Das Chikungunya-Virus könnte sich in Europa früher im Jahr und in mehr Regionen ausbreiten als bisher angenommen. Darauf deutet eine neue Studie im Fachjournal „Interface“ hin. Das Team um Sandeep Tegar vom britischen Centre for Ecology & Hydrology schreibt, eine Übertragung könne schon bei etwa 14 Grad möglich sein – bislang galten eher 16 Grad als Richtwert.
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Damit sich Chikungunya hierzulande überhaupt verbreiten kann, braucht das Virus einen Boten: Stechmücken. Sie nehmen das Virus beim Stich an einem infizierten Menschen auf und können es beim nächsten Stich weitergeben. Ob das gelingt, hängt laut der neuen Studie stark von der Temperatur ab.

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Die Forschenden nennen 32 Grad als obere Grenze; am besten funktioniere die Übertragung demnach bei rund 26 Grad. Entscheidend ist aber die neue Untergrenze: Schon etwa 14 Grad könnten genügen, schreiben die Autorinnen und Autoren – also deutlich früher im Jahr, als viele bisher angenommen haben.
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Aus ihren Berechnungen leiten die Forschenden auch ab, wann und wo in Europa besonders genau hingeschaut werden muss. In weiten Teilen Europas seien vor allem Juli und August die Monate mit den günstigsten Bedingungen, heißt es in der Studie. In südlicheren Regionen sei das Zeitfenster größer: Dort könne eine Verbreitung sogar von Mai bis November möglich sein, schreiben die Autorinnen und Autoren.
Besonders hoch sei das Risiko demnach in Albanien, Griechenland, Italien, Malta, Spanien und Portugal. Deutschland stufen die Forschenden als Gebiet mit mittlerem Risiko ein.
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In Europa ist vor allem die Asiatische Tigermücke der Überträger von Chikungunya. Fachleute nennen sie auch Aedes-Mücke – das ist die Gattung, zu der diese Stechmücken gehören. Seit ihrer Einschleppung nach Südeuropa im Jahr 2007 hat sich die Art Schritt für Schritt nach Norden ausgebreitet. Experten erwarten, dass die Mücke im Zuge der Klimakrise weiter vordringt: Steigende Temperaturen erleichtern ihr das Überleben und die Ausbreitung – und damit auch dem Virus.
Wie weit das Virus bereits gekommen ist, lässt sich auch an den Meldungen der Gesundheitsbehörden ablesen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden Fälle inzwischen in mehr als 110 Ländern registriert. Auch europäische Behörden stellen sich auf mehr solcher Infektionen ein. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) – eine EU-Behörde, die Krankheitsausbrüche beobachtet und bewertet – geht davon aus, dass Erreger wie das Chikungunya-Virus in Europa zur „neuen Realität“ werden. Im vergangenen Jahr seien bis August 27 Ausbrüche gemeldet worden, etwa in Italien, Frankreich und Spanien. In Deutschland schlossen Behörden Fälle im Sommer 2025 nicht mehr grundsätzlich aus; ein nachweislich vor Ort erworbener Fall wurde bislang jedoch nicht bekannt.
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Chikungunya stammt ursprünglich aus Ostafrika. Der Name kommt aus einer tansanischen Lokalsprache und bedeutet sinngemäß „gekrümmt gehend“ eine Beschreibung, die unmittelbar aus dem Krankheitsbild stammt. Typisch sind Fieber und starke Schmerzen in den Gelenken, häufig kommen Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit und Hautausschlag hinzu. Oft klingen die Beschwerden nach einigen Tagen ab. Bei manchen bleiben die Gelenkschmerzen jedoch Wochen, Monate oder sogar Jahre.
Tödlich verläuft die Infektion nur selten, riskant kann sie aber für chronisch Kranke, Schwangere und Säuglinge sein. Wer die Krankheit überstanden hat, gilt nach heutigem Kenntnisstand als lebenslang immun. Eine Impfung gibt es inzwischen auch: In der EU sind Ixchiq und Vimkunya zugelassen; empfohlen wird sie bislang vor allem Reisenden in Regionen mit hohem Infektionsrisiko.
mit dpa













