Karin, 39 Jahre, attraktiv, Mutter von zwei Kindern aus erster Ehe, betritt mit Michael, 28 Jahre, unsere Praxis. Schnell wird klar, dass sie der dominierende Part in dieser Beziehung ist. Die beiden sind seit mehreren Jahren ein Paar und leben gemeinsam mit den Kindern in einer Wohnung. Michael beschreibt sich selbst als „hörig“. Er kommt mit den außergewöhnlichen sexuellen Wünschen seiner Partnerin nicht zurecht. Immer wieder verlangt sie Dinge von ihm, die er eigentlich nicht möchte. Auch die Orte, an denen sie Sex will, überfordern ihn. Macht er nicht mit, bestraft sie ihn häufig mit Liebesentzug und Missachtung.

Es gehört zu den unbequemen Wahrheiten unserer Arbeit, dass die meisten Paare nicht wegen einer „großen Krise“ zu uns kommen, sondern wegen wiederkehrender Muster. Muster, die sich leise einschleichen, sich verfestigen – und eines Tages mehr Macht haben als die eigentliche Beziehung. Gerade manipulative Dynamiken sind selten laut. Sie sind leise, wiederkehrend und oft gut getarnt als „Beziehung“. Genau das macht sie für Betroffene so schwer erkennbar und so zerstörerisch. Daher gilt es, genau hinzuschauen.

Aus therapeutischer Sicht lassen sich diese Muster oft klar benennen – und auch wissenschaftlich gut beschreiben. Die Paarforschung, insbesondere die Arbeit von John Gottman, beschreibt wiederkehrende Kommunikationsmuster, die Beziehungen systematisch unter Druck setzen. Vier davon gelten als besonders destruktiv.