Er wird „Weltuntergangsgletscher“ genannt und neue Berechnungen geben Anlass zur Sorge: der Thwaites-Gletscher in der Westantarktis. Der gigantische Gletscher schmilzt dahin und könnte den globalen Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 um bis zu drei Zentimeter anheben. Das ist etwa doppelt so viel wie in bisherigen Vergleichsberechnungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die am 12. Oktober 2026 im Fachjournal „Nature Communications“ veröffentlicht wurde.

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Ein Forschungsteam der University of California, Irvine, und des Jet Propulsion Laboratory der US-Raumfahrtbehörde Nasa entwickelte dafür ein verbessertes Computermodell. Es berücksichtigt einen Prozess, der in vielen bisherigen Modellen bislang kaum abgebildet wird: Warmes Meerwasser dringt unter das Eis vor und beschleunigt das Schmelzen von unten. Die Berechnungen zeigen, dass dieser Mechanismus entscheidend dafür sein könnte, wie schnell sich der Gletscher zurückzieht.
Antarktis: Warum der Thwaites-Gletscher als „Weltuntergangsgletscher“ gilt
Der Thwaites-Gletscher ist einer der größten Unsicherheitsfaktoren bei der Vorhersage des künftigen Meeresspiegelanstiegs. Er liegt in der Westantarktis und verliert seit Jahrzehnten Eis. Sein Rückzug könnte sich weiter beschleunigen und langfristig auch benachbarte Teile des antarktischen Eisschilds destabilisieren.
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Der Beiname „Weltuntergangsgletscher“ bezieht sich auf die möglichen Folgen seines Abschmelzens. Würde der gesamte Gletscher langfristig verschwinden, entspräche das einem globalen Meeresspiegelanstieg von etwa 65 Zentimetern. Das wäre ein langfristiges Szenario – nicht die Prognose der neuen Studie für das Jahr 2100.
Schon ein deutlich kleinerer Anstieg hätte Folgen: Küstenregionen wären stärker von Überschwemmungen betroffen, und Sturmfluten könnten höhere Wasserstände erreichen. Wie groß die Auswirkungen vor Ort wären, hinge unter anderem von der jeweiligen Küstenlage und dem regionalen Meeresspiegelanstieg ab.
Warmes Meerwasser schmilzt das Eis von unten
Die Übergangszone, an der das Eis noch auf dem Meeresboden aufliegt und weiter draußen in schwimmendes Eis übergeht, wird als Aufsetz- oder Erdungszone bezeichnet. Bisherige Modelle behandeln den Übergang häufig wie eine schmale Linie. Tatsächlich kann die Zone mehrere Kilometer breit sein. In diesem Bereich kann Meerwasser tief unter das aufliegende Eis eindringen. Das Wasser schmilzt das Eis von unten und kann dazu beitragen, dass sich der Gletscher vom Meeresboden löst.
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Für ihre Untersuchung verglichen die Forschenden die Modellergebnisse mit Beobachtungen aus knapp drei Jahrzehnten. Sie berücksichtigten dabei unter anderem Veränderungen der Eisbewegung, der Eisdicke und der Position, an der der Gletscher auf dem Meeresboden aufliegt. Erst mit einer breiteren, aktiv schmelzenden Übergangszone ließ sich die bisherige Entwicklung des Gletschers ausreichend gut nachbilden.
Forschende warnen vor weiterem Eisverlust
„Der Hauptstamm des Thwaites wird vorübergehend durch eine Erhebung am Meeresboden – den sogenannten Mouginot-Rücken – stabilisiert“, erklärt Studienautor Mattia Poinelli. Er liegt rund 950 Meter unter dem Meeresspiegel und wirkt wie eine Art Stützpfeiler: Solange das Eis dort Halt findet, wird sein Rückzug gebremst. Löst sich der Gletscher von dieser Erhebung, könnte er sich weiter ins Landesinnere zurückziehen.
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Die Modellrechnungen zeigen, dass dies bereits ab 2038 passieren könnte. Der genaue Zeitpunkt ließe sich jedoch nicht sicher vorhersagen. Poinelli fordert deshalb, die Treibhausgasemissionen so weit wie möglich zu begrenzen. Selbst wenn dies gelinge, werde der Meeresspiegel aufgrund der bereits eingetretenen Veränderungen weiter steigen.
Bis zu drei Zentimeter mehr Meeresspiegel bis 2100
Für ihre Prognose berechneten die Forschenden, welchen Beitrag der Thwaites-Gletscher bis zum Ende des Jahrhunderts zum globalen Meeresspiegelanstieg leisten könnte. Das Ergebnis: In einem Szenario mit einer breiten Schmelzzone könnte der Anstieg bei rund 30 Millimetern liegen, also etwa drei Zentimetern. Die Unsicherheit beträgt laut Studie rund sechs Millimeter.
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Damit liegt die Schätzung ungefähr doppelt so hoch wie der Mittelwert früherer Vergleichsberechnungen. Wichtig ist dabei eine Einschränkung: Die Forschenden hielten den Klimaantrieb in ihren Zukunftssimulationen konstant. Eine zusätzliche Erwärmung des Klimas wurde also nicht berücksichtigt. Die Berechnung isoliert damit vor allem den Einfluss des bislang unterschätzten Schmelzprozesses unter dem Eis.
mkx








