Wer an diesen Tagen in die Google-Trends blickt, stößt auf ein Thema, das viele Menschen beschäftigt: „Kriegswarnung BBK“ gehört zu den meistgesuchten Begriffen in Deutschland. In sozialen Netzwerken kursieren Beiträge, die behaupten, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) habe vor einem bevorstehenden Krieg gewarnt. Doch ein Blick in die Quelle zeigt: Von einer konkreten Warnung ist keine Rede.

BBK-Krisenratgeber 2025: Ein Satz sorgt für Wirbel in den sozialen Medien

Am 13. Oktober stellte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) seinen grundlegend überarbeiteten Krisenratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ vor – passend zum Internationalen Tag der Katastrophenvorsorge. Die Broschüre ist nicht neu; sie gehört seit Jahren zum Standardrepertoire der Behörde. Neu ist allerdings der Ton – und die inhaltliche Erweiterung um aktuelle Krisenszenarien.

Besonders eine Passage in der Einleitung des 38-seitigen Heftes hat für Aufsehen gesorgt. Dort heißt es: „Selbst ein Krieg scheint nicht mehr so ausgeschlossen zu sein wie noch vor einigen Jahren.“ Dieser Satz verbreitete sich innerhalb weniger Stunden auf Plattformen wie X (ehemals Twitter), Telegram und TikTok. Zahlreiche Nutzer interpretierten ihn als unmittelbare Warnung vor einem Krieg in Deutschland.

Der neue BBK-Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ soll Bürgerinnen und Bürger ermutigen, sich auf Notfälle vorzubereiten.
Der neue BBK-Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ soll Bürgerinnen und Bürger ermutigen, sich auf Notfälle vorzubereiten.© news aktuell GmbH

BBK-Krisenratgeber: Kein Alarmruf, sondern realistische Einordnung

Tatsächlich steht der Satz nicht isoliert da, sondern ist, wie das BBK auf Anfrage zahlreicher Medien erklärte, in einen größeren Abschnitt über wachsende Krisen- und Risikolagen in Deutschland eingebettet. In dem Ratgeber seien zahlreiche Gefährdungsszenarien genannt, darunter Naturereignisse, technische Angriffe und Desinformation. Der mögliche Krieg werde darin als eines von mehreren Risiken eingestuft.

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Im vollständigen Wortlaut heißt es im neuen Ratgeber: „Deutschland ist eines der sichersten Länder der Welt. Dennoch erleben wir, dass auch in Deutschland Krisen unsere gewohnten alltäglichen Abläufe stören. Extreme Wetterereignisse nehmen zu. Durch Cyberattacken, Desinformation oder Sabotage finden Angriffe auf Infrastrukturen, Meinungsbildung und Zusammenhalt statt. Selbst ein Krieg scheint nicht mehr so ausgeschlossen zu sein wie noch vor einigen Jahren. Wenn etwas passiert, ist es besser, vorbereitet zu sein.“

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BBK-Präsident Ralph Tiesler sagte auch bei der Vorstellung des Ratgebers: „Wir erleben eine Weltlage, die viele beunruhigt. Mit unserem neuen Ratgeber möchten wir Unterstützung und Orientierung bieten, wo Menschen besorgt sind oder Informationsbedarf haben.“ Das Ziel, so Tiesler, sei es, die Bevölkerung zu befähigen, im Krisenfall eigenverantwortlich zu handeln.

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Neue Inhalte im Krisenratgeber 2025: Von Desinformation bis Explosionen

Der überarbeitete BBK-Ratgeber 2025 trägt den veränderten Risiken unserer Zeit Rechnung. Neben den klassischen Empfehlungen zur Notfallvorsorge – etwa zu Vorräten, Stromausfällen, Hochwasser oder Extremwetter –  greift die neue Ausgabe Themen auf, die in einer zunehmend vernetzten und geopolitisch angespannten Welt an Bedeutung gewinnen.

Neu aufgenommen wurden unter anderem:

  • Hinweise, wie sich Desinformation erkennen lässt;
  • Informationen zum Schutz bei Explosionen oder Luftangriffen;
  • Empfehlungen zum Umgang mit psychischen Belastungen in Krisensituationen,
  • sowie Kommunikationswege bei Ausfall von Strom oder Mobilfunknetzen.

Besonders konkret wird die Behörde beim Thema Schutz vor Explosionen. Im Ratgeber heißt es: „Bei Explosionen geht insbesondere von Druckwellen, umherfliegenden Trümmern und Glassplittern eine große Gefahr aus. Das gilt auch bei Luftangriffen.“ Empfohlen werden innenliegende, fensterlose Räume – etwa Keller, Flure oder Badezimmer. „Je abgeschirmter der Raum im Gebäudeinneren liegt, desto besser“, betont das BBK. Dachgeschosse hingegen böten „wenig Schutz vor Druckwellen“.

Auch öffentliche Gebäude wie Schulen, Museen, Tiefgaragen oder U-Bahn-Stationen könnten im Ernstfall Schutz bieten. Orientierung gibt dabei die sogenannte „Zwei-Wände-Regel“: Zwischen der Explosion und der eigenen Position sollten mindestens zwei Wände liegen – je mehr bauliche Abschirmung, desto größer die Überlebenschance.

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Krisenvorsorge: Wie das BBK die Bevölkerung widerstandsfähiger machen will

Der neue Krisenratgeber des BBK ist kein Einzelprojekt, sondern Teil einer langfristigen Strategie, die das Bundesamt nach eigenen Angaben bereits seit 2022 verfolgt. Ziel sei es, die Bevölkerung auf das vorzubereiten, was die Behörde als „multiplen Krisenstress“ bezeichnet – also auf Situationen, in denen verschiedene Krisen gleichzeitig auftreten: etwa Naturkatastrophen, technische Störungen, Cyberangriffe oder geopolitische Spannungen.

Nach Angaben des Amts wurde die neue Ausgabe „in enger Zusammenarbeit mit Fachbehörden und Krisenpsychologen“ erarbeitet. Der Ratgeber solle, so das BBK, nicht nur informieren, sondern vor allem die Resilienz der Gesellschaft stärken – also die Fähigkeit, in Ausnahmesituationen handlungsfähig zu bleiben.

Der Ratgeber ist kostenlos erhältlich – als gedrucktes Heft, digital auf der BBK-Webseite und in der Warn-App NINA. Aktuell wird der Ratgeber zudem in mehrere Sprachen übersetzt, darunter Englisch, Arabisch und Ukrainisch, sowie in Leichte Sprache und Gebärdensprache. Damit soll er, wie das Amt mitteilt, „möglichst viele Menschen in Deutschland erreichen – unabhängig von Sprache, Herkunft oder Einschränkungen“.