Ein Land, das nach den Sternen greift, schaut nun tief unter die Meeresoberfläche: Wie die staatliche chinesische „Volkszeitung“ meldet, hat China kürzlich sein bislang größtes Forschungsschiff fertiggestellt. Es trägt den Namen „Mengxiang“, was auf Deutsch so viel wie „Traum“ bedeutet. Mit einer Länge von 180 Metern und einer Breite von 33 Metern ist das Schiff nicht nur ein schwimmendes Hightech-Labor, sondern auch ein Symbol für Chinas wachsenden Anspruch, wissenschaftliches Neuland in den Tiefen der Erde zu betreten.

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An Bord befinden sich neun spezialisierte Forschungslabore, in denen künftig Geologen, Mikrobiologen und Ozeanografen arbeiten werden. Bis zu 180 Menschen können auf dem Schiff leben. Das eigentliche Ziel ist jedoch nicht die Meeresoberfläche, sondern das, was darunter liegt – tief darunter.
Bohrung durch die Moho: Chinas geologischer Vorstoß
Die „Mengxiang“ soll eines der letzten großen geologischen Rätsel erforschen: die Mohorovičić-Diskontinuität, auch Moho genannt. Dabei handelt es sich um die Grenzschicht zwischen Erdkruste und Erdmantel. In dieser Tiefe verändert sich nicht nur die Temperatur, sondern auch die Beschaffenheit des Gesteins, denn dort beginnt der zähflüssige Mantel, der die tektonischen Bewegungen der Erde antreibt. Seit dem gescheiterten „Projekt Mohole” der USA in den 1960er-Jahren versuchen Wissenschaftler vergeblich, diese Grenze direkt zu erreichen. China will das nun ändern.
In einer Veröffentlichung im Fachjournal „Nature Geoscience“ skizzieren Zhen Sun und Kollegen vom Key Laboratory of Marine Mineral Resources sowie der Guangzhou Marine Geological Survey erstmals konkrete Pläne: Das neue Forschungsschiff „Mengxiang“ soll sich mithilfe eines speziell entwickelten Bohrsystems bis zu elf Kilometer tief durch den Meeresboden arbeiten – tiefer als jedes Schiff zuvor. Zum Vergleich: Das japanische Schiff „Chikyu“ kam 2019 nur auf rund 3.250 Meter. Die „Joides Resolution“ der USA erreichte zuletzt eine Tiefe von rund 2.000 Metern.
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Tiefseebohrung: Technische Hürden im Bohrloch
Dabei ist der Weg zum Erdmantel lang und technisch äußerst komplex. Als wahrscheinlichstes Bohrgebiet gilt der Pazifische Ozean, denn dort ist die Erdkruste unter mittelozeanischen Rücken besonders dünn: Laut den Forschern trennen nur etwa zehn Kilometer die Wasseroberfläche von der Moho. Die eigentlichen Bohrarbeiten sollen Anfang 2026 beginnen, doch der Eintritt in den Mantel ist ein Projekt für mehrere Jahre.
Allein das Bohren in mehreren Kilometern Tiefe bei Wassertemperaturen um null Grad und Gesteinstemperaturen von mehreren hundert Grad stellt die Ingenieure vor gewaltige Herausforderungen. Zudem muss das Bohrloch unter extremen Bedingungen stabilisiert werden – durch ein kompliziertes System aus Bohrschlamm und Zirkulation. Doch dieses ist laut dem Bericht noch in Entwicklung und soll spätestens bis 2030 einsatzbereit sein.
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Geowissenschaftliche Bedeutung: Was Gesteinsproben verraten können
Mit dem Vorstoß zur Moho erhoffen sich Wissenschaftler nicht nur, geologische Hypothesen – etwa über den Aufbau des Erdmantels oder die Entstehung kontinentaler Kruste – zu bestätigen. Zudem könnten frische Gesteinsproben neue Einblicke in die geochemische Geschichte unseres Planeten liefern. Bisher basiert das Wissen über den Übergangsbereich zwischen Kruste und Mantel nämlich ausschließlich auf indirekten Messungen: seismografische Rückschlüsse und vulkanische Auswürfe. Die Mengxiang soll nun liefern, was bisher fehlte: handfeste Ergebnisse.
Der niederländische Paläozeanograf Peter Bijl formulierte es in der Zeitschrift „Science” wie folgt: „Dieses Schiff hat die Fähigkeit, fundamentale Klima-, ozeanografische, mikrobiologische und geowissenschaftliche Fragen zu beantworten – für die nächsten 50 Jahre.“
Für China dürften jedoch neben wissenschaftlicher Neugier auch geopolitische und wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen. Die Erkundung potenzieller Rohstoffvorkommen – darunter unterseeische Gas- und Ölfelder – ist Teil des staatlichen Programms. Forschung und Rohstoffsicherung gehen Hand in Hand.








