Wer gesetzlich versichert ist und in Europa Urlaub macht, genießt einen gewissen Schutz im Krankheitsfall oder nach einem Unfall. Innerhalb der Europäischen Union und in Ländern, mit denen Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen hat, zahlt die Kasse nach dortigem Landesrecht. Was die gesetzliche Versicherung also in diesen Ländern zahlen würde, das übernimmt auch die gesetzliche Krankenkasse. Das gilt neben den EU-Staaten auch für den Europäischen Wirtschaftsraum sowie für die Schweiz, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Serbien, Türkei, Bosnien-Herzegowina und Tunesien. Das jeweilige Landesrecht kann unterschiedlich stark von den Leistungen der GKV in Deutschland abweichen. Auf lückenlosen Schutz dürfen sich Urlauber nicht verlassen.
Das erlebte Sandra W.am eigenen Leib: Am Strand fing alles an. Die Augen juckten, und die Sehfähigkeit nahm plötzlich ab. Sandra W. ließ sich in einer spanischen Klinik behandeln. Das Vorzeigen der EU-Krankenkassenkarte rief nur Kopfschütteln hervor, die Ärztin bestand auf Barzahlung. Zu Hause angekommen, berechnete die gesetzliche Krankenkasse hohe Bearbeitungsgebühren und erstattette nicht den vollen Betrag. Erst die Auslandskrankenversicherung beglich nach Vorlage der Originalrechnungen alle angefallenen Kosten.
Wie das Beispiel zeigt, hilft die EU-Krankenkarte selbst in Europa nur eingeschränkt weiter. Für stationäre Behandlung können immense Kosten entstehen, und insbesondere Rücktransporte werden so gut wie nie übernommen – zu den Ausnahmen zählen die Securvita, Deutsche BKK, R+V BKK.
Die Zeitschrift „Reise & Preise“ (in ihrer aktuellen Ausgabe)) hat 32 Auslandskrankenversicherungen unter die Lupe genommen und unter anderem festgestellt: Für ältere Reisende schwanken die Prämien stark (6–70 Euro). Zu den Standardleistungen zählen 24h-Notfallservice und medizinisch notwendiger Rücktransport. Positiv bewertet wurden Zusatzleistungen und volle Kostenübernahmen.
Die Jahresprämien für Einzelreisende liegen unter 25 Euro, die Angebote der Testsieger unter 10 Euro. Alle Versicherer bis auf die Mannheimer (51,13 Euro pro Fall) haben den Selbstbehalt abgeschafft. ERV und AGA bieten günstigere Prämien bei 100 Euro Eigenbeteiligung. Oft gibt es erhöhte Beiträge für Senioren, die Testsieger bleiben aber unter 30 Euro. Lediglich die Debeka wirbt mit günstigen 6 Euro für alle Altersstufen. Besonders teuer: AGA (70 Euro), R+V (50 Euro) und ERV (59 Euro). Eintrittshöchstalter gibt es nur bei der Nürnberger (70 Jahre) und dem Deutschen Ring (69 Jahre). Übrigens: Die Versicherungen nehmen nur Personen mit Wohnsitz in Deutschland auf. Einige haben über Partner Angebote für Österreicher (z.B. Hanse Merkur) oder Schweizer (z.B. Axa Winterthur), für die AGA reicht eine deutsche Bankverbindung.
Unterschiede bei der Vorleistung
Alle Anbieter verlängern im Krankheitsfall des Patienten bis zur Transportfähigkeit (Nachleistung). Unterschiede gibt es bei der Vorleistung: Nicht jeder Anbieter legt direkt aus und rechnet selbst mit anderen Versicherern ab. Basisleistung ist ein medizinisch notwendiger Rücktransport. Die Testsieger holen ihre Kunden bereits zurück, wenn es medizinisch sinnvoll ist. Allianz, Neckermann, Ergo, Universa, Vigo und Alte Oldenburger zahlen auch für eine ebenfalls versicherte Begleitperson. Für die Überführung oder Bestattung vor Ort bieten alle Versicherer 10.000 Euro zur Kostendeckung, einige bieten sogar vollständige Kostenübernahme an.
Vorerkrankungen sind bei allen Anbietern versichert. Ausgeschlossen sind jedoch Behandlungen, die alleiniger Reisegrund sind oder die planmäßig während der Reise stattfinden müssen. Ausnahme: Der Tod naher Angehöriger erfordert die Reise (nicht bei AGA, ERV und Mannheimer). Bei Schwangerschaftskomplikationen übernehmen die Anbieter grundsätzlich die Kosten, Unterschiede liegen in den jeweils abgesicherten Schwangerschaftswochen. Telefonkosten zur Kontaktaufnahme mit dem Notfallservice übernimmt etwa die Hälfte der Versicherer.
Und ganz wichtig: Besonders hohe Gesundheitsrisiken bergen Reisen außerhalb Europas. Daher ist vor allem bei Fernreisen eine Auslandskrankenversicherung unbedingt zu empfehlen.
BM

