Jasmin Müller aß oft den ganzen Tag über, manchmal sogar nachts. Nicht drei bis fünf Mahlzeiten, wie es Ernährungsexpertinnen und -experten empfehlen, sondern zehn bis 20. Am liebsten Joghurt, Würstchen oder Nutella direkt aus dem Glas. In ihren Hochphasen verzehrte sie pro Tag 3000 bis 5000 Kilokalorien. Trotz allem blieb Müller schlank, nahm sogar ab.
Die junge Frau war keine Leistungssportlerin, die stundenlanges Training mit üppigen Mahlzeiten ausglich. Sie erbrach sich auch nicht, nachdem sie 30 Spiegeleier gegessen hatte. Müller ist Typ-1-Diabetikerin. Und hatte herausgefunden, dass sie essen konnte, so viel sie wollte, solange sie das Insulin wegließ. Dass sie eine Essstörung entwickelt hatte, die ihr Leben bedrohte, wusste sie lange Zeit nicht.
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Das Krankheitsbild wird auch als Diabulimie bezeichnet. Der Begriff ist eine Wortkombination aus Diabetes Typ 1 und Bulimie. Betroffene haben Angst, durch regelmäßige Insulingaben zuzunehmen. Im Gegensatz zur Bulimie, auch Ess-Brechsucht genannt, übergeben sich Betroffene nicht. Stattdessen scheiden sie überschüssige Kalorien über ihre Nieren aus. Deshalb beschreiben einige Expertinnen und Experten die Essstörung auch als „Erbrechen über die Niere“.


