Man nehme zu gleichen Teilen ein Gourmet-Menü eines Jahrhundertkochs sowie ein Show-Programm mit Varieté-Künstlern von Weltrang, garniere es mit festlich gedeckten Tischen, mische dies mit hervorragendem Service, würze alles mit launiger Stimmung, schmecke es ab mit heimeliger Ah-und-Oh-Atmosphäre in einem Kerzenmeer und serviere all dies in einem gemütlich-nostalgischen Spiegelzelt, das wirkt wie aus einer anderen Zeit - voilà, fertig ist das Erfolgsrezept des Eckart Witzigmann Palazzo. Ein Unterhaltungsmenü, das im vergangenen Winter bereits in München und in Frankfurt am Main über 60 000 Besucher begeisterte und nun auch in Berlin auf den Tisch kommt. Berliner Augen, Ohren und Gaumen werden vom 23. Oktober bis zum 15. Februar am Leipziger Platz gegenüber dem Bundesrat bespaßt. Auch in Düsseldorf feiert das "völlig verrückte Restaurant-Theater im Spiegelpalast" in diesem Herbst Premiere. Vier Spiegelpaläste über vier Monate in vier Städten gleichzeitig - München, Berlin, Frankfurt am Main und Düsseldorf - gastieren als Eckart Witzigmann Palazzo somit in dieser Saison.
Die dreieinhalbstündige Dinnershow, die allabendlich bis zu 450 Gäste anlocken soll, ist im Grunde eine Mischung aus Varieté-Besuch und Dinner in einem Spitzenrestaurant. Nach einem Aperitif an der Bar im gemütlichen Vorzelt nehmen die Gäste im Spiegelpalast an den Tischen Platz, die um die Bühne herum aufgestellt sind. Dann wechseln sich Show-Nummern mit den vier Gängen des Menüs ab. So kann sich der Zuschauer immer auf eins konzentrieren - auf das Essen und dann auf die Show.
Die Artisten und Spaßmacher des insgesamt viermonatigen Gastspiels des Eckart Witzigmann Palazzos treten in der "Manege" auf, ganz nah am Publikum, das manchmal zum Teil der Show wird. Bislang vorgeshen sind Jongleur Paul Ponce, der zum Beispiel zwischen den Tischreihen umherwuselt, während er eine ständig steigende Zahl schmucker Hüte durch die Luft wirbelt. Für das Zwerchfell sind drei Comedy-Truppen zuständig, die nacheinander in den vier Monaten auftreten. Jigalov & Partner, Sammy Tavalis & Friends sowie Paul Morocco & Olés. Grinsend hinterlassen auch Lloyd Kandlin und Babette ihre Zuschauer. Für offene Münder sorgt das Duo Artemiev unter der Zeltkuppel am Trapez, ebenso wie Oleg Chudan am Trapezseil. Und dass "Kopf nach hinten hinab zu den Füßen, durch die Beine durch, wieder zurück, die Arme hoch und wieder runter, ein Bein nach hinten in die Höh, rechter Arm drumherum und den Kopf hindurch" nicht zwangsweise mit einem Seemannsknoten im Körper enden muss, beweisen die Schlangenmenschen Nataliya Vasylyuk und Anatoliy Zalevskiy, Superstars des Varietés. Die beiden bringen ihr Ballett Rizoma mit. Durch den Abend führt der Travestie-Star Shequida, einer der als stimmgewaltigsten Dragqueens New Yorks.
Dass der Palazzo nicht nur aus einem hochkarätigen Showprogramm besteht, verrät allein der Name - Starkoch Eckart Witzigmann, 1979 als erster deutscher Koch mit drei Sternen des "Guide Michelin" in seinem Münchner Restaurant "Tantris" verziert und 1994 vom "Gault Millau" zum Jahrhundertkoch gekürt, hat mit seinen Küchenchefs ein viergängiges Menü kreiert. "Ich muss nichts mehr beweisen. Aber ich bin ein ruheloser Koch und habe den Ehrgeiz, wieder etwas Neues zu schaffen", erklärt der Starkoch. Nach vielen Jahren feinster Gastronomie mit seinen Restaurants "Tantris" und "Aubergine" ist es Zeit für neue Dimensionen. Witzigmann schmunzelnd: "Klein und fein hatte ich bereits, jetzt gibt es eben groß und fein."
Die Idee für den Palazzo allerdings hatte ein anderer: Matthias Hoffmann. Der Show-Veranstalter und Geschäftsführer der Deutschen Arena war immer schon ein Bewunderer von Dinnershows. Eckart Witzigmann kannte er bereits seit 1996, seit einer Zusammenarbeit bei einem Konzert der "Drei Tenöre", die Hoffmann veranstaltete und bei dem Witzigmann die VIPs verköstigte. Als Hoffmann 1999 selbst an einer Dinnershow bastelte, konnte er Witzigmann begeistern. Dass das Konzept "Dinnershow plus Spiegelzelt" vor allem den Berlinern bekannt ist, weiß Hoffmann. Doch einerseits bestünde bei einer solchen Idee kein Artenschutz, und außerdem gebe es Unterschiede. So tüftelt Witzigmann für jede Saison an einem neuen Menü. Hoffmann ergänzt: "Wir gastieren nur vier Monate in einer Saison, dadurch bleiben wir ein Highlight."
Also Ohren gespitzt, Augen aufgemacht und Gaumen in Amüsierlaune gebracht - das Unterhaltungsmenü ist angerichtet.
Bülow, Alexandra

