Doch ihre Anstrengung schlägt nun in die andere Richtung um: Sie hat China eine Krise in der Dieselversorgung beschert - und die Emissionen werden sogar steigen.
In langen Schlangen warten derzeit die Laster in den Industrieregionen des Perlfluss-Deltas oder in Ostchinas Jangtse-Gebieten auf den fehlenden Kraftstoff. Mehr als 2000 privat betriebene Tankstellen, denen der Nachschub ausgegangen ist, mussten in Südchina schon schließen. Andere rationieren ihren Dieselverkauf. Alarmiert schrieb die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua von "beispiellosen Knappheiten". "Einmalig" sind jedoch nur die Gründe dafür, dass es plötzlich an Sprit mangelt. Denn an Öl fehlt es grundsätzlich nicht: Immerhin importiert Peking rund 210 Millionen Tonnen - China gehört damit zu den größten Importländern der Welt. Schuld am knappen Diesel sind auch nicht Transportschwierigkeiten oder Engpässe. Es handelt sich um einen sozialistischen Schildbürgerstreich.
Anfang 2010 entdeckte die Regierung in Peking, dass sie ihre Selbstverpflichtung, 20 Prozent Energie zu sparen, verfehlen würde. Versprochen hatte sie, im Vergleich zu 2005 innerhalb von fünf Jahren bis Ende 2010 den Energieaufwand für eine vergleichbare Wirtschaftsleistung um ein Fünftel der Menge zu senken. Als im Frühjahr klar wurde, dass dieses Ziel nicht erreicht werden würde, forderte die Zentralregierung zu höchsten Anstrengungen bei der Einsparung auf. Statt aber über Hebel wie eine Verteuerung der Energiekosten die Produzenten zum effizienteren Umgang mit Kohle, Öl, Gas und Strom zu ermuntern, gab sie den Provinzen Einsparquoten vor.
Die örtlichen Behörden reagierten. Ampeln und Straßenbeleuchtungen wurden ausschaltet; viele Städte drehten den Fabriken und Unternehmen den Strom ab. Die Behörden in der Sechs-Millionen-Küstenstadt Wenzhou, einem Boomzentrum der Privatwirtschaft in Ostchina, etwa versorgten Betriebe einen Tag mit Strom und ließen sie dann zwei bis vier Tag vom Netz abschalten. Unternehmer warfen daraufhin ihre Notstrom-Aggregate an - und kauften dafür Dieselvorräte auf. Leidtragende sind jetzt viele Autofahrer. Das Plakat "Ausverkauft" stehe an immer mehr Tankstellen. Chinas größte Öl-Raffinerien Sinopec und CNPC haben seit Oktober ihre Öl- und Dieselproduktion drastisch erhöht. Peking wird zwar mit seiner Verordnung Strom sparen - seiner Klimabilanz kommt das aber nicht zugute.


