Immer mehr Menschen weltweit erkranken an Alzheimer – rund zwei Drittel aller Betroffenen sind Frauen. Bislang wurde die längere Lebenserwartung von Frauen häufig als Erklärung herangezogen. Doch wie eine neue Studie zeigt, ist die Ursache offenbar komplexer als bisher angenommen. Britische Forscherinnen und Forscher haben die Gründe für die höhere Anfälligkeit von Frauen genauer untersucht und präsentieren nun spannende neue Erkenntnisse.

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Alzheimer: Studie untersucht geschlechtsspezifische Unterschiede

Bis jetzt haben nur wenige Studien die geschlechtsspezifische Aspekte der Alzheimer-Krankheit unter die Lupe genommen. In einer neuen Studie, veröffentlicht am 20. August in der Fachzeitschrift „Alzheimer´s & Dementia“, analysierten britische Wissenschaftler des King‘s College London und der Queen Mary University London Blutproben von 841 Menschen. Unter den Probanden waren Alzheimer-Patienten, Menschen mit milder kognitiver Beeinträchtigung sowie kognitiv gesunde Erwachsene.

Ein älterer Mann puzzelt.
Weltweit sind mehr Frauen als Männer von Alzheimer betroffen. Eine neue Studie untersucht nun die möglichen Ursachen.© Getty Images/iStockphoto | LightFieldStudios

Im Mittelpunkt der Untersuchung standen 268 verschiedene Fettmoleküle. Dabei stellten die Forscher fest, dass Frauen deutlich geringere Mengen an ungesättigten Fettsäuren aufwiesen, zu denen auch die wichtigen Omega-3-Fettsäuren zählen. Stattdessen war der Anteil gesättigter Lipide bei den weiblichen Probanden erhöht. Auffällig war, dass solche Veränderungen bei Männern mit Alzheimer nicht beobachtet wurden.

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Ungesättigte Fettsäuren und ihre Rolle bei der Gehirngesundheit

Frauen mit Alzheimer zeigen laut Studienautoren niedrigere Werte von mehrfach ungesättigten Fetten im Blut – unabhängig von Cholesterin- oder LDL-Werten. Die Studie ergab zudem: Je mehr ungesättigte Fettsäuren im Blut vorhanden waren, desto besser schnitten Patienten bei kognitiven Tests ab. Diese Fette könnten also nicht nur für die Nervenzellen wichtig sein, sondern auch als möglicher Marker für die frühzeitige Alzheimer-Erkennung dienen.

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Auffällig war außerdem, dass bestimmte Triglyzeride bei Frauen mit Alzheimer deutlich vermindert waren – insbesondere solche, die reich an ungesättigten Fettsäuren sind und eine wichtige Rolle für die Funktion von Nervenzellen spielen. Gleichzeitig fanden die Forscher im Blut dieser Frauen erhöhte Werte von Entzündungs- und Nervenschädigungsmarkern. Das legt nahe, dass ein Mangel an diesen gesunden Fettsäuren möglicherweise mit schädlichen Veränderungen im Gehirn in Verbindung steht.

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Als wichtigste Erkenntnis der Studie betrachtet das Forschungsteam die Tatsache, dass die Veränderungen ausschließlich bei Frauen zu beobachten waren. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ungesättigte Fettsäuren mit Omega-3-Anteilen bei Frauen eine entscheidende Rolle in der Entwicklung der Krankheit spielen könnten. Besonders bedeutsam ist, dass der Mangel an diesen Fettsäuren bereits bei milder kognitiver Beeinträchtigung nachweisbar war – ein möglicher Schlüssel für die Früherkennung der Krankheit.

Dr. Legido-Quigley sagte in einer offiziellen Mitteilung: „Unsere Studie legt nahe, dass Frauen darauf achten sollten, Omega-Fettsäuren über ihre Ernährung aufzunehmen – durch fetthaltigen Fisch oder Nahrungsergänzungsmittel. Wir benötigen jedoch klinische Studien, um festzustellen, ob eine Veränderung der Lipidzusammensetzung den biologischen Verlauf der Alzheimer-Krankheit beeinflussen kann.“