Mit einem neuen digitalen Alters-Check will die EU-Kommission verhindern, dass Kinder und Jugendliche in der EU auf Pornografie und andere nicht altersgerechte Internetinhalte zugreifen können. Hierzu stellte sie eine entsprechende Software vor, die das Alter des Smartphone-Nutzers speichern und bei Jugendlichen Inhalte blockieren soll, die nur für Ältere zugelassen sind.

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Auf Basis der Software kann dann jedes Land eine eigene Verifizierungsapp entwickeln. Das Prinzip: Wer die App runterlädt, muss sich über seinen Ausweis, eine Bankennummer oder seinen Reisepass ausweisen. Die App speichert dann das Geburtsdatum und sperrt Inhalte, wenn der Nutzer zu jung ist. Das genaue Geburtsdatum oder weitere Daten sollen allerdings nicht weitergegeben werden.

Wer die App nutze, solle „die volle Kontrolle über alle anderen persönlichen Informationen behalten, wie das genaue Alter oder die Identität“, teilte die Kommission mit. Außerdem sei für Dritte nicht nachvollziehbar, „welche Inhalte einzelne Nutzer aufrufen“. Langfristig ist geplant, die Technik in den digitalen EU-Ausweis (eID) zu integrieren – eine Art offizieller Online-Identitätsnachweis, der ab Ende 2026 verfügbar sein und auch in Deutschland eingeführt werden soll.

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Altersbeschränkungen von Plattformen werden häufig nicht kontrolliert

In der Theorie gelten für die Online-Netzwerke bereits Altersbeschränkungen. Tiktok, Instagram, Snapchat und X (ehemals Twitter) etwa sind laut Nutzungsbedingungen in der EU ab 13 Jahren erlaubt, Youtube und Tumblr ab 16 Jahren. Porno-Webseiten sind ab 18 Jahren erlaubt. Nutzer müssen bei ihrer Anmeldung aber lediglich ein entsprechendes Geburtsdatum angeben, eine tatsächliche Kontrolle gibt es nicht.

Das will nun die dänische EU-Ratspräsidentschaft ändern: Um das Problem greifbarer zu machen, verglich die dänische Digitalministerin Caroline Stage Olsen die Online-Welt mit der Situation vor einem Nachtclub: Es sei schwer vorstellbar, dass Kinder in einen Club kämen, indem sie einfach behaupteten, dass sie alt genug seien, sagte die Politikerin in Brüssel. „Kein Türsteher, keine Ausweiskontrolle, nur ein einfaches „Ja, ich bin über 18 Jahre alt“. Genau das sei online seit Jahren der Fall.

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EU-Kommissionen spricht Empfehlungen aus, um Jugendliche zu schützen

Die Verifikationsapp geht nun in fünf Ländern – Frankreich, Spanien, Italien, Griechenland und Dänemark – in eine Testphase. Im Anschluss bleibt jeder Regierung selbst überlassen, für welche Webseiten sie die Nutzung der App vorschreibt. Das können Porno-Seiten sein, die für Minderjährige gesperrt werden könnten. Darüber hinaus könnte eine solche App strenger regeln, ab welchem Alter Kinder und Jugendliche ein Profil in Online-Netzwerken wie Tiktok, Instagram oder Youtube erstellen können.

Um Kinder besser zu schützen, sprach die EU-Kommission zudem eine Reihe von Empfehlungen für die Plattformen aus. Vorgeschlagen wird unter anderem, dass Kinderprofile standardmäßig auf privat gestellt sind und nur von bestätigten Kontakten gesehen werden. Funktionen, die süchtiges Verhalten fördern – etwa Streaks bei Online-Spielen, die durch Belohnungssysteme täglichen App-Gebrauch erzwingen sollen – sollen für Minderjährige deaktiviert werden.

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EU ermittelt gegen Plattformen wegen Verstößen gegen Jugendschutz

Die neuen Maßnahmen sind Teil der Umsetzung des Digital Services Act (DSA), der großen Internetplattformen strengere Auflagen zum Schutz ihrer Nutzer macht. Mehrere EU-Staaten drängen zudem darauf, eine einheitliche Altersgrenze beim Zugang zu sozialen Medien festzulegen. Als internationales Vorbild gilt Australien: Dort sollen soziale Netzwerke künftig erst ab 16 Jahren zugänglich sein.

Wegen mutmaßlicher Mängel beim Schutz von Kindern und Jugendlichen ermittelt die EU-Kommission bereits gegen mehrere Plattformen, darunter Tiktok, die Facebook-Mutter Meta und die Porno-Anbieter Youporn, Stripchat, XVideos und XNXX. Bestätigen sich die Vorwürfe aus Brüssel, drohen den Unternehmen hohe Bußgelder.

jst/dpa, AFP