Alzheimer gilt als Krankheit des Alters – doch eine neue Publikation zeigt: Die Weichen dafür könnten bereits in jungen Jahren gestellt werden. Forscherinnen und Forscher der Columbia University haben festgestellt, dass Risikofaktoren für Demenz schon bei Menschen ab 24 Jahren messbare Auswirkungen auf die geistige Leistungsfähigkeit haben. Die neue Studie, veröffentlicht in „The Lancet Regional Health – Americas“, verändert unser Verständnis vom Krankheitsverlauf grundlegend.

Studie: Höhere Risikowerte beeinträchtigen kognitive Leistung

Das Wissenschaftlerteam unter der Leitung von Allison Aiell untersuchte Tausende Menschen, die seit ihrer Jugend im Rahmen einer großen Langzeitstudie begleitet wurden. Dabei analysierten sie Gesundheitsdaten und kognitive Fähigkeiten der Probanden im Alter von 24 bis 34 Jahren sowie erneut im Alter von 34 bis 44 Jahren. Im Mittelpunkt stand dabei der sogenannte CAIDE-Score – ein Risikowert, der Alter, Bildung, Blutdruck, Cholesterin, Körpergewicht und körperliche Aktivität berücksichtigt.

Das Ergebnis: Junge Erwachsene mit höheren Risikowerten schnitten bei Gedächtnistests schlechter ab. Schon ein kleiner Anstieg des Scores war mit Schwierigkeiten beim Merken und Verarbeiten von Informationen verbunden – Fähigkeiten, die im Alltag oft unbemerkt nachlassen, aber ein frühes Warnzeichen sein könnten.

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Forscher: Entzündungsmarker und Gehirnproteine geben weitere Hinweise

Die Forscher gingen noch tiefer und analysierten das Blut der Probanden. Dabei fanden sie, dass bestimmte Entzündungsmarker und das Alzheimer-typische Protein Tau mit einer schwächeren kognitiven Leistung zusammenhängen – und zwar bereits bei Menschen zwischen 34 und 45 Jahren. Interessanterweise waren diese Zusammenhänge bei älteren Teilnehmern der Studie stärker, was auf einen schleichenden Prozess über viele Jahre hindeutet.

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Der bekannte Alzheimer-Risikofaktor APOE ε4, eine genetische Variante, hatte bei jungen Erwachsenen hingegen keine nennenswerte Bedeutung. Das unterstreicht: Genetik ist nicht alles – vor allem Lebensstil und gesundheitliche Gewohnheiten im frühen Erwachsenenalter könnten eine deutlich größere Rolle spielen als bisher angenommen.

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Fazit: Prävention beginnt früher als gedacht

Die Forscher möchten mit ihrer Studie keine Angst verbreiten – im Gegenteil: Sie sehen in den Ergebnissen eine Chance zur frühzeitigen Prävention. Wer schon in jungen Jahren auf seine Herz-Kreislauf-Gesundheit achtet, sich regelmäßig bewegt, gesund ernährt und geistig aktiv bleibt, könnte damit auch seinem Gehirn einen langfristigen Schutz bieten.

Die bisherigen Behandlungsansätze konzentrieren sich meist auf ältere Menschen mit bereits sichtbaren Symptomen. Doch diese Studie legt nahe: Der Weg zur Alzheimer-Erkrankung beginnt möglicherweise 50 Jahre früher – und genau dort könnten die effektivsten Gegenmaßnahmen greifen.

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Aktuellen Prognosen zufolge könnte sich die Zahl der Alzheimer-Erkrankungen bis 2050 weltweit fast verdreifachen. Die neuen Erkenntnisse machen deutlich: Wir müssen das Thema Demenz neu denken – nicht erst im Rentenalter, sondern bereits im Studium, beim Berufsstart, in den 20ern.