Wann die Mathematik anfing, ist schwer zu sagen. Es hängt davon ab, was man unter Mathematik versteht. Die Fähigkeit, einfache mit Zahlen zusammenhängende Probleme zu behandeln? Schon bei den Babyloniern und den Ägyptern wurde fleißig gerechnet. Es wurden Näherungen für die Kreiszahl Pi verwendet, und dass rechte Winkel etwas mit dem Satz von Pythagoras zu tun haben, war bekannt.
Üblicherweise setzt man den Anfang der Mathematik auf etwa 500 Jahre v. Chr., damals waren griechische Mathematiker nicht mehr mit Faustregeln und Beispielrechnungen zufrieden. Sie wollten eine sichere Basis für das Finden von Wahrheit haben. Ersten Beweise wurden entwickelt, wie der Satz von Thales: Liegt die Spitze eines Dreiecks auf einem Halbkreis über der längsten Seite, ist das Dreieck rechtwinklig. Einen ersten Höhepunkt erlebten diese Bemühungen mit den "Elementen" des Euklid, der das damalige geometrische Wissen zusammenfasste und gleichzeitig ein oft kopiertes Modell für die Entwicklung einer Wissenschaft vorlegte. Man geht von offensichtlich wahren Tatsachen (Axiomen) aus und entwickelt dann streng logisch alle weiteren. So ist die Newtonsche Physik aufgebaut, auch Kant nannte diesen Ansatz vorbildlich.
Diese durch griechische Mathematiker erstmals realisierte "abgesicherte Wahrheitssuche" führte zu bemerkenswerten Erfolgen. Es zeigte sich im Laufe der Neuzeit, dass immer mehr Phänomene der uns umgebenden Wirklichkeit durch Tatsachen beschrieben werden können, die in der von den Mathematikern untersuchten idealisierten Welt gefunden wurden.
Heute tun sich aber auch Experten schwer, auf der Höhe der Zeit zu bleiben bei all den gekrümmten Räumen, Tensoren und Wahrscheinlichkeiten. War der liebe Gott ein Mathematiker? Oder sehen wir nur das, was wir durch die Auswahl der Methoden sehen wollen? Für Mathematiker ist das eher zweitrangig. Sie finden es befriedigend, Wahrheiten zu finden, die in alle Zukunft Bestand haben.
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