Kommt ein Mann zum Therapeuten, um sich auf Narzissmus untersuchen zu lassen – klingt zunächst wie der Anfang eines Witzes. Und in gewisser Weise ist es das auch. Denn Menschen mit narzisstischen Persönlichkeitszügen suchen nur selten freiwillig psychologische Hilfe. „Die meisten Menschen mit narzisstischen Zügen oder einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung erleben ihr Verhalten als völlig normal und selbstverständlich“, sagt die Berliner Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin Lisa Zimmermann. Einsicht in eine tiefergehende Störung sei selten. „Eine Therapie würde ja bedeuten, Schwäche einzugestehen – und das ist für Narzissten schwer auszuhalten.“
Wer dennoch den Weg in die Therapie findet, kommt meist mit einem anderen Anliegen: wegen Depressionen, Erschöpfung, Beziehungskrisen oder beruflichem Stress. Der eigentliche Wunsch lautet: Die Symptome sollen verschwinden, nicht das Selbstbild. Bleibt also die Frage: Ist Narzissmus überhaupt heilbar oder begleitet die Kränkungsempfindlichkeit, die Selbstüberhöhung, das ständige Kreisen um die eigene Person Betroffene ein Leben lang? Zimmermann ordnet ein – und erklärt, warum Heilung beim Narzissmus anders aussieht, als viele glauben.






