Sie ist mit 8,5 Millionen Versicherten die größte deutsche Krankenkasse. Glaeske sprach sich dafür aus, neuen patentgeschützten Medikamenten zunächst nur eine befristete Kassenzulassung zu geben und sie dann neu zu bewerten. Alleine Krebsmittel, bei denen eine Therapie mit Kosten bis zu 60 000 Euro im Jahr - in Einzelfällen bis über 100 000 Euro - zu Buche schlägt, haben laut Report einen Anteil von einem Fünftel an den gesamten Arzneimittelausgaben.
Diese Entwicklung belastet zunehmend die Budgets der Krankenkassen. Die Steigerungsraten der 20 ausgabenstärksten Medikamente lagen im vergangenen Jahr bei der Barmer GEK meist zwischen zwölf und 25 Prozent - bei einem durchschnittlichen Zuwachs über die gesamte Palette von sechs Prozent. Den stetig steigenden Arzneimittelausgaben will Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) mit einem Pharmasparpaket einen Riegel vorschieben: Geplant sind höhere Zwangsrabatte und ein Einfrieren der Medikamentenpreise. Außerdem will er die Hersteller von teuren, innovativen Medikamenten zu Verhandlungen mit den Krankenkassen zwingen. Kommt es innerhalb eines Jahres nicht zu einer Einigung, entscheidet eine Schiedskommission über den Preis des Medikaments. Bislang können die Pharmafirmen den Preis selbst festlegen - die Kassen mussten zahlen.
Geringere Ärztevergütung
Der Vizechef der Barmer GEK, Rolf Schlenker, begrüßte Röslers Sparpläne ausdrücklich. "Warum verlangen die Pharmafirmen für das Krebsmittel Glivec in Großbritannien 1800 Euro, bei uns aber 2800 Euro?", fragte Schlenker. Er forderte, die Schiedskommission solle sich bei der Preisfindung an den Preisen im Ausland orientieren. "Das wäre der Durchbruch für faire Preise und gute Verträge."
Rösler will mit seinem Pharmasparpaket die Ausgaben der Kassen mittelfristig um zwei Milliarden Euro im Jahr senken. Der Barmer-GEK-Vizechef forderte weitere Sparbemühungen des Ministers. Sinnvoll wären ein Preismoratorium bei Krankenhäusern und eine moderat geringere ärztliche Gesamtvergütung. Auch die Apotheker müssten ihren Beitrag leisten, sagte Glaeske. Ein höherer Apothekenabschlag könnte 300 Millionen Euro bringen. Durch eine Neuregelung der Vergütungen im Arzneimittelgroßhandel ließen sich weitere 400 Millionen Euro sparen.
Glaeske plädierte dafür, mehr Nachahmerpräparate - sogenannte Generika - anzuwenden. Gut ein Viertel der Kassenausgaben für Medikamente entfalle auf lediglich 2,2 Prozent der verordneten Menge. Glaeske warb dafür, sowohl mit als auch an Arzneimitteln zu sparen. Sparen lasse sich mit jenen Präparaten, die zum Beispiel eine stationäre Behandlung der Patienten überflüssig machen. Sie sollten verstärkt eingesetzt werden.
Der neue oberste Pharmaprüfer Jürgen Windeler hält im Gesundheitssystem Einsparungen im zweistelligen Milliardenbereich für möglich. "Die Summen, die für ungeeignete Behandlungen ausgegeben werden, sind erheblich", sagte er der "Frankfurter Rundschau". Bevor man über Rationierung medizinischer Leistungen rede, solle man das Geld besser in die richtigen Bahnen lenken.
mit dpa



