In den vergangenen Monaten und Jahren haben zahlreiche Studien auf potenzielle Gesundheitsrisiken durch Mikroplastik hingewiesen. Besondere Aufmerksamkeit erlangte dabei eine Untersuchung, die das Vorkommen von Mikroplastik im menschlichen Gehirn thematisierte. In einem aktuellen Beitrag der britischen Zeitung „Guardian“ werden diese Studien jedoch von Forschern kritisch hinterfragt. Demnach hätten einige Untersuchungen mögliche Kontaminationen nicht ausreichend berücksichtigt oder wiesen methodische Ungenauigkeiten sowie Fehlinterpretationen der Ergebnisse auf.

Forscher haben Zweifel: Studien zu Mikroplastik infrage gestellt

Dabei gilt die weitverbreitete Belastung von Umwelt und Natur durch Kunststoffe als unstrittig. Die konkreten Auswirkungen von Mikroplastik auf den menschlichen Körper sowie insbesondere die tatsächlich vorhandenen Mengen lassen sich dem Bericht zufolge jedoch bislang nicht eindeutig und wissenschaftlich belastbar nachweisen. Bereits im Juli 2025 wurde im Deutschen Ärzteblatt Kritik an der bestehenden Mikroplastikforschung geäußert und auf das Fehlen verlässlicher und standardisierter Daten hingewiesen.

Diese kritische Einschätzung wird von weiteren Forschern geteilt, die in mehrere ausgewählte Studien eingehend bewerten. Sie machen darauf aufmerksam, dass bestimmte menschliche Gewebe Messsignale erzeugen können, die jenen herkömmlicher Kunststoffe ähneln und somit leicht fehlinterpretiert werden könnten.

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Aus Sicht der Wissenschaftler besteht daher die Gefahr, dass auf Grundlage unzureichend abgesicherter Befunde politische Maßnahmen und regulatorische Vorgaben entwickelt werden, die auf fehlerhaften Annahmen beruhen. Zugleich warnen sie davor, dass methodische Schwächen und widersprüchliche Ergebnisse von Lobbygruppen instrumentalisiert werden könnten, um potenzielle Risiken von Mikroplastik pauschal als unbedenklich darzustellen.

Mikroplastik im Gehirn: Übertriebene Gefahr oder falscher Alarm?

Die Aussage eines „zunehmenden Anteils von Mikroplastik im Gehirn“, die eine Studie im Februar 2025 formulierte, hatte erhebliche mediale Aufmerksamkeit ausgelöst. Bereits im November desselben Jahres wurde im Rahmen einer wissenschaftlichen Veröffentlichung jedoch auf methodische Schwächen dieser Untersuchung hingewiesen. Kritisiert wurden unter anderem unzureichende Kontaminationskontrollen sowie fehlende Validierungsschritte, die die Belastbarkeit der quantitativen Angaben infrage stellen.

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In diesem Zusammenhang äußerte sich Dr. Dušan Materić vom Helmholtz Zentrum für Umweltforschung in Deutschland gegenüber dem „Guardian“ besonders kritisch und bezeichnete die Ergebnisse der Studie sogar als „Witz“. Er betonte, dass Fettgewebe die Messergebnisse erheblich beeinflussen könnte. Da das menschliche Gehirn zu etwa 60 Prozent aus Fett bestehe, sei eine Fehlinterpretation der Messsignale möglich. Zudem führte Materić an, dass der Anstieg von Fettleibigkeit eine alternative Erklärung für die beobachteten Werte darstellen könnte, ohne dass Mikroplastik hierfür verantwortlich sein müsse.

Prof. Matthew Campen, einer der Autoren der Gehirnstudie, wies die Kritik zurück. Gegenüber dem „Guardian“ erklärte er, die Mikroplastikforschung befinde sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Die vorgebrachten Einwände bezeichnete er als spekulativ und nicht durch ausreichende Daten untermauert.

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Studien in der Kritik: Analysemethode nicht geeignet

Neben der kontrovers diskutierten Gehirnstudie geraten auch weitere wissenschaftliche Arbeiten zunehmend in den Fokus der Kritik. Zweifel betreffen unter anderem Untersuchungen zu Mikroplastik in Arterien und Hoden sowie zu Kunststoffen in Blutproben und Nanoplastik in Mineralwasser. Zentrale Kritik richtet sich dabei gegen eine weitverbreitete analytische Methode zur Bestimmung von Mikro- und Nanoplastikmengen, die als Py‑GC‑MS bezeichnet wird. Bei diesem Verfahren werden Proben stark erhitzt, bis sie thermisch zersetzt werden, und die dabei entstehenden Gase anschließend chemisch analysiert.

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Die Umweltchemikerin Cassandra Rauert von der University of Queensland weist gegenüber dem „Guardian“ darauf hin, dass diese Methode aufgrund zahlreicher potenzieller Störsignale nur eingeschränkt als verlässliches Messverfahren geeignet sei. Insbesondere bestehe die Gefahr, Signale gängiger Kunststoffe wie Polyethylen oder Polyvinylchlorid mit Bestandteilen von Fettgewebe zu verwechseln. Mit den derzeit verfügbaren analytischen Ansätzen lasse sich daher die tatsächliche Menge an Mikro- und Nanoplastik im menschlichen Körper nicht zuverlässig bestimmen.

Vor diesem Hintergrund betonen zahlreiche Forscher in dem Beitrag, dass sich die Mikroplastikforschung noch in einem frühen Entwicklungsstadium befindet. Viele der bislang veröffentlichten Konzentrationsangaben seien daher mit Vorsicht zu interpretieren und könnten die tatsächlichen Belastungen erheblich überschätzen.