Labradore gehören zu den beliebtesten Hunderassen der Welt - freundlich, kinderlieb und immer darauf bedacht, ihren Menschen zu gefallen. Doch ihr charmantes Wesen geht oft mit einem Problem einher, das vielen Hundebesitzern bekannt sein dürfte: Sie sind oft unersättlich.

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Forschende der Universität Cambridge haben nun herausgefunden, dass die Ursache für diese Fresslust in den Genen liegt. Und nicht nur das: Die genetischen Mechanismen hinter dem Hunger sind denen des Menschen erstaunlich ähnlich.
Labradoren fehlt das Sättigungsgen
Um dem Geheimnis des scheinbar grenzenlosen Appetits auf die Spur zu kommen, analysierte das Forscherteam um Dr. Eleanor Raffan die DNA von 250 Labrador Retrievern. Sie untersuchten nicht nur genetische Proben aus dem Speichel, sondern erfassten auch das Körpergewicht, den Körperfettanteil und das Fressverhalten der Tiere. Dabei fiel den Wissenschaftlern auf, dass einige Hunde besonders auf Futter fixiert waren, sich gieriger auf Mahlzeiten stürzten und häufiger bettelten als andere.
Durch den Abgleich der genetischen Daten mit dem Körpergewicht der Hunde konnte das Team eine bestimmte Genvariante identifizieren: Eine Mutation im Gen DENND1B beeinflusst das Gehirn und hemmt das Sättigungsgefühl. Der betroffene biologische Mechanismus – der sogenannte Leptin-Melanocortin-Signalweg – reguliert normalerweise den Appetit. Bei Hunden mit der Genveränderung scheint diese Regulation jedoch gestört zu sein – das Hungergefühl bleibt. Die Folge: Betroffene Labradore haben im Durchschnitt einen bis zu acht Prozent höheren Körperfettanteil als ihre Artgenossen.
Dr. Raffan betont jedoch: „Nicht jeder Labrador mit dieser Mutation wird automatisch übergewichtig. Aber diese Hunde haben eine genetische Prädisposition, schneller an Gewicht zuzulegen.“
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Was haben Labradore und Menschen gemeinsam?
Das wohl spannendste Ergebnis der Studie: Derselbe genetische Mechanismus existiert auch beim Menschen. Um diesen Zusammenhang zu überprüfen, analysierte das Forschungsteam umfangreiche genetische Daten von Menschen aus großen Bevölkerungsstudien. Insbesondere untersuchten sie Personen mit einem genetischen Risiko für Adipositas – und stießen auf die gleiche Genvariante.
Menschen mit einer Mutation im DENND1B-Gen neigen ebenfalls zu gesteigertem Appetit und haben ein höheres Risiko, übergewichtig oder fettleibig zu werden. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass das Leptin-Melanocortin-System beim Menschen eine entscheidende Rolle bei der Kontrolle des Körpergewichts spielt. Die neuen Forschungsergebnisse bestätigen nun, dass diese genetische Kontrolle nicht nur beim Menschen, sondern auch bei anderen Säugetieren – in diesem Fall bei Hunden – aktiv ist.
Co-Autorin Natalie Wallis erklärt: „Wir haben festgestellt, dass Hunde mit einem hohen genetischen Risiko für Fettleibigkeit ein deutlich höheres Interesse an Nahrung haben. Dieses Muster sehen wir auch bei Menschen, die aufgrund genetischer Faktoren anfälliger für Übergewicht sind.“
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Gewichtszunahme durch Gene? Disziplin kann den Unterschied machen
Die Ergebnisse der Studie bestätigen, dass einige Labradore eine natürliche Veranlagung zur Gewichtszunahme haben – genau wie manche Menschen. Heißt das aber, dass die Betroffenen ihrem Schicksal hilflos ausgeliefert sind? Keineswegs.
„Besitzer schlanker Hunde sind nicht moralisch überlegen – und dasselbe gilt für schlanke Menschen“, stellt Dr. Eleanor Raffan klar. Denn die Studie zeigte auch, dass Labradorbesitzer mit einem disziplinierten Fütterungsmanagement und ausreichend Bewegung das Gewicht ihrer genetisch vorbelasteten Hunde in den Griff bekommen – wenn auch mit mehr Aufwand als bei Hunden ohne die Genvariante.
Ein ähnliches Muster sieht Raffan bei Menschen mit einer genetischen Neigung zu Übergewicht. In einer Umgebung, in der Essen im Überfluss vorhanden ist, sind sie besonders gefährdet. „Wer ein hohes genetisches Risiko trägt, isst in Zeiten des Überangebots eher zu viel und nimmt zu – es sei denn, er oder sie ergreift gezielt Maßnahmen, um dem entgegenzuwirken“, so die Expertin. Mit anderen Worten: Die Gene bestimmen die Tendenz, aber nicht das endgültige Gewicht.
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Neue Hoffnung gegen Übergewicht – aber keine Wunderpille in Sicht
Die Ergebnisse der Studie, die im Wissenschaftsmagazin „Science“ veröffentlicht wurden, könnten langfristig neue Ansätze zur Behandlung von Übergewicht liefern. Von einer einfachen medikamentösen Lösung raten die Forschenden jedoch ab.
„Das Gen selbst als Angriffspunkt für eine Therapie zu nutzen, wäre problematisch“, betont Raffan. „Denn DENND1B beeinflusst nicht nur den Appetit, sondern auch viele andere biologische Prozesse, die wir nicht ungewollt verändern wollen.“ Eine gezielte Manipulation könnte unerwünschte Nebenwirkungen haben, da der Signalweg auch an der Energieverwertung und anderen Stoffwechselprozessen beteiligt ist.
Stattdessen sehen die Forscherinnen und Forscher Potenzial darin, mit neuen Medikamenten gezielt in die zentralen Signalwege im Gehirn einzugreifen, die den Appetit regulieren. Solche Ansätze könnten langfristig zur Entwicklung neuer Therapien gegen Fettleibigkeit führen – beim Hund wie beim Menschen.
Bis dahin bleibt Vielfraßen – ob auf vier oder zwei Beinen – nur eine bewährte Strategie: Maßhalten, Bewegung und eine Portion Selbstdisziplin.











