Als die Köchin Nelize Pretorius bemerkte, wie ihre Sehkraft immer stärker verschwamm, dachte zunächst niemand an ihr Tattoo. Die Ärzte vermuteten eine Bindehautentzündung, doch der Befund war negativ. „Ich konnte kaum noch sehen“, erinnert sich Pretorius im Interview mit dem australischen Sender ABC. „Ich verlor mein Sehvermögen und niemand konnte mir sagen, warum.“ Die Ursache lag schließlich in einer jahrealten Tätowierung auf ihrem Rücken.

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Eine aktuelle Studie, die in der Fachzeitschrift „Clinical and Experimental Ophthalmology“ veröffentlicht wurde, dokumentiert 40 neue Fälle der sogenannten Tattoo-assoziierten Uveitis allein in Australien. Damit hat sich die Zahl der weltweit seit 2010 publizierten Fälle verdoppelt. Die Erkrankung, bei der das Immunsystem das Auge angreift, kann zu dauerhaftem Sehverlust, Glaukom (Grüner Star) und lebenslanger Abhängigkeit von Immunsuppressiva führen.
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„Man lässt sich ein Tattoo stechen und denkt, das Risiko besteht darin, dass man es später im Leben bereuen könnte“, sagt Pretorius. „Das wahre Risiko ist: Man könnte möglicherweise sein Sehvermögen verlieren.“
Gesundheitsrisiko Tattoo: Schwarze Tinte besonders betroffen
Die Augenärztin Josephine Richards, die Pretorius behandelte, beobachtet seit einiger Zeit einen Anstieg solcher Fälle. „Ich wurde vor etwa vier oder fünf Jahren darauf aufmerksam, und dann, als ich mir dessen bewusst war, hatte ich plötzlich all diese Patienten“, berichtet sie. Auf einer Fachkonferenz stellten Augenärzte fest, dass viele von ihnen ähnliche Fälle behandelten.
Die Studie liefert erste Hinweise auf mögliche Ursachen: In den meisten Fällen waren es Tattoos mit schwarzer Tinte, die die Entzündung auslösten, vereinzelt auch rosa und rote Farben. Besonders tückisch: Die Symptome traten durchschnittlich ein bis zwei Jahre nach dem Stechen auf – in einem Fall sogar erst 35 Jahre später. „Es ist einfach so schwer herauszufinden, welcher Farbstoff verwendet wurde“, erklärt Richards. Einige Patienten hatten sich im Ausland, etwa auf Bali, tätowieren lassen, was die Rückverfolgung zusätzlich erschwert.
Verlust des Augenlichts?
Von den behandelten Patienten konnten nur drei ohne Sehverlust therapiert werden. Die meisten benötigen eine Langzeitbehandlung mit Immunsuppressiva. „Was uns wirklich beunruhigt, ist, dass es uns einfach nicht gelingt, diese Menschen von den Medikamenten zu bekommen“, sagt Richards besorgt. Pretorius verwendet weiterhin Steroid-Augentropfen und hat Tausende Dollar für ihre Behandlung ausgegeben. Vor einigen Jahren warnten Ärzte zudem bereits vor einer bizarren Tattoo-Mode: Anhänger der Körpermodifikationsszene ließen sich von Tätowierern Tinte in den Augapfel spritzen. Auch dabei drohten Komplikationen bis zur Erblindung.
Weitere Gesundheitsrisiken im Fokus
Doch die Augenkomplikationen sind nicht die einzige Gefahr. Aktuelle Forschungen weisen auf weitere Risiken hin. Eine im Jahr 2016 veröffentlichte Untersuchung der Australian Industrial Chemicals Introduction Scheme (AICIS) ergab, dass jede fünfte in Australien verwendete Tattoo-Tinte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthält – eine Gruppe von Chemikalien, die bei hoher Exposition als krebserregend gelten. Eine Studie aus dem vergangenen Jahr zeigte, dass die Inhaltsstoffliste auf Tintenflaschen oft nicht mit dem tatsächlichen Inhalt übereinstimmt. Die Chemikerin Claire Lenehan von der Flinders University fand in einer gelben Tinte Elemente wie Aluminium, Natrium und Silizium, die nicht deklariert waren.
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Erste epidemiologische Studien deuten inzwischen auf ein möglicherweise erhöhtes Krebsrisiko hin. Eine schwedische Studie berichtete von einem um fast 30 Prozent erhöhten Melanom-Risiko, während eine dänische Untersuchung an Tausenden Zwillingen eine leichte Zunahme von Haut- und Lymphkrebs bei großflächigen Tattoos feststellte. Zumindest die EU reagierte bereits und verbot 2022 bestimmte Verbindungen in Farben, wie etwa Schwermetalle und bestimmte Pigmente, die laut der Europäischen Chemikalienagentur gesundheitsschädlich sind.
Gefahr bei der Entfernung: Partikel gelangen in den Körper
Auch die Tattoo-Entfernung birgt Risiken. Beim Lasern werden die großen Tintenmoleküle in kleinere Partikel zerlegt, die sich im Körper verteilen können. „Sobald Sie die Tinte wieder dem Immunsystem aussetzen, können Menschen ziemlich verstärkte allergische Reaktionen haben“, warnte die Hauttherapeutin Claire Coulstock bereits im Januar in einem Interview mit ABC. Lenehans Forschung zeigt zudem, dass bei der Entfernung Benzol entstehen kann – ein bekanntes Karzinogen.
Trotz der Risiken rechnen Forschende nicht damit, dass Tätowieren wieder aus der Mode kommt. „So viele Menschen lassen sich tätowieren, und ich habe das Gefühl, es wäre sehr schwer, die Leute davon abzuhalten“, sagt Richards. Ihr Ziel ist es vielmehr, die gefährlichen Inhaltsstoffe zu identifizieren und zu eliminieren. „Wenn man es sicherer machen könnte, wäre das das beste Ergebnis für alle.“ Richards hofft vor allem auf bessere Aufklärung von Ärzten und Patienten, damit die Krankheit früher erkannt wird. „Ich möchte, dass die Leute es zumindest wissen“, sagt sie.











