätzliche Vorteile ohne umfassenden Schutz: Grieble warnt davor, Kreditkarten primär wegen der enthaltenen Versicherungsleistungen abzuschließen. Wer glaube, allein durch die Versicherungen der Kreditkarte vollständig abgesichert zu sein, könne leicht in eine Falle tappen, so der Experte.
Ein Tipp: Sie sind auf der Suche nach einer Kreditkarte? Unser Rechner kann helfen, eine erste Übersicht über Angebote zu gewinnen:
Unterschiede beim Versicherungsschutz: Was Kreditkarten wirklich leisten
Denn je nach Anbieter variiert der tatsächliche Schutz aus den Versicherungen stark: Während einige Kreditkarten umfassenden Schutz in verschiedenen Bereichen gewährleisten, gäbe es auch Karten, die nur eine Basisabsicherung bieten, sagt Grieble. Als Beispiel nennt er Auslandskrankenversicherungen und den Rücktransport im Krankheitsfall.
„Manche Versicherer übernehmen lediglich den medizinisch notwendigen Rücktransport, andere decken auch den medizinisch sinnvollen Rücktransport ab“, betont Grieble. Letzterer sei zum Beispiel dann wichtig, wenn Verletzte oder Kranke in der Nähe ihrer Angehörigen behandelt werden wollen. Es lohnt sich also, die Details und Vertragsbedingungen genau durchzulesen.
Ein wichtiges Kriterium bei Kreditkarten-Versicherungen ist auch die Dauer des Schutzes. Einige Karten bieten den Versicherungsschutz nur für eine begrenzte Anzahl von Tagen. Verbraucher sollten daher in den Versicherungsbedingungen kontrollieren, ob der Schutz auch bei längeren Aufenthalten ausreichend ist.
Ein häufiges Problem ist, dass der Versicherungsschutz nicht so umfassend ist wie erwartet.
Peter Grieble, Verbraucherzentrale Baden-Württemberg
Versicherung über die Kreditkarte: Wo Risiken unterschätzt werden
Wer sich vorab gut informiert, profitiert. Denn Beschwerden über Kreditkartenversicherungen thematisieren häufig dieselben Probleme: Häufig stellten Verbraucher erst im Schadensfall fest, dass der Versicherungsschutz nicht so umfassend ist wie angenommen. „Die genauen Bedingungen werden oft erst geprüft, wenn es zu spät ist“, sagt Versicherungsexperte Grieble. „Dann zeigt sich, dass bestimmte Leistungen ausgeschlossen sind.“
Ein weit verbreitetes Missverständnis sei die Annahme, dass Kreditkartenversicherungen weltweit und ohne Einschränkungen gelten. Tatsächlich böten viele dieser Policen nur Basisleistungen oder griffen unter strengen Voraussetzungen. Solche Situationen kommen etwa bei der Reiserücktrittsversicherung vor.
Eine gründliche Beratung und eine genaue Prüfung der Bedingungen sind entscheidend, um im Schadensfall keine bösen Überraschungen zu erleben.
Peter Grieble, Verbraucherzentrale Baden-Württemberg
Die Reiserücktrittsversicherung greife oft nur, wenn ein erheblicher Teil der Reise mit der Kreditkarte bezahlt worden sei – häufig mindestens 50 Prozent, so Grieble: „Ist diese Voraussetzung nicht erfüllt, bleibt der Verbraucher im Stornofall auf den Kosten sitzen“, erklärt er.
Kreditkarten-Versicherung: Unterschiede bei EU- und Fernreisen
Vor allem aber bei den oft enthaltenen Auslandskrankenversicherungen aus Kreditkartenpaketen drohen uninformierten Versicherten ernste finanzielle Schwierigkeiten: Oft fällt der Versicherungsschutz weg, sobald Reisende die EU verlassen. Andere Kreditkartenversicherungen schließen nur bestimmte Länder vom Schutz aus oder erheben zusätzliche Beiträge.
Innerhalb der EU haben gesetzlich Krankenversicherte durch die europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) einen guten Basisschutz. „Außerhalb der EU übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung jedoch keine Kosten“, so Grieble. In solchen Fällen sei eine Auslandsreise-Krankenversicherung mit guten Konditionen besonders wichtig. Auch innerhalb Europas könne sie sich lohnen, da die gesetzliche Krankenkasse den oft teuren Rücktransport nicht abdeckt.
Was ist die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC)?
Die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) ist eine kostenlose Karte, die von den gesetzlichen Krankenkassen in den EU-Staaten ausgestellt wird. Sie deckt medizinische Behandlungen während eines temporären Aufenthalts in anderen EU-Ländern sowie in Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz ab. Die EHIC befindet sich bei den meisten Krankenkassenkarten auf der Rückseite. Bei einem Arztbesuch oder im Krankenhaus zeigt man die Karte einfach vor, um die Kostenübernahme zu gewährleisten. Allerdings stellt Sie kein Ersatz für eine umfangreiche Reiseversicherung dar.
Die EHIC deckt nur Leistungen ab, die medizinisch notwendig sind und die im öffentlichen Gesundheitssystem des besuchten Landes angeboten werden. Eventuelle Zuzahlungen und Eigenbeteiligungen, die in dem jeweiligen Land üblich sind, müssen selbst getragen werden. Es ist wichtig, das Ablaufdatum der EHIC vor der Reise zu überprüfen. Weitere Informationen und die Möglichkeit, die EHIC zu beantragen, finden Sie auf den Websites der gesetzlichen Krankenkassen und der Europäischen Kommission.
Welche Reiseversicherungen laut Experten sinnvoll sind
Überhaupt böten externe Reiseversicherungen häufig den umfassenderen, speziell auf den Reisenden zugeschnittenen Schutz, erklärt Grieble: „Oft sind externe Versicherungen umfangreicher“, sagt er. Manche höherpreisigen Kreditkarten würden durchaus soliden Schutz bieten, entscheidend seien aber auch hier die Versicherungsbedingungen. Nur so ließen sich Missverständnisse und ungewollte Kosten vermeiden, so der Verbraucherschützer.
Ein wichtiger Vorteil der externen Versicherungen ist aber auch der individuelle Zuschnitt auf den Verbraucher und seine Bedürfnisse. So braucht Grieble zufolge nicht jeder Reisender die gleichen Versicherungen: „Wer nicht ins Ausland reist, braucht keine Auslandskrankenversicherung“, sagt er. Für Reisen außerhalb Europas sei sie allerdings unerlässlich.

Auch eine Reiserücktrittsversicherung kann laut Grieble unter bestimmten Umständen empfehlenswert sein: Sie fange hohe Kosten durch Stornierungen auf. Wenig bedeutend sei dagegen die Reisegepäckversicherung, bei der die potenziellen Schadenssummen in der Regel ohnehin gering sind.
Peter Grieble rät, beim Abschluss von Versicherungen Prioritäten zu setzen und zunächst den notwendigen Schutz zu sichern. „Wichtig ist, sich auf Versicherungen zu konzentrieren, die ein hohes Schadenspotenzial abdecken, wie die Invaliditäts- oder Haftpflichtversicherung“, betont er. Wer nach den wichtigsten Versicherungen noch Spielraum im Budget habe, könne über den Abschluss weiterer Policen nachdenken.
Expertenfazit: Darauf sollten Sie beim Kartenschutz achten
Verbraucher sollten vor dem Abschluss einer Kreditkarte mit Versicherungen sorgfältig prüfen, ob sie diese Leistungen tatsächlich benötigen, rät Grieble. Außerdem sollten sie kontrollieren, ob sie möglicherweise schon anderweitig abgesichert sind.
Soll der Versicherungsschutz über die Kreditkarte erfolgen, rät der Verbraucherschützer zur Unterstützung durch einen qualifizierten, unabhängigen Versicherungsberater. Der Vorteil: Dieser unterliegt keinem bestimmten Versicherer und keinem Anbieter. „Ein neutraler Berater kann die individuellen Bedürfnisse der Verbraucher am besten berücksichtigen“, so Grieble. Alternativ müssen die Kunden selbst aktiv werden und die Konditionen gründlich vergleichen.
Allerdings warnt der Experte: „Wenn der Eindruck entsteht, dass man vollständig abgesichert ist, gilt besondere Vorsicht vor unhaltbaren Versprechen.“ Besonders bei Versicherungen aus Kreditkartenpaketen sollten sich Verbraucher nicht darauf verlassen, dass alle Risiken abgedeckt sind.
Wer wirklich sicher sein will, sollte daher separate Reiseversicherungen auf Basis seiner individuellen Bedürfnisse und Anforderungen abschließen – und nicht auf fixe Versicherungspakete setzen.
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