An Schizophrenie Erkrankte leiden oft jahrelang an Symptomen wie Halluzinationen oder Wahnvorstellungen, die sie zunehmend von Freunden und Familie isolieren. Betroffenen und ihrem sozialen Umfeld verschafft nach der Diagnose eine psychiatrische Beratung Klarheit darüber, warum jemand in die extremen Geisteszustände wechselt.

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Die ersten Anzeichen einer Schizophrenie treten zwischen Pubertät und dem 30. Lebensjahr auf. Was genau eine schizophrene Störung im Gehirn auslöst, gilt in der Forschung als nicht gesichert. Eine neue Studie aus Australien und Schweden könnte da nun einen wichtigen Einblick in die Erkrankung liefern.

MRI of the patient's head close-up. One picture from the series
Schon ein einfacher Bluttest könne die Menge von Proteinen bestimmen, die auf den Alterungsprozess des Gehirns hindeuten. © Getty Images | sudok1

Demnach könnte ein beschleunigtes Altern des Gehirns ein möglicher Treiber in der Entstehung der Störung sein. Ein Merkmal, das laut den Forschern mit einem einfachen Bluttest früh erkennbar sei – und so vielleicht viel Leid ersparen könnte.

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Schizophrenie: Beschleunigter Abbau von Nervenzellen könnte Störung auslösen

Schizophrenie ist eine psychische Erkrankung, bei der Betroffene oft Probleme mit dem Denken, Fühlen und Wahrnehmen der Realität haben. Die vorherrschenden Theorien nehmen an, dass eine schizophrene Störung sich ähnlich wie Legasthenie, Autismus oder Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) entwickelt, wobei sich die Schizophrenie erst nach der Kindheit manifestiert.

Die Forscher werteten für die Studie Proteine im Blut aus, das sie den neuronalen Nervenzellen von an Schizophrenie Erkrankten entnahmen. Dabei fokussierten sie sich auf das Protein „Neurofilament light Chain“ (NfL), das aus einer langen, fadenartigen Struktur besteht und die Größe und Form der Nervenzellen erhält.

„NfL wird ins Blut und in die Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit freigesetzt, wenn Gehirnneuronen geschädigt oder abgebaut werden“, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität Melbourne. Die Freisetzung bei Schädigungen dieser Zellen würden das Protein zu einem nützlichen Biomarker für die Diagnose und Überwachung neurodegenerativer Erkrankungen und neurologischer Schäden machen.

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Schizophrene Gehirne altern schneller

Die Messung des NfL-Spiegels könne auch Aufschluss über das Ausmaß neuronaler Schäden geben, erklären die Forscher in dem Statement. Ein hoher NfL-Spiegel hänge auch mit anderen neurologischen Krankheiten wie Alzheimer, Multiple Sklerose, Frontotemporale Demenz und Parkinson zusammen. Dazu kommt: Weil Proteine und Nervenzellen sich stetig abnutzen, steigt mit zunehmendem Alter die Protein-Menge sowieso.

Im normalen, gesunden Alterungsprozess des Gehirns kommt es zu allmählichen Veränderungen wie dem Abbau von grauer und weißer Substanz sowie einer verringerten Vernetztheit, die jedoch nicht zu ernsthaften Beeinträchtigungen führen. Graue Substanz verarbeitet Informationen und steuert Funktionen wie Gedächtnis, Entscheidungen und Bewegungen, während weiße Substanz die Kommunikation zwischen Hirnregionen ermöglicht.

Im Gegensatz zu diesen normalen Veränderungen zeigen Erkrankungen wie Schizophrenie einen schnelleren und stärkeren Abbau, was auf ein vorzeitig gealtertes Gehirn hinweist, schreiben die Forscher. Dementsprechend dokumentiert die in der Fachzeitschrift „Psychiatric Research“ veröffentlichte Studie, dass Menschen mit Schizophrenie in deutlich jüngerem Alter höhere Werte an NfL als gesunde Menschen aufweisen. MRT-Scans der Gehirne hätten den beschleunigten Alterungsprozess ebenfalls bestätigen können. Dagegen hätten Proben von an einer bipolaren Störung leidenden Menschen keine erhöhten NfL-Werte aufgewiesen.

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Schon ohne die beschleunigte Gehirnentwicklung ist zu schnelles Altern ein Problem für Betroffene. Durch die Erkrankung sind sie vermehrt sozial isoliert, bewegen sie sich wenig, rauchen häufig und haben ein höheres Risiko von Drogen abhängig zu werden. Durchschnittlich leben sie 20 bis 30 Jahre kürzer als gesunde Menschen. Auch erkranken Menschen mit einer schizophrenen Störung häufig viel jünger an Herzstörungen oder Krebs.

Wissenschaftler versuchen schon lange herauszufinden, wie Schizophrenie im Gehirn entsteht. Eine der bekanntesten Theorien besagt, dass bestimmte Botenstoffe im Gehirn, die für die Kommunikation zwischen Nervenzellen wichtig sind, aus dem Gleichgewicht geraten. Besonders der Stoff Dopamin scheint dabei eine große Rolle zu spielen. Wenn zu viel Dopamin an bestimmten Stellen im Gehirn vorhanden ist, kann das zu Wahnvorstellungen oder Halluzinationen führen.

Eine andere Theorie geht davon aus, dass bei Menschen mit Schizophrenie bestimmte Bereiche im Gehirn anders aufgebaut oder weniger aktiv sind. Zum Beispiel könnte das Areal, das für das Verarbeiten von Gedanken und Gefühlen zuständig ist, nicht richtig funktionieren. Auch Verbindungen zwischen verschiedenen Hirnregionen scheinen bei Schizophrenie gestört zu sein, was das geordnete Denken erschwert.