- Ein erfolgreicher Arzt berichtet unserem Paartherapeuten von häuslicher Gewalt
- Doch schon im ersten Gespräch bröckelt das Opferbild
- Das Verhalten des Klienten führt zur Eskalation – der Therapeut klärt auf
Im Rahmen unserer Männersprechstunde kam ein etwa 50-jähriger Mann in die therapeutische Praxis. Seine übertriebene, fast theatralische Begrüßung mit tiefer Verbeugung fiel mir sofort auf: „Ich grüße Sie, Herr Straden“, sagte er. Der Mann berichtete, dass er erfolgreicher Arzt mit eigener Praxis sei, drei Kinder von zwei Frauen habe und sich zu wenig gesehen fühle. Zurzeit lebe er getrennt, sagte er, sein jüngstes Kind sei zwei Jahre alt. Keine seiner Partnerinnen habe wahrgenommen, was er alles für Kinder und Familie leiste.
Er arbeite sich für die Familie „kaputt“, erklärte der Mann. Als ich nach seiner Arbeitsbelastung fragte, war ich überrascht: Er hatte montags und freitags frei. Mittwochnachmittag kümmerte er sich um seine Mutter und die Buchhaltung. Auf meine Frage, weshalb er sich an mich gewandt habe, erzählte er, dass es in mehreren Beziehungen zu Gewalt seiner Partnerinnen gegen ihn gekommen sei. Doch bald zeigte sich die Dynamik, die hinter seinen eskalierenden Partnerschaften steckte. Und unserer Klient war bei Weitem nicht nur ein Opfer.
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