Wer einmal einen Bienenstich abbekommen hat, weiß, wie schnell es mit den kleinen Insekten zu einem handfesten Angriff kommen kann. Doch nicht alle Bienen handeln gleich. Während manche zögern, stechen andere schon zu, wie eine neue Studie der Universität Konstanz zeigt. Dabei spielt die Persönlichkeit der einzelnen Biene eine große Rolle, wenn es darum geht, ob sie zusticht.

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Bienen sind soziale Tiere, die in einem perfekt organisierten System zusammenleben. Die einzelnen Tiere übernehmen dabei verschiedene Rollen – etwa Nahrung sammeln, Wasser herbeischaffen oder die Verteidigung des Bienenstocks. Diese Aufgabe fällt Wächterbienen zu, welche die Forscherinnen aus Konstanz unter die Lupe genommen haben.

Die Wächterinnen setzen bei einem Stich ein Alarmpheromon frei, das andere Wächterinnen über eine Gefahr informiert. Die fliegen herbei, stechen ebenfalls und setzen dabei ebenfalls den Botenstoff frei, was weitere Bienen alarmiert. Ab einer gewissen Konzentration dieses Pheromons lässt das Stechverhalten wieder nach – eine Art natürliches Stoppsignal verhindert, dass der Bienenstock unnötig viele Verluste erleidet. Die Tiere verlieren beim Stechen meist ihren Stachel und verenden in der Folge.

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Bienenvölker kommunizieren mit Botenstoffen untereinander.© FUNKE Foto Services | Kerstin Bögeholz

Einige Bienen sind von Natur aus aggressiver

Unklar war bislang, wie der Bienenschwarm entscheidet, welche Biene zusticht, und welche nicht. Dabei kommt laut den Forschungsergebnissen aus Konstanz offenbar die Persönlichkeit der individuellen Biene ins Spiel. „Wir haben in unseren Versuchen mehrere Situationen simuliert, um schrittweise verschiedene Einflussfaktoren zu erforschen“, erklärt die Neurobiologin Morgane Nouvian, die an der Studie mitgearbeitet hat.

Mittels Attrappen – die ein Steckenbleiben des Stachels verhindern – provozierten die Forschenden ihre Test-Bienen mehrfach, zuzustechen. So konnten sie ausschließen, dass eine Biene nur zufällig zugestochen hatte.

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„In einer Gruppe haben wir beispielsweise getestet, ob eine Biene bei ihrem Stechverhalten blieb, wenn Artgenossen anwesend waren, in einer anderen Gruppe die Auswirkung des Alarmpheromons“, erklärt Nouvian weiter. Diese Faktoren hatten das Verhalten zwar beeinflusst, aber offenbar nicht so, dass sich ein Stich hätte vorhersagen lassen.

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Jede Biene bleibt sich selbst treu

Jede Biene hat vielmehr eine individuelle Persönlichkeit, die die Entscheidung zum Stich beeinflusst. Dem SWR sagte Nouvian dazu, manche Bienen seien aggressiver, manche freundlicher. „Sie haben also individuelle Charaktere, die offensichtlich ihr Abwehrverhalten beeinflussen. Die Persönlichkeit der einzelnen Bienen spielt für ihr Stechverhalten eine große Rolle.“

In ihren Experimenten wollten die Forscher herausfinden, ob Bienen ihr Verhalten ändern, wenn sie in Gruppen mit anderen Bienen eines anderen Temperaments agieren. Doch die Ergebnisse waren überraschend: Eine aggressive Biene ließ sich nicht von netten Bienen beeinflussen, und umgekehrt.

Das bedeutet, dass die Bienen ihre individuellen Neigungen nicht durch den Schwarm anpassen. Die Mischung aus aggressiveren und friedlicheren Bienen bestimmt das kollektive Verhalten – aber jede Biene bleibt sich selbst treu.