Ein schlechter Tag, Ärger im Job oder eine enttäuschende Nachricht – manchmal möchte man einfach seine Ruhe haben. Trotzdem kommt schnell der gut gemeinte Rat: „Kopf hoch, das wird schon wieder.“ Oder: „Sieh doch das Positive.“

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Natürlich kann Optimismus helfen, mit schwierigen Situationen umzugehen. Problematisch wird es aber, wenn daraus eine Erwartung wird: Man soll immer gut gelaunt sein, jede Krise positiv sehen und unangenehme Gefühle möglichst schnell loswerden. Für dieses Muster hat sich der Begriff „Toxic Positivity“ – auf Deutsch „toxische Positivität“ – etabliert.

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Auch Wut und Angst haben eine Aufgabe

Unsere Gefühle sind nicht einfach in „gut“ und „schlecht“ einzuteilen. Auch Emotionen, die sich unangenehm anfühlen, können wichtige Hinweise liefern.

Angst kann uns vor einer Gefahr warnen. Ein ungutes Gefühl kann dazu führen, dass wir eine Situation genauer prüfen oder vorsichtiger werden. Wut wiederum kann zeigen, dass wir uns ungerecht behandelt fühlen oder jemand eine persönliche Grenze überschritten hat. Trauer kann helfen, einen Verlust zu verarbeiten. Auch Scham, Schuld oder Ekel erfüllen bestimmte Funktionen.

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Deshalb ist es nicht automatisch besser, eine negative Emotion möglichst schnell wegzuschieben. Wer etwa nach einer ungerechten Behandlung sofort versucht, „wieder positiv zu denken“, überspringt möglicherweise einen wichtigen Schritt: sich zunächst klarzumachen, was eigentlich passiert ist und was einen daran stört.

Wenn schlechte Gefühle plötzlich verboten sind

Genau hier liegt das Problem der toxischen Positivität. Sie vermittelt den Eindruck, negative Gefühle seien unnötig oder sogar ein persönliches Versagen. Wer traurig ist, obwohl eigentlich alles gut sein sollte, fragt sich dann vielleicht: Was stimmt mit mir nicht? Warum bin ich nicht glücklich? Warum schaffen es andere, positiv zu bleiben?

Dieser zusätzliche Druck kann die Situation noch schwieriger machen. Laut Barmer können unterdrückte Gefühle unter anderem Schuldgefühle und Scham verstärken. Außerdem besteht die Gefahr, dass Menschen Probleme herunterspielen, statt sich Unterstützung zu holen.

Instagram zeigt nicht das ganze Leben

Eine Rolle spielen dabei auch soziale Medien. Unter Hashtags wie #goodvibesonly sieht man vor allem glückliche Gesichter, schöne Reisen, Erfolge und besondere Momente. Das Problem daran: Solche Beiträge zeigen immer nur einen Ausschnitt.

Wer ständig mit dieser scheinbar perfekten Welt konfrontiert wird, kann leicht anfangen, das eigene Leben damit zu vergleichen. Die AOK weist darauf hin, dass daraus Selbstzweifel entstehen können: Während alle anderen glücklich wirken, scheint man selbst nicht mithalten zu können. Dabei weiß niemand, wie es einem Menschen hinter dem Foto tatsächlich geht.

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Positiv denken – aber nicht alles schönreden

Das bedeutet nicht, dass Optimismus schlecht ist. Eine positive Grundhaltung kann dabei helfen, Krisen zu bewältigen. Sie sollte aber nicht dazu führen, dass unangenehme Seiten einer Situation einfach ausgeblendet werden.

Auch die AOK unterscheidet deshalb zwischen echtem Optimismus und toxischer Positivität. Positives Denken bedeutet nicht, sich eine rosarote Brille aufzusetzen. Wut, Enttäuschung und Trauer gehören zum Leben dazu. Entscheidend ist, wie wir mit ihnen umgehen. Hilfreicher kann deshalb eine einfache Frage sein: Was fühle ich gerade eigentlich – und warum?

Wer sich diese Frage stellt, nimmt die eigenen Gefühle zunächst ernst. Vielleicht steckt hinter der Wut eine verletzte Grenze. Hinter der Angst eine konkrete Sorge. Hinter der Trauer ein Verlust, der noch verarbeitet werden muss.

Was Freunden wirklich hilft

Auch im Umgang mit anderen kommt es darauf an, nicht jedes Problem sofort wegreden zu wollen. Wer einem traurigen Freund sagt: „Denk positiv“, meint es wahrscheinlich gut. Doch manchmal wäre etwas anderes hilfreicher: zuhören, nachfragen und zeigen, dass die Gefühle des anderen in Ordnung sind.

Die Barmer empfiehlt deshalb, bei Problemen nicht sofort mit positiven Floskeln zu reagieren. Ein Satz wie „Deine Gefühle sind nachvollziehbar – wie kann ich dir helfen?“ kann mehr bewirken als ein schnelles „Das wird schon wieder“.

Schlechte Gefühle müssen nicht bleiben

Gefühle ernst zu nehmen bedeutet allerdings auch nicht, sich dauerhaft in ihnen festzusetzen. Es geht darum, sie wahrzunehmen, ihre Ursache zu verstehen und dann nach einem guten Umgang damit zu suchen.

Dabei können Achtsamkeit und Meditation helfen. Ebenso wichtig kann es sein, sich mit anderen auszutauschen und Unterstützung anzunehmen.