An Weihnachten schaute sie immer zuerst nach dem Geschenk des Vaters an die Mutter. Nicht nach ihren eigenen. „Wenn es ein kleines, süßes Päckchen war, dann war ich erleichtert und dachte mir: ‚Wenn ihr der Schmuck jetzt auch noch gefällt, dann ist Weihnachten gerettet‘“, erinnert sich Simone. Die 58-Jährige aus dem Münsterland heißt eigentlich anders, möchte aber lieber anonym bleiben – aus Selbstschutz.
Schon als Kind spürte Simone, dass der Familienfrieden nur von den Gefühlen ihrer Mutter abhängt. Wenn sie heute über ihre Mutter spricht, beschreibt sie eine Frau mit zwei Gesichtern. „Meine Mutter stellt sich nach außen als liebevolle, sich für die Familie aufopfernde Frau dar. Innerhalb der Familie ist sie regelmäßig eine aggressive, wütende, schreiende Person, der niemand etwas rechtmachen kann.“ Die Angst vor den plötzlichen Ausbrüchen prägen Simones Kindheit. Eine Narzissmus-Expertin erklärt die Muster – und wie sich Betroffene wie Simone lösen können.
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