Der Tod einer 29-jährigen Labormitarbeiterin in Sibirien sorgt für Spekulationen. Berichte über eine mögliche Pesterkrankung als Todesursache sind von Behörden dementiert worden. Die Frau, die an einem Institut zur Bekämpfung von Pestkrankheiten arbeitete, sei an einer „Lungenentzündung unbekannter Herkunft“ gestorben. Das teilte die für Seuchenbekämpfung zuständige russische Behörde Rospotrebnadsor mit, wie die Nachrichtenagentur Interfax meldete. Die Frau war am vergangenen Freitag im Kreiskrankenhaus der Stadt Schelechow bei Irkutsk in Sibirien gestorben. 

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Die hygienisch-epidemiologische Lage sei stabil, teilte die Behörde mit. Doch es gelten Vorsichtsmaßnahmen: Nach Angaben des Telegramkanals „Ljudi Bajkala“ wurden in Irkutsk zwei allgemeine Krankenhäuser sowie eine Kinderklinik unter Quarantäne gestellt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts waren örtlichen Berichten zufolge an ihrem Arbeitsplatz in Quarantäne. Doch was steckt hinter der Pest? Wo ist diese gefährliche Krankheit noch verbreitet? Welche Symptome und Behandlungsoptionen gibt es?

Pest: So wird die gefährliche Infektionskrankheit übertragen

Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) erklärt, ist die Pest eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Yersinia pestis verursacht wird. Teilweise kann sich die Pest in verschiedenen, auch sehr schwerwiegenden Krankheitsbildern äußern. In der Natur wird sie zwischen Tieren wie Wildnagern, Ratten oder Flöhen übertragen. Die befallenen Flöhe können wiederum zu Erkrankungen bei Menschen führen. In der Geschichte führte dies bereits zu sehr großen Pest-Ausbrüchen.

Am häufigsten infizieren sich Menschen über den Biss eines mit Pesterregern befallenen Flohs. Daneben kann eine Ansteckung auch durch den Kontakt mit infiziertem Gewebe erkrankter oder verstorbener Tiere erfolgen. Bei der Beulenpest sowie bei der Pestsepsis ist zudem eine Übertragung von Mensch zu Mensch über Körperflüssigkeiten möglich – etwa durch Flüssigkeit aus den geschwollenen Lymphknoten bei der Beulenpest. Die Lungenpest wiederum kann von Mensch zu Mensch übertragen werden, wenn infektiöse Tröpfchen eingeatmet werden.

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Die Pest kommt laut dem Institut noch in Ländern Afrikas, Amerikas und Asiens vor, in Deutschland nicht. Das Risiko der Einreise eines mit dem Pesterreger Infizierten sei gering.

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Pest-Symptome: So äußert sich die Krankheit nach der Ansteckung

Mediziner unterscheiden drei Formen der Pest. Allen gemeinsam ist, dass sie zunächst mit unspezifischen, grippeähnlichen Beschwerden beginnen. Nach einer Inkubationszeit von ein bis sieben Tagen – bei der Lungenpest nur ein bis drei Tage – verschlechtert sich der Zustand der Erkrankten: Es kommt zu Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Übelkeit, Erbrechen sowie einer vergrößerten Leber und Milz.

  • Beulenpest: Diese Form entsteht meist durch einen Flohbiss, über den das Bakterium unter die Haut gelangt und sich von dort über die Lymphbahnen ausbreitet. Die Folge ist eine schmerzhafte Entzündung der Lymphknoten, meist in der Leistengegend, die stark anschwellen. Hinzu kommen Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Fieber, Erbrechen, neurologische Auffälligkeiten und ein starkes Krankheitsgefühl.
  • Pestseptikämie: Hier gelangt der Erreger direkt in die Blutbahn, ohne dass zuvor sichtbare Lymphknotenschwellungen auftreten. Die Symptome ähneln denen der Beulenpest, können aber deutlich schwerer verlaufen: Erschöpfung, Kreislaufversagen, septischer Schock, Organausfälle, Blutungen, Nekrosen der Extremitäten sowie eine lebensgefährliche Gerinnungsstörung des Blutes sind möglich. Diese Gerinnungsstörung kann zudem violette Hautverfärbungen verursachen.
  • Lungenpest: Sie entsteht entweder, wenn sich die Beulenpest über das Blut in die Lunge ausbreitet, oder durch das Einatmen infektiöser Tröpfchen anderer Erkrankter. Zu den Symptomen der Pestseptikämie kommen Atemnot, Husten und Schmerzen im Brustkorb hinzu. Im schlimmsten Fall drohen Atemstillstand und Schock. Die Lungenpest gilt als die gefährlichste Form der Erkrankung.

Pest-Behandlung senkt Sterblichkeit, heilt aber nicht alle Patienten

Mit einer rechtzeitigen und angemessenen Antibiotikabehandlung ist die Pest heilbar. Die Therapie sollte innerhalb der ersten 18 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome begonnen werden. Betroffene sollten stationär in einem Krankenhaus behandelt werden, Patienten mit Lungenpest müssen laut Angaben des RKI zusätzlich isoliert werden.

Dennoch gibt die WHO auch unter Behandlung eine Sterblichkeitsrate von 8 bis 10 Prozent an. Bleibt die Beulenpest unbehandelt, sterben etwa 50 bis 60 Prozent der Erkrankten. Pestseptikämie und Lungenpest verlaufen ohne Behandlung dagegen fast immer tödlich. Einen zugelassenen Impfstoff gibt es derzeit nicht.

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Pest-Diagnose erfolgt durch Nachweis des Bakteriums im Körper

Die Pest wird in der Regel anhand des klinischen Erscheinungsbildes sowie durch den direkten Nachweis des Bakteriums in Blut, Lymphknotenflüssigkeit oder Sekret aus den Atemwegen diagnostiziert.

mit dpa