Bei Mathe helfen, Aufsätze verbessern, Unterrichtsstunden planen: Künstliche Intelligenz soll das Lernen leichter machen. Die Tech-Konzerne Google, Microsoft, Amazon und Co. arbeiten längst daran, Programme speziell für Lehrer, Schülerinnen und Studenten zu entwickeln – und zu bewerben. Der Einstieg in die Programme ist häufig kostenlos oder vergünstigt, irgendwann steigt jedoch der Preis. Was passiert, wenn Schulen kaum noch ohne die KI-Hilfen auskommen? Und wo liegen neben Gefahren auch Vorteile?

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Wie stark die Tech-Giganten den Schulbetrieb in Deutschland schon prägen, zeigen Beispiele aus verschiedenen Bundesländern: In Berlin ist ein KI-Helfer von Microsoft bereits für rund 40.000 Lehrkräfte freigeschaltet. Weiterhin beteiligt sich Microsoft seit geraumer Zeit an der Fortbildung von Lehrkräften. In Nordrhein-Westfalen startete das Schulministerium im November 2025 gemeinsam mit dem Konzern die Initiative „KI-Skilling.NRW“. Die kostenlosen Angebote sollen rund 200.000 Lehrkräfte beim Einsatz von KI im Unterricht assistieren. Microsoft unterstützt das Projekt mit einer zweckgebundenen Spende. Amazons Cloud „AWS“ betreibt unterschiedliche Lernprogramme zu digitalen Kompetenzen, Cloud-Technologien und dem Umgang mit künstlicher Intelligenz.

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Und bei den Schülerinnen und Schülern? Laut einer repräsentativen Studie des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag von Vodafone nutzen 69 Prozent der befragten Schüler, ChatGPT und ähnliche Tools häufig für Recherchen zu Referaten oder Hausarbeiten. Für die Tech-Konzerne ein lukratives Zukunftsgeschäft: „Wenn Schüler oder Studenten unsere Dienste nutzen und hilfreich finden, bleiben sie uns möglicherweise treu“, sagte Google-Bildungsmanager Christopher Phillips jüngst dem „Spiegel“.

Gleichzeitig betonte er, dass die Lehrkräfte weiterhin die Führung behalten sollen. Die Technik könne ihnen aufwendige Verwaltungsaufgaben abnehmen. So bleibe mehr Zeit, um einzelne Kinder zu unterstützen.

Die Informatikerin Ute Schmid warnt gegenüber unserer Redaktion jedoch vor einer Abhängigkeit: Wer Unterrichtsmaterialien, Rückmeldungen und Arbeitsabläufe auf ein KI-System ausrichte, könne später nur schwer oder gar nicht wechseln. „Damit begibt man sich in eine starke Abhängigkeit und ist auch bereit, zukünftig anfallende Kosten in Kauf zu nehmen“, sagt sie. Schulen könnten dann auf neue Preise oder Bedingungen kaum reagieren.

Prof Dr. Ute Schmid
Informatikerin Ute Schmid von der Universität Bamberg sieht Chancen für KI im Unterricht. Entscheidend sei, dass die Programme das eigene Lernen unterstützen.© Jürgen Schabel | Jürgen Schabel

Die Professorin leitet den Lehrstuhl für Kognitive Systeme an der Universität Bamberg und ist geschäftsführende Direktorin des Bamberger Zentrums für Künstliche Intelligenz. Ihr Team entwickelt selbst digitale Lernhilfen.

Bei privaten Testabos ist der Wechsel zum Bezahl-Angebot bereits vorgesehen: Googles Studierendenabo verlängert sich laut Anbieter nach dem Gratisjahr automatisch kostenpflichtig, sofern es nicht vorher gekündigt wird. Die Kosten für das KI-Programm starten laut Website bei 4,99 Euro pro Monat.

KI im Unterricht: Was Lehrkräfte für den KI-Einsatz brauchen

Schmid sagt dennoch, KI könne Bildung verbessern. Entscheidend sei, welche Systeme zum Einsatz kommen und was Lernende noch selbst leisten. Sie plädiert dafür, europäische und deutsche Entwicklungen stärker zu berücksichtigen. Zugleich räumt sie ein, dass europäische Angebote aus ihrer Sicht nicht überall mit den leistungsstärksten US-Modellen mithalten können.

Im letzten Jahr nahmen deutschsprachige KI-Systeme auf dem Bildungsmarkt zu. Das zeigt der im September veröffentlichte „Trendmonitor KI in der Bildung“. Im Auftrag der Deutschen Telekom Stiftung haben das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und das mmb-Institut 258 KI-Anwendungen untersucht. Davon stammten 87 Systeme (im Vorjahr 51) aus dem deutschsprachigen Raum. 104 (im Vorjahr 88) stammen von US-amerikanischen Technologieunternehmen. Die Autoren sehen aber nach wie vor große Abhängigkeiten vom US-Markt.

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Stefanie Hennicke fragt sich, wie der Einsatz von KI generell funktionieren soll, wenn an vielen Schulen die technische Ausstattung fehlt. Die Sonderpädagogin unterrichtet an einer Grundschule in Berlin-Reinickendorf. Für mehr als 500 Kinder gibt es dort zwei spendenfinanzierte Tabletkoffer, berichtet sie unserer Redaktion. „Das ist gar nichts.“ Auch Hennicke sieht die Abhängigkeit von US-amerikanischen KI-Unternehmen skeptisch.

Doch auch mit besserer Ausstattung ist es nicht getan, warnt Schmid. Wer KI einsetzt, müsse mit ihr umgehen können. Einen Prompt zu formulieren, reiche dafür nicht. Lehrkräfte und Lernende müssten auch verstehen, wie KI aus Daten Muster ableitet und wo in Ergebnissen Fehler liegen könnten.

Hennicke weiß selbst, wie ihr das Technikverständnis im Umgang mit KI hilft. „Wenn ich weiß, wie das funktioniert, kann ich damit besser umgehen“, sagt sie. Sie prüfe Antworten und frage nach Quellen. Unterrichtsvorschläge übernehme sie nicht einfach so.

Wie KI-Tutoren Kindern beim Lernen helfen könnten

Richtig eingesetzt, kann KI aus Informatikerin Schmids Sicht dennoch beim Lernen helfen. Ein zurückhaltendes Kind könnte beispielsweise einen englischen Dialog zunächst mit einer digitalen Lernhilfe üben und Rückmeldungen zu Aussprache oder Grammatik erhalten, ohne dass die gesamte Klasse zuhört. Ob ein KI-Angebot tatsächlich hilft, müsse aber geprüft werden.

Digitale Schule der Zukunft
Helfen digitale Geräte wirklich beim Lernen?© picture alliance / dpa | Matthias Balk

Dafür reichten generative KI-Chatbot allerdings nicht aus. Sie dominieren laut Trendmonitor 2026 den Markt. „Einfach eine Schnittstelle zu ChatGPT zu nutzen, ist zu wenig für eine gezielte, didaktisch fundierte Förderung“, sagt Schmid. Stattdessen brauche es intelligente Tutorsysteme, an denen neben KI-Fachleuten auch Fachleute für die Vermittlung des jeweiligen Unterrichtsstoffs mitarbeiten. Dazu müsse untersucht werden, ob die Förderung tatsächlich wirkt. „Was in Mathematik funktioniert, lässt sich nicht automatisch auf den Geschichtsunterricht übertragen“, sagt Schmid.

KI-Lernplattformen sollen erkennen, welches Verständnisproblem hinter einem Fehler steckt. Schmid erklärt das an der schriftlichen Subtraktion: Mache ein Kind wiederholt denselben Fehler, könne ein dafür entwickeltes Tutorsystem den Rechenweg Schritt für Schritt prüfen. Anschließend könne es den fehlerhaften Schritt an einer ähnlichen Aufgabe erklären. Die ursprüngliche Aufgabe müsse das Kind selbst lösen und das Gelernte übertragen.

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Doch wann fängt die KI an Lernen abzunehmen statt zu unterstützen? Für Schmid hört es dort auf, wo KI das eigene Lernen ersetzt. Ein fertiger Aufsatz belege dann nicht, dass ein Schüler selbst argumentieren oder einen Text aufbauen könne. Auch um KI-Ergebnisse zu beurteilen, bräuchte es „ein Fundament an Wissen.“ Informationen nur abrufen zu können, genüge nicht.

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Für den Trendmonitor befragte Experten warnen zudem davor, dass der sogenannte Digital Skills Gap, also die ungleiche Verteilung digitaler Kompetenzen, durch KI weiter zunehmen könnte. Es sei daher wichtig, zu verhindern, dass Kinder und Jugendliche im Umgang mit KI wichtige Kompetenzen verlieren oder gar nicht erst erwerben.

Lehrerin zu KI an Schulen: Kinder brauchen persönliche Zuwendung

Hennicke arbeitet als Sonderpädagogin mit Kindern, die viel persönliche Aufmerksamkeit benötigen. Ihnen helfe eine Lehrkraft, die sie kennt, gezielte Aufgaben auswählt und auf Schwierigkeiten eingeht. Beim Rechnen arbeite sie auch gerne mit Gegenständen, die Kinder hinlegen und anfassen können. Mengen sollen auf diese Weise greifbar werden. Ein Tablett oder Computer könne das aus ihrer Sicht nicht einfach übernehmen.

Auch Schmid betont, dass gerade jüngere Kinder mit anderen lernen müssten, Konflikte zu lösen und Kompromisse zu finden. „KI-Systeme können Lernen unterstützen, aber nie den Menschen ersetzen.“