Hängen Demenz und Alzheimer mit „Brainrot“ zusammen? „Brainrot“ – zu Deutsch Gehirnfäule – bezeichnet in der Internetkultur die eigene „Verblödung“ durch den übermäßigen Konsum von anspruchslosen Inhalten in den Sozialen Medien. Nutzer beschreiben mit dem humorvollen Begriff, wie immer schnellere TikTok-Videos oder planloses Scrollen ihre mentale Gesundheit angreifen.

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Ob der Konsum digitaler Medien und die gefühlte „Verdummung“ wirklich mit einem bei Demenz-typischen Abbau der kognitiven Fähigkeiten zusammenhängen, hat jetzt eine Studie untersucht – mit überraschendem Ergebnis.

Trotz der weit verbreiteten Annahme führe demnach die Nutzung digitaler Medien zu keinem erhöhten Risiko, an Demenz zu erkranken. Im Gegenteil: Die Neurowissenschaftler der Baylor University und der University of Texas stellten fest, dass Menschen, die digitale Medien nutzen, sogar besser kognitiv altern könnten.

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Demenz und Medien: Ältere Menschen profitieren kognitiv von digitalen Technologien

Die in der Fachzeitschrift „Nature Human Behavior“ veröffentlichte Metaanalyse verglich mehr als 136 Studien, die Nutzung digitaler Technologien, kognitive Fähigkeiten und Demenz erfassten. Die Forscher fokussierten sich dabei auf über 50 Jahre alte Menschen, deren Generation als erste mit digitalen Technologien wie Computern in Kontakt kam.

Laut einer Mitteilung der Universität widerlegt das Ergebnis der Studie die sogenannte „Digitale Demenz“-Hypothese, wonach ein Leben mit digitalen Technologien kognitive Fähigkeiten verschlechtert.

Eher scheine der Umgang mit ihnen Verhaltensweisen zu fördern, die kognitive Leistung erhalten. So senke die Nutzung digitaler Technologien das Risiko geistiger Beeinträchtigungen um 58 Prozent. Selbst als die Forscher sozioökonomischen Status, Bildung, Alter, Geschlecht, kognitive Grundfähigkeiten, soziale Unterstützung, allgemeine Gesundheit und die Teilnahme an geistigen Aktivitäten wie Lesen als Faktoren ausschlossen, kamen sie zum gleichen Ergebnis.

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Brainrot und Braindrain: Schadet das Internet wirklich unseren Gehirnen?

„Fast täglich kann man in den Nachrichten lesen, wie Technologien uns schaden. Menschen nutzen häufig Begriffe wie ‚Braindrain‘ und ‚Brainrot‘, und jetzt ist auch die Formulierung ‚digitale Demenz‘ im Kommen. Als Forscher wollten wir wissen, ob das stimmt“, erklärt der Co-Autor Michael K. Scullin den Ausgangspunkt der Studie.

Bei den Ergebnissen müsse allerdings berücksichtig werden, dass ältere Menschen digitale Technologien oft anders nutzen. So kamen die meisten der untersuchten Altersgruppe erst im Erwachsenenalter mit dem Computer, dem Internet oder dem Handy in Berührung. Sie mussten die Technologien unter hohen Anstrengungen „erlernen“ und gleichzeitig mit dem Wandel Schritt halten. Software-Updates, einen Netzwerkfehler beheben oder die Funktionen eines neuen Handys lernen, halten das Gehirn beschäftigt.

„Eines der ersten Dinge, die Erwachsene mittleren und höheren Alters sagten, war: ‚Ich bin so frustriert von diesem Computer. Das ist schwer zu lernen.‘ Das spiegelt eigentlich die kognitive Herausforderung wider, die für das Gehirn von Vorteil sein kann, auch wenn es sich im Moment nicht so gut anfühlt“, zitiert das Statement Scullin.

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Smartphone kann bei Demenz Alltag erleichtern

„Wenn Sie das jahrelang tun und sich wirklich darauf einlassen, auch wenn Sie dabei Frustration verspüren, kann das ein Zeichen dafür sein, dass Sie Ihr Gehirn trainieren“, so Scullin weiter. Auch würden die Technologien bisher nie gekannte Möglichkeiten eröffnen, etwa sich mit Freunden und Familie zu vernetzen. Viele Studien bescheinigen Menschen mit guten sozialen Beziehungen ein deutlich niedrigeres Demenz-Risiko.

Auch weisen die Studienautoren in der Untersuchung auf einen anderen Vorteil digitaler Technologien hin: Wer bereits an Demenz leide, könne sein Leben dank digitaler Helferlein weit besser bestreiten. Karten-Apps, digitale Erinnerungen oder Online-Banking könnten Menschen mit Demenz, beziehungsweise Alzheimer erheblich den Alltag erleichtern.

Formen von Demenzerkrankungen

Alzheimer-KrankheitDie Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form von Demenz und betrifft vor allem ältere Menschen. Sie tritt allmählich auf und beeinträchtigt Gedächtnis, Denken und Verhalten.
Vaskuläre DemenzDie vaskuläre Demenz entsteht durch eine Schädigung der Blutgefäße im Gehirn, beispielsweise durch Schlaganfälle oder Durchblutungsstörungen. Die Symptome können je nach betroffenem Bereich des Gehirns variieren.
Lewy-Körper-DemenzBei der Lewy-Körper-Demenz sammeln sich sogenannte Lewy-Körper im Gehirn an, die zu Störungen in der Informationsverarbeitung führen. Die Symptome ähneln oft denen der Parkinson-Krankheit.
Frontotemporale DemenzDie frontotemporale Demenz betrifft vor allem die Bereiche des Gehirns, die für Verhalten, Persönlichkeit und Sprache zuständig sind. Die Symptome können je nach betroffenem Bereich sehr unterschiedlich sein.
Gemischte DemenzBei der gemischten Demenz treten mehrere Formen von Demenz gleichzeitig auf, beispielsweise Alzheimer-Krankheit und vaskuläre Demenz.

Scullin empfiehlt deshalb, Großeltern oder Eltern, die keine digitalen Medien nutzen, zum Lernen neuer Technologien zu ermutigen. „Könnten sie lernen, Foto-, Messaging- oder Kalender-Apps auf einem Smartphone oder Tablet zu verwenden? Fangen Sie einfach an und seien Sie sehr geduldig, während sie lernen“, sagte er. „Wir könnten lange darüber reden, wie schädlich der Einsatz von Technologie sein kann. Seit den 1990er Jahren hat sich die allgemeine kognitive Leistungsfähigkeit älterer Menschen jedoch positiv entwickelt.“