Es gibt unzählige Mythen über Zahngesundheit, die sich hartnäckig halten. Ist Backpulver gut für hellere Zähne? Und Karies ansteckend? Zahnärztin Barbara Plaster, Vizepräsidentin der Zahnärztekammer Berlin, räumt mit einigen Irrtümern und Ratschlägen auf, die ihr teilweise im Praxisalltag begegnen und erklärt, was wirklich dahintersteckt.

Mythos 1: Je heller die Zähne strahlen, desto gesünder sind sie

Weit verbreitet ist, dass helle Zähne immer besonders gesund sein müssen. „Das steht aber in keinem Zusammenhang“, erklärt Plaster. „Es gibt Zähne, die äußerlich strahlend weiß erscheinen – doch ein genauerer Blick zeigt dann doch zahlreiche Kariesstellen.“ Karies bilde sich in der Regel nicht auf den Glattflächen, sondern häufig in den Zahnzwischenräumen und ist auf den ersten Blick nicht immer sichtbar.

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Was die Veranlagung betrifft, sagt die Expertin: „Es ist weniger ein genetisches Thema. Zwar wird jeder Mensch mit einer natürlichen Zahnfarbe geboren, doch diese Unterschiede sind meist nicht so ausgeprägt. Deutliche Farbabweichungen entstehen vor allem durch Pflegegewohnheiten, Ernährungsweisen oder Rauchen.“ In solchen Fällen könne Bleaching helfen. Zudem wirken sich Wurzelbehandlungen auf die Zahnfarbe und Zähneknirschen auf die Zahngesundheit aus. Mehr dazu: Zahnbleaching: Behandlung birgt Risiken – Das raten Experten

Mythos 2: Schlechte Zähne können vererbt werden

„Oft hören wir in der Praxis: ‚Meine Eltern hatten schon schlechte Zähne, das muss bei mir auch so kommen.‘ Doch das ist ein Irrtum“, erklärt die Zahnärztin. Es kommt vor allem auf die richtige Zahnpflege an. Wer regelmäßig putzt und zur Prophylaxe geht, habe keinen Grund zur Sorge. „Was vererbt werden kann, ist die Zusammensetzung des Speichels, die Einfluss auf die Kariesanfälligkeit hat.“

Zahnärztin Barbara Plaster ist Vizepräsidentin der Zahnärztekammer Berlin.
Zahnärztin Barbara Plaster ist Vizepräsidentin der Zahnärztekammer Berlin.© ZÄK Berlin/Gesine Born

Mythos 3: Karies ist ansteckend

Der Mythos, dass Karies durch Küssen übertragen wird, ist weit verbreitet. Aber völlig unbegründet, sagt Plaster. „Die entsprechenden Bakterien sind ohnehin bei jedem Menschen im Mund. Sie können jedoch nur Schaden anrichten, wenn Zahnbeläge nicht entfernt werden und Zeit haben, den Zahn zu schädigen.“ Selbst wenn der Partner Karies hat – bei gründlichem Zähneputzen gibt es kein erhöhtes Risiko für einen selbst.

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Mythos 4: Milchzähne müssen nicht geputzt werden

„Milchzähne sollten auf jeden Fall geputzt werden.“ Sie können laut der Expertin besonders schnell Karies entwickeln. Da die Zähne recht klein sind, könne ein Loch dann rasch den Nerv erreichen. „Zudem spielen Milchzähne eine wichtige Rolle für die Entwicklung der bleibenden Zähne: Verlust durch mangelnde Pflege kann nicht nur ästhetische Probleme verursachen, sondern auch zu Fehlstellungen führen, da die Seitenzähne den bleibenden Zähnen den Platz weisen.“

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Mythos 5: Implantate sind künstlich – deswegen müssen sie nicht gereinigt werden

„Ich erkläre immer wieder, wie wichtig Pflege von Implantaten ist“, erklärt Plaster. „Viele Menschen denken, künstliche Zähne brauchen keine Reinigung, aber im Gegenteil: Implantate müssen sogar besser gepflegt werden als natürliche Zähne.“ Werde dies vernachlässigt, kann es zu einer Periimplantitis kommen – einer Entzündung, die den Kieferknochen schädigen kann, was das Implantat instabil macht. „Daher gilt auch hier: Putzen und Zahnseide sind unerlässlich.“

Happy man brushing teeth
Wer gesunde Zähne haben will, sollte laut Expertin Barbara Plaster vor allem eins tun: regelmäßig den Belag von den Zähnen entfernen.© iStock | Ridofranz

Mythos 6: Man sollte sich direkt nach dem Essen die Zähne putzen

Die Expertin erklärt: „Es kommt darauf an, was man zu sich genommen hat.“ Besonders nach säurehaltigen Nahrungsmitteln wie frischem Orangensaft solle man etwa eine halbe Stunde warten, bevor man die Zähne putzt. Der Grund: „Säuren greifen den Zahnschmelz an und machen ihn weicher.“ Putze man dann die Zähne, könne es zu Schäden an der Oberfläche kommen. Der Speichel helfe vorher, die Säuren zu neutralisieren. „Ansonsten spricht nichts dagegen, nach dem Essen die Zähne zu putzen – es ist jedoch kein Muss.“

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Mythos 7: Schwarzer Tee schadet den Zähnen

Schwarzer Tee schade den Zähnen nicht. „Im Gegenteil“, sagt Plaster. „Schwarzer Tee könne sogar vorteilhaft sein, da er Fluoride enthält, welche die Zähne widerstandsfähiger gegenüber Säureangriffen machen.“ Zudem hemme schwarzer Tee Enzyme im Speichel, wodurch die Umwandlung von Lebensmitteln in Zucker erschwert wird, was die Zahnoberfläche schütze. Allerdings verfärben schwarzer und grüner Tee oft die Zähne. „Diese Verfärbungen sind aber kosmetischer Natur und lassen sich durch regelmäßiges Zähneputzen oder Bleaching leicht entfernen.“

Mythos 8: Backpulver hellt die Zähne auf

„Das ist eine gefährliche Methode.“ Laut der Expertin könne Backpulver zwar zunächst eine aufhellende Wirkung haben, doch langfristig schädige es die Zähne. „Es schleift die Oberfläche ab und macht sie rau, was wiederum die Ablagerung von Bakterien begünstigt. So entstehen Verfärbungen, und man greift wieder zum Backpulver. Der Teufelskreis beginnt von vorne.“

Mythos 9: Micropearls in Zahnpasta sind sinnvoll

„Das lässt sich nicht pauschal sagen. Es kommt auf das jeweilige Produkt an“, erklärt Plaster. Sie rät jedoch von Zahnpasten mit Weißmacher-Effekt ab, da diese häufig grobe Schmirgelstoffe enthalten, die den Zahnschmelz angreifen und beschädigen können. „Wenn Aufhellung gewünscht ist, sollte man lieber auf chemische Ansätze wie Bleaching setzen – das schädigt den Zahnschmelz nicht.“

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Mythos 10: Das Zahnfleisch muss mit der Zahnbürste massiert werden

Ein weit verbreiteter Irrglaube, dem die Zahnärztin oft begegnet, ist: „Man muss das Zahnfleisch mit der Bürste massieren, um die Durchblutung zu fördern.“ Besonders ältere Menschen glauben daran. Doch sie warnt. Das Zahnfleisch sollte nicht geschrubbt werden. Stattdessen empfiehlt sie, den Saum zwischen Zahnfleisch und Zähnen mit einer mittelharten Bürste zu reinigen – ohne zu viel Druck und auf keinen Fall mit harten Borsten. „Zu kräftiges Putzen hilft nicht und kann Zahnhälse freilegen.“