Ein Paar liegt im Bett und hat Sex: Plötzlich schlägt er eine Stellung vor, die sie nicht mag. Doch statt seinen Wunsch abzulehnen und ihrer eigenen Vorliebe zu folgen, gibt sie nach – aus Angst vor einem Konflikt und seiner möglichen Enttäuschung. So oder in anderen Konstellationen kommt diese Szene beim Sex regelmäßig vor.

In vielen Beziehungen stimmen Menschen sexuellen Situationen und Praktiken zu, die sie eigentlich nicht gut finden. Dennoch äußern sie ihre Ablehnung nicht. Warum? Den Paar- und Sexualtherapeutinnen Beatrice Wagner und Olga Kaczmarek zufolge steckt dahinter mehr als nur die Sorge vor Streit.

Warum tun wir beim Sex Dinge, die wir nicht wollen?

Grundsätzlich hadert unsere Gesellschaft mit dem Setzen von Grenzen. Vielen Menschen falle es schwer, „Nein“ zu sagen – nicht nur im Bett, sagt die Diplom-Psychologin und Paarberaterin Olga Kaczmarek. „Wir möchten angenommen werden und uns zugehörig fühlen“, erklärt die Hamburgerin. „Wenn wir ‚Nein‘ sagen, birgt dies das Risiko, dass wir zum Beispiel abgelehnt werden.“ Das Gegenüber könne beleidigt, verletzt oder verärgert reagieren.